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Ursachen Fersenschmerz: Achillessehne – Fußsohle & Co.

Auch hinten am Fuß ist Genauigkeit gefragt: Der Arzt unterscheidet einen oberen und unteren Fersenschmerz


Steckbrief Achillessehnenschmerz: männlich, Mitte 40, sportlich. Frauen haben seltener damit zu tun

Anfällig für Entzündungen sind drei Bereiche an der Ferse: nach oben die Achillessehne, unten die Fußsohlensehne, dazu der Fersenhöcker mit seinen Ansatz- oder Ursprungsstellen speziell dieser Sehnen. Außerdem haben wichtige Fußmuskeln am Fersenbein ihren Ursprung.

Achillessehne: Entzündung & Riss; oberer Fersensporn

Muskelungleichgewichte, Bänderschwäche an den Sprunggelenken, Verformungen des Fußes oder Probleme weiter oben am Bewegungsapparat können die Achillessehne überlasten. Bei akuter Überbelastung kann die Sehne sich akut entzünden, im Extremfall reißen (Ruptur).

Ist sie durch ständige Belastungen überfordert, kommt es häufig zu einer chronischen Entzündung (Tendinitis). Es entwickeln sich schleichende Gewebeschäden (Tendinose) und Teilrisse. Diese können als Folge einer akuten Beanspriuchung oder Verletzung entstehen oder das Resultat wiederholter kleiner Risse sein.

Die Hauptrolle spielt in beiden Fällen Sport: Gelegenheits- und Leistungssport mit Sprung-, Lauf- und Sprint-Leistung. Vor allem unausgeglichen arbeitende Muskeln, zum Beispiel wenn die Wadenmuskeln verspannt und verkürzt sind, wirken sich ungünstig aus, da die Achillessehne einseitig beansprucht wird.

Hinzukommen Schwierigkeiten aufgrund des Materials und der Methodik im Sport – vom Schuhwerk über den Boden bis zur praktischen Ausübung.

Auch Formveränderungen am Fersenbein, etwa ein Überbein, können der Achillessehne Probleme bereiten.


Weitere Faktoren, die zu Achillessehnenschmerzen führen können, sind Veranlagung und Verschleiß. Die Gewebequalität lässt je nach Körperbau und Lebensgeschichte früher oder später nach (Degeneration). Eine wichtige Rolle spielen zum Beispiel auch frühere Verletzungen, etwa an den Sprunggelenken. Für den Knochen sind außerdem bestimmte Krankheiten wie Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen von Bedeutung, etwa Diabetes oder Gicht. Schließlich können sich rheumatische Erkrankungen, Wirbelsäulenleiden, Fehlstellungen der Beinachsen (X- und O-Beine) und Nervenschäden an den Fersen niederschlagen.

Ein entzündeter Achillessehnenansatz ist oft mit einer Schleimbeutelentzündung und einem Fersensporn verbunden. Dieser obere (hintere) Sporn entspricht einer knöchernen Ausziehung am Übergang von der Sehne zum Knochen. Nach wiederholter Belastung kann die chronisch entzündete Achillessehne ausdünnen, und es kommt zu Rissen.

Symptome: Bei einer akuten Entzündung der Sehne oder der Sehnenscheide treten bei Belastungen, also beim Laufen, Springen und Gehen zunehmend stechende Schmerzen und Schwellungen im Sehnenbereich auf. Ist die Entzündung chronisch geworden, machen sich die Schmerzen morgens gleich bei den ersten Schritten bemerkbar (Anlauf- oder Belastungsschmerz), lassen aber beim weiteren Bewegen nach. Bei stärkerer Aktivität oder in Ruhe nehmen sie wieder zu. Die Sehne ist stellenweise verdickt oder aufgetrieben und an den entsprechenden Punkten druckschmerzhaft. Feine Risse machen kaum Beschwerden. Stärkere Teilrisse können je nach Lage überall an der Sehne Schmerzen verursachen. Die Kraftübertragung auf den Fuß kann (muss aber nicht) vermindert, die Wadenmuskulatur geschwächt sein. Entzündungen am Sehnenansatz führen ebenfalls zu Anlaufschmerzen, vor allem beim Bergauflaufen. Der Druckschmerz ist punktuell, mehr innen, außen oder hinten in der Fersenmitte lokalisiert. Die Ferse kann an diesen Stellen deutlich verdickt sein. Bei einer Schleimbeutelentzündung besteht ein starker örtlicher Druckschmerz.

Diagnose:
- Entzündung der Sehne / Sehnenscheide:
Beim Tasten lässt sich im unteren Teil der Achillessehne, etwa zwei bis sieben Zentimeter oberhalb des Sehnenansatzes am Fersenknochen, ein Druckschmerz auslösen (Zangengriff), und beim aktiven und passiven Bewegen des Fußes ein Schmerz. Bei Fußbewegungen sind an der Sehne knötchenartige Verdickungen tastbar, eventuell lässt sich auch ein Reiben fühlen oder ein Knirschen hören.
Bei Teilrissen kann der „Einbeinzehenspitzenstand“ eingeschränkt oder auch unmöglich sein (siehe weiter unten: Achillessehnenriss).
- Entzündung des Sehnenansatzes: Der Sehnenansatz ist druckschmerzhaft. Beim Zangengriff liegt der Schmerz am Sehnenrand zwischen Sehne und Fersenbeinhöcker. Dehnen der Sehne, zum Beispiel Hochziehen des Fußes nach oben gegen Widerstand, oder auch der Hackenstand, verstärken die Schmerzen.
Die Ultraschalluntersuchung zeigt bei Sehnenproblemen meist Verkalkungen, entzündliche Verdichtungen oder Risse. Mittels Magnetresonanztomografie können auch kleinste Defekte der Sehne erkannt werden. Ergänzende Informationen können Röntgenaufnahmen des Fußes (Ferse, oberes Sprunggelenk) geben. Falls gleichzeitig ein Fersensporn vorliegt, ist er im Röntgenbild erkennbar. Zur Diagnose anderer Grunderkrankungen tragen auch Laboruntersuchungen bei.

Therapie: Sie richtet sich nach Art, Lage, Dauer und Ausmaß der Entzündung. In der akuten Situation ist Schonung durch eine mehrwöchige Belastungspause notwendig. Kälte- und Wärmeanwendungen sowie Elektrotherapie (Iontophorese, Ultraschall) werden meistens als angenehm und schmerzlindernd empfunden, ebenso eine leichte Absatzerhöhung oder Weichbettung der Ferse (engl. heel pads) im Schuh. Ein entzündungshemmendes Medikament als Salbe beziehungsweise zum Einnehmen oder ein Schmerzmittel wie Paracetamol kann kurzfristig die Beschwerden lindern helfen. Spezielle Bandagen sind eine weitere Option. Dann sind Weichbettung und Absatzerhöhung verzichtbar. Leichte krankengymnastische Dehnungsübungen empfehlen sich auf jeden Fall. Manchmal spitzt der Arzt ein örtlich betäubendes Medikament in den entzündeten Bereich.

Bei chronischen Beschwerden sind Krankengymnastik und orthopädische Hilfen für den Fuß besonders wichtig. Im Einzelnen geht es dabei um spezielle Techniken der Bindegewebsmassage, Fuß- und Wadengymnastik, Einlagen und spezielle Schuhzurichtungen. Eine Absatzerhöhung kann unterschiedliche Beinlängen ausgleichen. Ansonsten sind die Meinungen hier geteilt. Manchmal führen Orthopäden auch eine Stoßwellenbehandlung durch, insbesondere beim Fersensporn. Das ist jedoch in diesem Fall normalerweise keine Kassenleistung.
Bei größeren Schäden geht es meist nicht ohne eine operative „Sanierung“. Dabei wird entzündetes Sehnengewebe entfernt und zur besseren Stabilisierung manchmal noch ein körpereigenes Stück Sehne, ein Transplantat, eingesetzt. Die Nachbehandlung führt schrittweise zur normalen Belastung, flankiert durch Krankengymnastik und geschützt durch einen orthopädischen Stabilschuh mit Fersenerhöhung („funktionelle Therapie“, siehe auch nachfolgend: Achillessehnenriss). Die Fersenerhöhung wird langsam reduziert. Laufen ist erst wieder nach einigen Wochen erlaubt, und zwar mit einem geeigneten Sportschuh. Für Sportler ist ein situationsgerechter Trainingsaufbau wichtig.

Achillessehnenriss

Komplette Risse der Achillessehne stehen nach der Häufigkeit auf Platz zwei aller Sehnenrisse – nur an der Schulter kommen sie noch häufiger vor.

Meistens reißt die Achillessehne auf mittlerer Höhe an der „Taille“, in zehn Prozent im oberen Drittel, seltener unten, nahe der Ferse. Sonderformen betreffen den Übergangsbereich von Muskel und Sehne und den Ausrissbruch am Fersenbein, der häufiger bei Jugendlichen vorkommt.

Hauptursachen von Achillessehnenrissen sind hohe Belastungen beim Sport. Einmal verschlissen, kann die Sehne schon bei einer ganz normalen Bewegung reißen. Nicht zuletzt kann es bei einem versehentlichen Tritt in ein Loch oder bei Gewaltanwendung, bei einem Stoß oder Tritt gegen die (angespannte) Sehne zur Rissverletzung kommen. Und: die früher häufig praktizierten Spritzenbehandlungen mit Kortison sind heute bei Sehnenproblemen, besonders an der Ferse, so gut wie out, da das Riss-Risiko steigt.

Symptome: Typisch ist ein plötzlicher Ruck zusammen mit einem reißenden Geräusch, wie ein „Peitschenknall“. Es treten sofort starke Schmerzen auf. Der Zehenstand auf der verletzten Seite (Einbeinzehenstand) ist in der Regel nicht mehr möglich, die Ferse kann nicht mehr abgehoben werden. Ausnahmen von dieser Regel gibt es, wenn andere Beinmuskeln, die unabhängig von der Achillessehne bei der Fußbeugung mithelfen, extrem kräftig sind. Allerdings ist der Zehenspitzenstand dann abgeschwächt. Anfangs kann die Sehne oberhalb der Ferse eine Delle aufweisen. Sie verstreicht, falls sich ein Bluterguss bildet. Fuß und Unterschenkel können dann stark anschwellen. Teilweise lassen die Schmerzen nach einiger Zeit wieder nach.

Diagnose: Die Angaben des Patienten und der Befund an seiner Achillessehne sind meistens recht typisch. Wenn der Arzt die Wade zusammendrückt, tendiert die Ferse nicht wie sonst zum Unterschenkel hin (Wadenkneiftest). Ein „Hängefuß“ bei angewinkeltem Knie, zum Beispiel bei Untersuchung in Bauchlage, gilt neben dem in der Regel nicht mehr möglichen Einbeinzehenstand als klares Zeichen. Der Riss wird durch eine Ultraschalluntersuchung oder Magnetresonanztomografie (MRT) nachgewiesen. Letztere vermittelt ein detailliertes Bild, ist aber teuer und wird daher nicht von vornherein eingesetzt. Falls eine Operation notwendig ist, dient die MRT dem Operateur dazu, sich einen genauen Überblick über die Ausgangssituation zu verschaffen. Je nach Verletzungshergang können ergänzende Röntgenaufnahmen sinnvoll sein.

Therapie: Die Wahl des Therapieverfahrens hängt unter anderem davon ab, wie nah die Sehnenenden beieinander liegen. Der Abstand wird per Ultraschall gemessen. Bei gutem Kontakt und wenn sonst nichts dagegen spricht, kann es ohne Operation gehen, mit einer „konservativ-funktionellen“ Therapie. Ansonsten und bei Leistungssportlern, die möglichst bald wieder einsatzfähig sein müssen, wird operiert. Es gibt hier verschiedene Vorgehensweisen. Die Naht kann zusätzlich verklebt und bei älteren oder komplizierten Rissen noch durch ein körpereigenes Sehnentransplantat stabilisiert werden.

„Konservativ-funktionelle“ Therapie: Nach einer möglichst kurzen Phase der Ruhigstellung beginnt eine früh-funktionelle Behandlung mit einem optimal stützenden Stabilschuh. Funktionelle Behandlung ist das Gegenteil von Ruhigstellung. Sie bedeutet, dass eine verletzte Gliedmaße so bewegt wird (anfangs natürlich nur passiv), dass Abläufe, die zur Verletzung beigetragen haben, vermieden werden, während andere Bewegungen möglich sind. Dazu bedarf es einer maximalen Stabilisierung durch ein orthopädisches Hilfsmittel, hier den Stabilschuh mit hohem Schaft, sowie gezielter Krankengymnastik. Den Schuh müssen die Betroffenen mehrere Wochen tragen. Nachts wird der Fuß durch eine Schiene in der richtigen Position gehalten. Bei der täglichen Fußpflege darf das Sprunggelenk nicht bewegt werden, weil sonst an der Sehne gezogen wird und sie sich verlängern könnte, was ihre Funktion verschlechtern würde. Die Krankengymnastik mit Übungen fürs Sprunggelenk und Gangschulung baut schließlich die Brücke in den Alltag ohne Stabilschuh. Vorübergehend sind noch für eine gewisse Zeit knöchelhohe Schuhe empfehlenswert. Achtung: Wenn die Achillessehne einen „Knacks“ hat, kann der Kraftverlust erheblich sein. Es lohnt sich daher, die Regeln bei der funktionellen Behandlung oder Nachbehandlung im Anschluss an eine Operation einzuhalten, auch wenn sie manchmal etwas streng sind.

Schleimbeutelreizung an der Ferse / Haglund-Ferse oder -Exostose (Überbein)

Schleimbeutel bilden Polster an mechanisch stark belasteten Stellen wie Knochenvorsprüngen. Die Haglund-Exostose oder „hohe Ferse“ ist eine angeborene Formvariante. Für die Achillessehne bedeutet das mehr Kante und damit ein Problem.

Zwischen Fersenbein und Achillessehne, nahe am Sehnenansatz, liegt ein Schleimbeutel, der die Sehne abfedert. Er heißt „Bursa subachillea“. Sich entzünden und dabei störende Ausmaße annehmen kann dieser Schleimbeutel beispielsweise, wenn der Höcker anlagebedingt zu stark ausgeprägt ist. Dann weist die Ferse hinten einen Vorsprung (Exostose) auf, an dem die Sehne sich reibt. Dadurch wird nicht nur sie selbst, sondern auch der Scheimbeutel in Mitleidenschaft gezogen. Die abweichende Höckerform heißt nach dem Erstbeschreiber Haglund-Ferse. Sie wird begünstigt durch Fußfehlstellungen und / oder einen Schuh, auch einen Sportschuh, der mit seiner Fersenschale oder zu harten Abnähern Druck auf diese Gegend ausübt. Manchmal ist auch nur ein oberflächlicher Schleimbeutel zwischen Achillessehne und Haut, die Bursa subcutanea achillea, gereizt.

Die Haglund-Ferse betrifft Erwachsene durchschnittlich im Alter von etwa 40 Jahren, manchmal auch Jugendliche. Sportlich aktive Betroffene sind häufiger Fußball- und Tennisspieler oder Ballett-Tänzer. Es trifft aber nicht nur Sportler. Vor allem bei Nichtsportlern – ansonsten natürlich immer dann, wenn es entsprechende Anhaltspunkte gibt – wird der Arzt als Ursache der Schleimbeutelentzündung ein Rheuma- oder Stoffwechselleiden wie die Gicht ausschließen. 

Symptome: Es zeigt sich eine Schwellung zwischen Achillessehne und Knöchel, und die Ferse erscheint verdickt. Die Schmerzen liegen am oder hinter dem Ansatz der Achillessehne und verstärken sich durch Hochziehen des Vorfußes. Der Schleimbeutel ist geschwollen. Wenn der oberflächliche Schleimbeutel gereizt ist, bleibt die Achillessehne selbst normalerweise intakt. Der entsprechende Bereich ist aber oft geschwollen, die Haut kann eine Schwiele aufweisen und ist gerötet.

Diagnose: Die Angaben der Betroffenen und der Befund an der Ferse sind richtungweisend. Der Orthopäde sieht einen verbreiterten Umriss des Fersenbeins und kann einen örtlichen Druckschmerz am Innen- und Außenrand der Sehne oberhalb ihres Ansatzes am Knochen durch den sogenannten Zangengriff auslösen. Dabei umfasst der Arzt mit beiden Händen den Fuß fest oberhalb und unterhalb des Knöchels. Im Röntgenbild zeigt sich (nach vollendeter Knochenreifung ab etwa 16 Jahren) eventuell der Knochenvorsprung als Ausziehung oben am Fersenbeinhöcker. Im Ultraschallbild ist oft ein flüssigkeitsgefüllter Schleimbeutel zu sehen, eventuell auch eine verdickte Achillessehne.

Therapie: Ein drückender Schuh hat ausgedient. Der Arzt verordnet ein Fersenpolster mit Locheinlage. Das Schuhwerk wird im Bereich der Fersenkappe korrigiert (Schuhzurichtung mit Randerhöhung, Weicherlegen der Fersenkappe). Körperliche Belastungen sollte man eine Zeit lang möglichst vermeiden. Im Sommer und zu Hause bieten sich fersenfreie Schuhe an. Entzündungshemmende Medikamente und örtlich kühlende Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Entzündung zurückgeht und das Gewebe abschwillt. Empfehlenswert sind vor allem krankengymnastische Übungen, um die verspannte und verkürzte Wadenmuskulatur zu dehnen, sowie Elektro-Therapie. Auch eine Stoßwellenbehandlung wird manchmal angeboten. Allerdings bezahlen die Krankenkassen nichts dafür. Spricht die Entzündung nach mehreren Monaten nicht auf die Therapie an, kann der Knochenvorsprung (also das Überbein) entfernt werden. Dabei bleibt das Gleitlager der Sehne möglichst erhalten. Der entzündete Schleimbeutel kann sich erholen. Oft wird er aber entfernt (Bursektomie). Nach dem Eingriff erlaubt eine funktionelle Behandlung, den Fuß zunehmend zu belasten. Dabei helfen ein orthopädischer Stabilschuh mit Absatzerhöhung und Krankengymnastik (siehe oben, Achillessehnenriss).

Fußsohle: Entzündung der Sehnenplatte (Plantarfasziitis) / unterer Fersensporn

Auch Entzündungen der Sehnenplatte an der Fußsohle sind im Laufsport sehr häufig. Daneben gibt es noch andere Ursachen. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen bildet sich ein unterer Fersensporn.

Die Entzündung der Fußsohlenplatte, der Plantaraponeurose, wird „Plantarfasziitis“ genannt. Dabei kommt es zu Umbauvorgängen im Bindegewebe der Sehne, zu Schwellungen, feinen Einrissen und Verkalkungen. Warum die Fußsohlensehne sich entzündet, ist nicht ganz klar. Eine gewisse Rolle spielen außer Laufsport auch Fußverformungen wie etwa ein Senk- oder Knick-Senk-Fuß (Plattfuß; siehe Kapitel "Ursachen: Weitere Fußprobleme"), eine verkürzte Wadenmuskulatur, Übergewicht, Steh- und Laufberufe, außerdem rheumatische Krankheiten, zum Beispiel Morbus Bechterew. Beim Knick-Senk-Fuß wird die Sehnenplatte vermehrt durch Zug belastet und gereizt.
Bei all diesen Vorgängen kann auch ein Fersensporn entstehen, diesmal ein unterer (vorderer) beziehungsweise „plantarer“ Sporn fussohlenseitig. Das ist bei jedem Zweiten mit Fersenschmerzen im Fußsohlenbereich der Fall. Der Sporn geht von einem kleineren Knochenfortsatz am Fersenhöcker aus. Zur Erinnerung: Bei Entzündungen des Ansatzes der Achillessehne entwickelt sich gelegentlich ein oberer Sporn (siehe oben). Untere Fersensporne sind häufiger. Auch ein geschrumpftes Fettpolster an der Ferse (siehe unten) kann hier zur Entwicklung eines Sporns beitragen.

Symptome: Bei einer Entzündung der Fußsohlenplatte treten Schmerzen an der Fußsohle im Fersenbereich auf. Meistens sind es Anlaufschmerzen morgens, die bei Belastung zunehmen. Sie können in den Fuß und Unterschenkel ausstrahlen. Die Ferse ist auch am Innenrand druckschmerzhaft. Fersensporne können ihrerseits für stechende Fersenschmerzen beim Stehen und Gehen verantwortlich sein. Die Beschwerden treten häufiger einseitig als beidseitig auf.

Diagnose: Der Arzt macht sich ein Bild von den Beschwerden und untersucht den Fuß. Beim Abtasten lässt sich ein Druckschmerz auslösen. Die Schmerzen verstärken sich, wenn der Betroffene die Zehen nach oben zieht. Dabei spannt sich nämlich die Sehnenplatte an. Ultraschallbilder können die verdickte Sehnenplatte darstellen. Details liefert eine Magnetresonanztomografie. Sie ist aber nur bei speziellen Fragestellungen nötig. Ein Röntgenbild beweist den Sporn.
Zeigt eine aus anderen Gründen durchgeführte Röntgenaufnahme nur zufällig einen Sporn, ohne dass Beschwerden an der Ferse vorhanden sind, hat der Befund keine Bedeutung
. Falls der Schmerz in Richtung Wade zieht, wird der Arzt mechanisch bedingte Schäden der Nerven, die die Gefühlswahrnehmung an der Ferse vermitteln, eine Nerveneinklemmung oder ein sogenanntes Tarsaltunnel-Syndrom ausschließen (Symptome hier: nächtliche Schmerzen, Kribbeln an der Fußsohle, Druckschmerz hinter dem Innenknöchel, Belastungsschmerz des Fußes, besonders beim Anheben). Wenn die Beschwerden an beiden Füßen vorhanden sind, ist unter anderem ein rheumatisches Krankheitsbild wie Morbus Reiter oder die Bechterew-Erkrankung denkbar (siehe Kapitel „Ursachen: andere Erkrankungen“).

Therapie: Sie richtet sich nach der definitiven Diagnose und den persönlichen Anforderungen, etwa bei Leistungssportlern. Hauptziel ist es, den Reizzustand zum Abklingen zu bringen. Mehrmals täglich sollten Dehnungsübungen der Oberschenkel- und Wadenmuskulatur und der Fußsohle stattfinden. Diese werden bei der Krankengymnastik eingeübt. Leistungssportler sollten vorübergehend ihr Training anpassen. Die Ferse wird durch ein in eine Einlage eingearbeitetes Silikonkissen abgefedert. Es entlastet sowohl den Sehnenansatz als auch einen eventuellen Fersensporn. Bei Fußfehlstellungen wird das Fersenpolster in eine Fußeinlage eingearbeitet. Auch Kälte- und Wärmanwendungen, ein entzündungshemmendes Medikament (zunächst auch in Salbenform) oder ein Schmerzmittel wie Paracetamol können die Beschwerden lindern. Bei fortbestehenden Beschwerden kommen Bindegewebsmassagen infrage. Nur im Ausnahmefall wird der Arzt eine örtliche Spritzenbehandlung mit einem betäubenden Mittel, selten mit Kortison, eventuell auch eine Nervenblockade durchführen. Eine weitere Option (allerdings nicht für die Krankenkasse!) ist die Stoßwellenbehandlung. Mit Eingriffen halten sich Orthopäden heute eher zurück. Sie raten zunächst zu Geduld und Ausdauer bei der konservativen Behandlung, die bis zu zwei Jahre dauern kann. Falls eine Operation unumgänglich ist, wird die Sehnenplatte am Fersenbein gespalten beziehungsweise abgelöst und ein Sporn, eventuell auch etwas Knochen im Bereich des Fersenbeinhöckers, gegebenenfalls abgetragen.

Ermüdungsbruch des Fersenbeins

Zum Ermüdungsbruch des Fersenbeins kommt es durch eine lang einwirkende, sich monoton wiederholende Überanstrengung des Fußes bei ausgedehnten Märschen, Marathonläufen oder bei Sport mit viel Lauf- und Sprungelementen, etwa Basketball.

Oft gehen dem Ereignis also wiederholte oder ungewohnte Belastungen voraus – etwa auch eine Intensivierung oder Umstellung des sportlichen Trainings. Oder das auf Dauer ungeeignete Schuhwerk macht Probleme. Auch der Körperbau kann eine Rolle spielen, beispielsweise ungleiche Beinlängen. Ein vor diesem Hintergrund entstandener Ermüdungsbruch (auch Stressfraktur genannt; Fraktur bedeutet Bruch) betrifft einen im Kern gesunden Knochen. Es entstehen kleinste Verletzungen, die er kontinuierlich repariert. Schließlich kommt es aber doch zur „Materialermüdung“ und einem haarfeinen Riss. Ermüdungsfrakturen können auch an kranken Knochen auftreten oder auf eine bislang unerkannte Knochenkrankheit hinweisen, beispielsweise Knochenschwund (Osteoporose). Fachleute sprechen hier von Insuffizienzfraktur, weil der bereits geschwächte Knochen den Anforderungen nicht mehr genügt. Ein Risikofaktor ist beispielsweise die Magersucht.

Symptome: Es entwickeln sich allmählich zunehmende Fersen- oder Fußschmerzen, besonders bei Belastung. Die Fersengegend kann schwellen.

Diagnose: Oft führen die Angaben des Patienten darüber, wie es zu den Beschwerden gekommen ist, und über die sportlichen Aktivitäten zur Verdachtsdiagnose. Bestätigen lässt sie sich durch eine Magnetresonanztomografie (MRT). Wichtig ist der Ausschluss anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Rheuma.

Therapie: Eine längere Belastungspause ist leider unvermeidlich. Eventuell kann ein über kurze Zeit eingenommenes entzündungshemmendes Medikament oder ein Schmerzmittel die Beschwerden lindern helfen. Infrage kommen auch eine physikalische Therapie, zum Beispiel Elektrotherapie, und Krankengymnastik. Gegebenfalls verordnet der Orthopäde stoßdämpfende Einlagen. Operative Maßnahmen sind bei diesen Brüchen im Gegensatz zu rein verletzungsbedingten nur selten erforderlich.

Apophysitis calcanei (Morbus Haglund)

Dieses Krankheitsbild ist nicht dasselbe wie die oben beschriebene Haglund-Ferse. Es betrifft vor allem sportlich aktive Kinder und Jugendliche in der Zeit des Wachstums.

Mädchen erkranken etwas früher als Jungen. Zu der Haglund-Krankheit kommt es durch wiederholte „Mikroschäden“ bei Über- und Fehlbelastungen. Als Fachbegriff taucht hier öfter auch die Bezeichnung Osteochondrose auf. Die unteren Gliedmaßen, etwa Knie oder Fersen, sind wegen des Belastungsdrucks häufiger betroffen. Dann entwickeln sich bestimmte „Knochenkerne“ (Apophysen) nicht richtig. Normalerweise bilden sich daraus nach dem Bauplan der Natur Knochenvorsprünge als Ansatzpunkte für Sehnen und Bänder. Mit der Zeit verschmelzen sie mit dem benachbarten Hauptknochen. Bei der Apophysitis verzögern sich diese Vorgänge.

Symptome: Schmerzen an der druckempfindlichen Ferse, vor allem nach dem Sport. Die Beweglichkeit kann dadurch eingeschränkt sein.

Diagnose: Das Beschwerdebild lenkt den Verdacht auf die Ursache. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen ist die Ferse bei der ärztlichen Untersuchung auf beiden Seiten druckschmerzhaft. Im Röntgenbild zeigen sich „Unregelmäßigkeiten“ am Knochenkern (Apophyse) zum Fersenbein hin. Orthopäden setzen bei Kindern zunehmend Ultraschall als erste bildgebende Untersuchung ein, um Veränderungen oder Verletzungen an Knochen festzustellen.

Therapie: Eine Polstereinlage entlastet die Ferse. Der Arzt verordnet eine Sportpause, auch im Schulunterricht. Schwimmen oder Radfahren sind erlaubte Alternativen. Begleitende Fußprobleme, etwa ein Knickfuß, werden durch korrigierende Einlagen behandelt. Auch eine physikalische Therapie oder Krankengymnastik mit Dehnübungen ist oft angezeigt, bei Bedarf kurzfristig ein antientzündliches oder schmerzlinderndes Medikament. In der Regel sind die Beschwerden nach spätestens einem halben Jahr, manchmal auch schon früher, vorbei.

Schwund des Fersenfettpolsters

Das Fettpolster an der Ferse ist unser natürlicher Stoßdämpfer. Mit dem Älterwerden schrumpft das Fettpolster. Der Arzt nennt das Atrophie. Auch nach Kortisoninjektionen in die nähere Umgebung kann es sich zurückbilden.

Auf Dauer kommt es dann zur Reizung eines Schleimbeutels an der Unterseite des Fersenbeins. Manchmal entwickelt sich dort auch ein Fersensporn (siehe oben).

Symptome: Schmerzen bei Gehen, ziemlich genau in der Mitte unter der Ferse.

Diagnose: Der Orthopäde stellt die Diagnose aufgrund des Beschwerdebildes, des Befundes am Fuß (eventuell tastet er den gereizten Schleimbeutel) und gegebenenfalls einer Ultraschalluntersuchung. Im Röntgenbild kann sich ein Fersensporn zeigen.

Therapie: Es wird eine entzündungshemmende Salbe aufgetragen. Eine Ferseneinlage aus Silikon, ein Fersenweichpolster, entlastet den Rückfuß.




Bildnachweis: DAK/Schläger
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 25.06.2013, erstellt am 23.09.2009
Bildnachweis: DAK/Schläger

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