Am Morgen werden sie sorgfältig eingepackt, den Tag verbringen sie in engen Behältnissen ohne Frischluftzufuhr. Erst abends befreien wir sie aus den Schwitzkästen und gönnen ihnen mehr Sauerstoff und Bewegungsfreiheit. Die Füße zählen zu den wohl am meisten vernachlässigten Teilen des Körpers.
Während wir die Hände hegen und pflegen, sorgfältig waschen und eincremen, schenken wir den Füssen normalerweise nur wenig Aufmerksamkeit. Und das, obwohl sie äußerst sensibel sind. Wir gehen auf ihnen nicht nur viele Tausende Kilometer durchs Leben, sondern können damit – ähnlich wie mit den Händen – greifen, tasten, spüren, fühlen.
Dass die meisten Menschen ihre Füße dennoch so stiefmütterlich behandeln, bemängelt auch der „Deutsche Fußreport“, den das Deutsche Schuhinstitut und der Bundesverband der Deutschen Schuhindustrie jüngst veröffentlichten. Er hält auf der Basis einer großen Fußmess-Aktion fest, dass ein Großteil der Bevölkerung kein Gespür für die unteren Extremitäten besitzt.
„Besonders auffällig: 82 Prozent der Bevölkerung laufen in Schuhen, die ihnen nicht richtig passen, zwei Drittel tragen zu große Schuhe“, heißt es in einer Mitteilung des Schuhinstituts. Eine häufige Folge ist nicht nur ein wackeliger Auftritt. Auch Schmerzen, Abnutzungserscheinungen und Verformungen an Zehen und Gelenken können entstehen, die das Wohlbefinden des ganzen Körpers beeinträchtigen, indem sie zum Beispiel das Gangmuster und die Körperhaltung verändern.
Physiotherapeuten und Mediziner fordern deshalb, den Füssen mehr Beachtung zu schenken – und sie regelmäßig massieren zu lassen. „Allein die Tatsache, dass der Fuß berührt wird, tut dem ganzen Körper gut“, sagt Dr. Marwin Heide, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin sowie Arzt für Naturheilverfahren an der Maternus-Klinik in Bad Oeynhausen. „Das ist, wie wenn jemand lange Zeit keine körperliche Zuwendung erfahren hat und dann einmal wieder in den Arm genommen wird.“
Auch in der Schmerztherapie
Während bei der klassischen Massage die Behandlung des Fußes als ergänzende Teilmassage betrachtet wird, richtet sich bei der Fußreflexzonentherapie das Augenmerk der Behandler ausschließlich auf den Fuß. Auch die Grifftechniken beider Verfahren unterscheiden sich deutlich.
„Bei der klassischen Massage wird mit eher flächigen Griffen wie zum Beispiel Streichungen gearbeitet. Die Reflexzonentherapie setzt präzise und gezielte Reize in die Tiefe des Gewebes“, erläutert die Physiotherapeutin Heidi Ebentheur aus Nesselwang im Allgäu.
Die Füße gelten hier als Schlüssel zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden für den ganzen Körper. „Sie sind ein Abbild unseres Organismus und spiegeln den Menschen im Kleinformat“, erklärt Ebentheur.
Die Therapiemethode geht davon aus, dass jedes Areal an Fußsohle oder -rücken mit einem bestimmten Organ verbunden ist, zum Beispiel die Großzehe mit dem Nacken oder der Fersenbereich mit Kreuzbein, Becken und Sitzbeinhöckern.
Indem die Behandler die einzelnen Zonen gezielt bearbeiten, sollen heilsame Effekte auf die verbundenen Organe einwirken. Unangenehme Empfindungen bei der Massage deuten laut Ebentheur auf Störungen in dem entsprechenden Organ hin.
Bei Schmerzerkrankungen sei die Behandlung am Fuß oft ein gut tolerierbarer Zugang zur Therapie. „Schmerzt ein Körperteil derart, dass der Patient direkte Berührungen nicht aushält, können wir ihn über das Mikrosystem Fuß positiv beeinflussen.“
Ute Essig, Apotheken Umschau;
28.01.2011
Bildnachweis: Getty Images/Vincent Besnault, Corbis GmbH/Image Source
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