Thema: Freizeit

Schalten Sie ab beim Ausmalen!

Aus den USA schwappt ein Trend zu uns: Malbücher für Erwachsene. Fans schwören auf die entspannende Wirkung des Ausmalens. Probieren Sie es mit unseren Vorlagen einfach aus

von Dr. med. Roland Mühlbauer, 25.12.2015

Gelb, blau, lila: Manche bevorzugen zum Ausmalen Buntstifte, andere Filzstifte

Fotolia/Jne_Valokuvaus

Strich um Strich quietschen und schaben bunte Stifte über das Papier. Die Vorlage nimmt Farbe an. Und manchmal auch die Finger. Wie bei einem Puzzle entstehen Abschnitt für Abschnitt prächtige Muster, Naturlandschaften oder Szenen bekannter Fernsehserien. Aus den USA und Großbritannien schwappt ein Trend zu uns herüber: Malbücher für Erwachsene. Zu den Bestsellern zählt ein Buch mit Motiven aus verwunschenen Gärten, von dem bereits 1,4 Millionen Exemplare verkauft wurden.

Kunsttherapeutin und Diplom Gestalterin Sabine Hauptmann, die Mitmachbücher mit kunsttherapeutischem Ansatz konzipiert, erklärt sich das Phänomen so: "Heutzutage sind wir nonstop verfügbar, hektisch und völlig reizüberflutet unterwegs. Deshalb suchen wir nach einem Ausgleich, der uns ganz einfach und schnell in Balance bringen kann." So entkommen die Feierabendzeichner dem Leistungsdruck der modernen Welt und finden zur Ruhe. Motivieren kann außerdem das konkrete Ergebnis, das beim Ausmalen entsteht. "Im Gegensatz dazu sind wir im Berufsleben doch oft nur ein Rädchen im großen Ganzen, uns fehlt die Rückmeldung und Wertschätzung von außen", sagt Hauptmann. Und nicht zuletzt kann etwas Selbstgestaltetes ein sehr herzliches Geschenk sein.

Zum Ausprobieren sehen Sie sich unsere fünf Vorlagen an, drucken Sie sie aus, und los geht´s!


Farbvorschläge zu unseren Ausmalvorlagen

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    Motiv 1: Die punktsymmetrischen, zur Mitte hin orientierten Mandalas sind besonders beliebt.

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    Motiv 2: Ob dezent oder grell - die Muster lassen sich je nach Geschmack farblich gestalten.

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    Motiv 3: Wer beim Ausmalen lieber in sich geschlossene Formen bevorzugt, ist hier richtig.

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    Motiv 4: Natürlich gibt es auch abstrakte Muster, die nicht symmetrisch sind.

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    Motiv 5: Dieses Muster inspiriert vielleicht dazu, es jenseits der Ränder der Malvorlage noch weiterzuzeichnen.

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Ohne es abwerten zu wollen, Irmgard Bonstedt-Wilke, Vorsitzende des Deutschen Fachverbands für Kunst- und Gestaltungstherapie, vergleicht die beruhigende Wirkung des Ausmalens mit dem gedankenversunkenen Kritzeln beim Telefonieren: "Auch dadurch bauen die Menschen nebenbei ihre Spannung ab." Kunsttherapeuten setzen zuweilen das Ausmalen ein, damit sehr angespannte Patienten herunterfahren können. "Beim Ausmalen konzentriert sich der Mensch auf die Tätigkeit und muss nichts leisten", erklärt die Expertin. Der Maler steht nicht unter dem Druck, selbst ein schönes Bild entwerfen zu müssen. "Wählen Sie die Farben für Ihre aktuelle Stimmung aus und lassen Sie sich einfach reinfallen", rät Hauptmann.

Mandalas für die Konzentration aufs Innere

In ihrer eigenen Praxis benutzt Bonstedt-Wilke Mandalas als Vorlagen. Das sind geometrische, entweder quadratische oder runde Bilder, die auf einen Mittelpunkt orientiert sind. "Dem Aufbau entsprechend malen die meisten Patienten Mandalas von außen nach innen aus", berichtet die Kunsttherapeutin. Das spiegelt die indische Philosophie wieder, sich mehr auf das Innere zu konzentrieren – was zum Beispiel auch im Yoga ein Kerngedanke ist. Dieser Vorsatz sei ein möglicher Beweggrund, warum sich die Menschen gerne mit Mandalas beschäftigen, vermutet Bonstedt-Wilke.

Andere Menschen malen lieber Märchenschlösser oder Zaubergärten aus. Laut Sabine Hauptmann ist die Beschäftigung mit Mythen und Märchen auch in der kunsttherapeutischen Arbeit wichtig, weil sich die Menschen mit der Lebenssituation der Märchenfiguren identifizieren können: "Wir gehen mit ihnen zusammen durch Krisen, wandeln uns und reifen dadurch." Außerdem regen solche Szenarien die Fantasie an: "Hier im Zauberwald ist alles möglich, wir haben magische Kräfte, malen uns die Umgebung aus und können plötzlich alles schaffen", so Hauptmann. Sie rät Einsteigern, Motive zu einem Thema auszusuchen, das sie in irgendeiner Form inspiriert. "Fragen Sie sich: Können mir die Vorlagen etwas bieten, damit ich dran bleibe und mich später auch an eigene Formen heranwage?"

Filzstifte, Buntstifte, Kreide: Alles geht

Wichtig ist das richtige Handwerkszeug. Kinder und auch viele Erwachsene lieben Filzstifte wegen der kräftigen und klaren Farben. Bonstedt-Wilke findet hingegen Buntstifte reizvoll, weil sie Schattierungen besser ermöglichen. "Vieles im Leben ist oftmals uneindeutig und hat Schattierungen – auch unsere Gefühle", meint die Kunsttherapeutin. Besonders mutig findet sie, wenn sich Menschen mit verlaufenden Aquarellfarben an Bilder wagen und damit ein Stück weit die Kontrolle abgeben. Hauptmann ergänzt: "Kreiden sind für diejenigen, die gerne etwas künstlerischer an die Sache herangehen, wenn es auch mal schwungvoll über die vorgegebene Linie hinaus sein darf und man keine Angst vor schmutzigen Fingern hat."


Ausmalen ersetzt keine Therapie

Manche der Ausmalbücher tragen den vermeintlich verkaufsfördernden Titel "Art Therapy" und versprechen damit die heilsame Wirkung einer Kunsttherapie. Das halten die Expertinnen für zu hoch gegriffen und warnen vor überzogenen Erwartungen. "Bei Kindern kann Ausmalen zwar auf einer gewissen Stufe für die Entwicklung der geistigen Reife förderlich sein", sagt Kunsttherapeutin Silke Ratzeburg. Ansonsten sehe sie aber weniger therapeutisches Potenzial. Bonstedt-Wilke spricht von einem "pseudotherapeutischen Gefühl", das die Bücher ähnlich wie andere Selbsthilfebücher vermitteln.

Eine richtige Therapie hingegen gibt dem Innenleben Raum und eröffnet Möglichkeiten, wie man bisher Ungesagtes und Unbewusstes ausdrücken kann. Zum Beispiel beim freien Malen in der Kunsttherapie. Dabei beobachtet der Therapeut vor allem auch den Entstehungsprozess der Bilder. Anschließend bespricht er mit dem Patienten, wie es ihm damit geht, wenn beispielsweise ein Gemälde nicht so wird, wie er es sich vorgestellt hat.

Im Alltag kann sich jeder einfach an eine Vorlage setzen und den Malstift schwingen, ganz ohne Ziel. Bonstedt-Wilke: "Sich mal wieder in einer neuen Tätigkeit zu versuchen, kann ja an sich schon Freude bereiten." Legen Sie einfach los. Ein paar Buntstifte hat jeder zu Hause.



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