Fieber wirksam senken

Nicht jeder Temperaturanstieg sollte unterdrückt werden, denn Fieber regt das Immunsystem an. Wann Sie eingreifen sollten

von Barbara Kandler-Schmitt, aktualisiert am 15.01.2016

Fieber: Eine sinnvolle Reaktion des Körpers auf einen Infekt

Thinkstock/iStockphoto

Nasskaltes Schmuddelwetter. Eiskalte Füße. Eine halbe Stunde im Regen auf den Bus gewartet. Abends dann plötzlich heftiger Schüttelfrost. Man fühlt sich wie gerädert und will nur noch ins warme Bett. Der Körper verordnet sich selbst eine Zwangspause. "Bei erhöhter Temperatur wird ein Großteil der Energie in das Immunsystem gesteckt", erklärt Professor Martin Fleck von der Klinik für Innere Medizin der Universität Regensburg. "Deshalb fühlen wir uns schlapp und matt."

Fieber ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers. Es aktiviert das Immunsystem, damit es Krankheitserreger effektiver bekämpfen kann. "Deshalb sollten ansonsten gesunde Menschen mit gutem Allgemeinzustand Fieber nicht gleich unterdrücken", betont Fleck. Viel sinnvoller sei es, sich zu schonen und den Infekt in Ruhe auszukurieren.

Fiebersenkende Mittel nicht immer sinnvoll

Doch anstatt dem Körper die Chance zu geben, sich selbst zu helfen, greifen viele zu fiebersenkenden Medikamenten und schleppen sich ins Büro oder in die Schule. Damit tut sich niemand einen Gefallen: Wird die Immunantwort des Körpers mit fiebersenkenden Mitteln gehemmt, braucht dieser länger, um die Erreger unschädlich zu machen. "Dann besteht die Gefahr, den Infekt zu verschleppen", warnt Fleck.

In den meisten Fällen ist Fieber eine Reaktion auf Viren oder Bakterien. Doch manchmal finden Ärzte zunächst keine Ursache. Hinter immer wiederkehrenden Fieberschüben ungeklärter Ursache steckt oft eine Autoimmun­erkrankung oder seltener ein Tumor. Fleck betont: "Anstatt das Fieber zu ­unterdrücken und so die Symptome zu verschleiern, sollten diese Patienten im Krankenhaus gründlich untersucht werden."


Wann zum Arzt?

Patienten, deren Abwehr durch Erkrankungen oder Medikamente geschwächt ist, rät er, bei Fieber sofort zum Arzt zu gehen, da Infektionen für sie gefährlich werden können. "Junge, gesunde Menschen halten vorübergehend bis zu 40 Grad aus, sollten aber bei hohem Fieber spätestens am dritten Tag zum Arzt."

Auch die Mannheimer Apothekerin Sandra Nemetschek sieht bei gutem Allgemeinbefinden keinen Grund, das Fieber gleich zu senken. "Wer sich ansonsten gut fühlt, sollte sich ausruhen, viel trinken und ordentlich schwitzen." Anders sehe es bei starkem Krankheitsgefühl, bei Kindern und Schwangeren aus: "Wenn ein Kind sehr leidet oder zu Fieberkrämpfen neigt, sollte die Temperatur bereits ab 38,5 Grad gesenkt werden."

Ab wann Fieber senken?

Für Ungeborene sei hohes Fieber der Mutter schädlicher als der fiebersenkende Wirkstoff Paracetamol, der in der ganzen Schwangerschaft ­gegeben werden könne. Auch für chronisch Kranke ist Fieber sehr belastend, vor allem wenn sie an Herz- oder Nierenschwäche leiden. Um den Kreislauf zu schonen, sollten sie ab 38,5 Grad fiebersenkende Maßnahmen ergreifen.

Neben Paracetamol hat sich dabei Ibuprofen bewährt. Beide Wirkstoffe besitzen zudem eine schmerzlindern­de Wirkung. "Sie eignen sich besonders, wenn der Patient zusätzlich starke Kopf- oder Ohrenschmerzen hat", sagt Sandra Nemetschek. Für Kinder gibt
es altersgerechte Arzneiformen und Dosierungen. Die Apothekerin rät, die beiden Wirkstoffe bei sehr starken Schmerzen in entsprechendem Abstand abwechselnd zu ­geben, denn zuviel Paracetamol schädigt die Leber.

Wenn der Patient warme Füße hat und nicht fröstelt, lässt sich Fieber auch mit Wadenwickeln gut senken. Da kalte Wickel den Kreislauf zu stark belasten, müssen sie lauwarm sein. "Wickel mit Klettverschluss sind leicht anzulegen und verrutschen nicht", erklärt Nemetschek. Auch mit homöopathischen Mitteln hat sie gute Erfahrungen gemacht. "Allerdings ist eine gute Beratung wichtig."

Zum Fiebermessen eignen sich Digitalthermometer sowie Ohr- und Stirnthermometer. "Am zuverlässigsten sind Messungen im After, da sie die Kerntemperatur erfassen", sagt Sandra Nemetschek. Ohrthermometer besitzen dagegen den Vorteil, dass man damit auch bei schlafenden Kindern Fieber messen kann.



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