Fieber tritt im Zuge zahlloser Infektionskrankheiten auf. Sie alle aufzulisten, da käme am Ende ein Lehrbuch heraus. Bei einem unkomplizierten Krankheitsverlauf wertet der Arzt Fieber als Symptom, das entweder spontan oder im Zuge der Behandlung wieder vergeht. Etwas anderes ist es, wenn das Fieber erstmal nicht weicht und die Ursache trotz eingehender Diagnostik im Dunkeln bleibt. Meistens entpuppt sie sich dann doch – etwa als eine seltene Infektion. Bei 25 Prozent der Betroffenen bleibt die Ursache indes unklar. Trotzdem klingt das Fieber auch dann öfter irgendwann von alleine ab.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, ist rechtzeitig die enge Zusammenarbeit von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen gefragt, die sich speziell einzelner Organe, Organsysteme oder Körperregionen annehmen, etwa: Brustraum, Bauch, Gefäße, Gelenke, Knochen, Kieferbereich, Weichteile, Hormone, Hals-Nase-Ohren, Harnwege, Fortpflanzungsorgane (Mann / Frau), Gehirn. Koordiniert wird das Ganze vom Hausarzt, der im Vorfeld meist schon die ersten Untersuchungen eingeleitet hat.
Der Ursprung eines Fiebers, sein Quell, wird gerne „Focus“, also Brennpunkt oder Herd, genannt. Hier ein paar Beispiele.
Brustraum
Im Brustraum kommen zum einen seltene infektiöse Lungenerkrankungen in Betracht. Auslöser können verschiedene Viren sein, sodann zahlreiche Bakterien, darunter auch Legionellen und der Tuberkuloseerreger oder mit ihm verwandte Mykobakterien, schließlich Pilze. Legionellen finden sich immer wieder mal in Wasserreservoirs, Kühlsystemen, Klimaanlagen (auch von Krankenhäusern) und Whirlpools. Erkrankungen durch Legionellen sind besser bekannt unter dem Namen Pontiac-Fieber und Legionärskrankheit. Während das Pontiac-Fieber einer mäßig fieberhaften Grippe ähnelt, die nach einigen Tagen wieder abklingt, ist die Legionärskrankheit mit ihrer untypischen, hochfieberhaften Lungenentzündung die weitaus gefährlichere Variante.
Zum anderen ist manchmal ist eine chronische Herzinnenhautentzündung (Endokarditis lenta) Ausgangspunkt von Fieber. Auslösend sind meist Bakterien, seltener Pilze. In wiederholt angelegten Blutkulturen lässt sich unter Umständen der Erreger anzüchten. Außerdem macht sich der Kardiologe mittels Ultraschall ein Bild von den Herzklappen. Am genauesten geht das mit einem Schallkopf. Er bildet das Endstück eines dünnen Schlauches und wird in die Speiseröhre eingeführt. Sie liegt gleich neben dem Herzen, sodass die Bildgebung per Schall durch die Wand der Speiseröhre hindurch gelingt (transösophageale Echokardiografie).
Bauchraum
Falls bakteriell infizierte Gerinnsel (septische Embolien) aus dem Herzen über den Kreislauf in Bauchorgane gelangen, können sich dort eitrige Einschmelzungen (Abszesse) entwickeln, zum Beispiel in der Leber oder Milz.
Auch infolge einer Verletzung oder bakteriellen Entzündung vor Ort kann Gewebe vereitern und einschmelzen, sodass ein Abszess entsteht. In den Gallenwegen ist das bei Steinen möglich, die zu einem Gallenstau und dann zu einer eitrigen Entzündung nebst Gelbsucht führen. Im Blinddarm kann es bei einer akuten oder fortgeschrittenen Entzündung zur Vereiterung kommen, im Darm bei der Crohn-Krankheit oder einer Divertikelentzündung (Divertikulitis). Ähnlich an der Niere, an der Bauchspeicheldrüse, am Eierstock, an der Prostata oder am Nebenhoden, jeweils als Folge einer Infektion mit Bakterien.
Ein Abszess kann auch in die nähere Umgebung vordringen, etwa von einem vereiterten Lendenwirbel aus in die Lendenmuskulatur. Das verursacht dann neben Fieber örtliche Beschwerden – im genannten Fall etwa Hüft- oder Leistenschmerzen. Bei diesen Beispielen ist zu berücksichtigen, dass natürlich die Grunderkrankung selbst oder weitere Begleitsymptome auf die Spur führen können.
Zu den selteneren Infektionen mit Bakterien gehören auch Erkrankungen mit exotisch klingenden Namen wie die Brucellose, Tularämie, der Morbus Whipple, Aktinomykose und Nokardiose. Eine gewisse Rolle spielen ferner Parasiten, etwa Amöben oder der Echinokokkus (siehe auch im Beitrag „Durchfall“, Kapitel „chronisch 1“, Abschnitte „Whipple-Krankheit“ und „Chronische Darminfektionen“).
Im Krankenhaus erworbene Infektionen
Dass man sich im Krankenhaus Fieber einfängt, ist keineswegs ungewöhnlich. Nicht so selten sind Katheter, Sonden und Prothesen die Quelle einer Infektion. Oder aber Druckgeschwüre der Haut, die sich in die Tiefe hinein infizieren. Nach Operationen kann es im Wundgebiet zu Infektionen mit bestimmten Hautkeimen namens MRSA kommen (die Abkürzung bedeutet: Staphylokkus aureus mit Resistenz gegen Methicillin und andere Antibiotika). Diese sehr virulenten Erreger dringen leicht über Lücken in der Haut- und Schleimhautbarriere in die Tiefe ein und setzen sich im Gewebe fest. Ein weiteres Problem sind Darmentzündungen nach Antibiotika-Therapie (Clostridien-Colitis, siehe auch im Beitrag „Durchfall“, Kapitel „akut 2“, Abschnitt „Medikamente“) mit Fieber und Durchfällen, wobei Letztere mitunter zunächst auch fehlen können.
Geschwächte Immunabwehr
Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Bei manchen Patienten, etwa nach einer Organverpflanzung, wird das Immunsystem aus therapeutischen Gründen unterdrückt (siehe auch Kapitel „Kollagenosen“ und „Gefäßentzündungen“). Andere Patienten haben krankheitsbedingt a priori ein geschwächtes Immunsystem. Das betrifft häufiger Patienten mit HIV / Aids oder Antikörpermangel. Beide Gruppen neigen zu Infektionen, die sonst beim Menschen selten vorkommen. Hier sind Fachärzte für Infektionserkrankungen (Infektiologen) gefordert, die richtige Therapie zu finden.
Fieber bei Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie)
Wenn die Zahl weißer Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten) im Blut unter 500 pro Mikroliter sinkt, sprechen Ärzte von einem schweren Mangel. Es gibt verschiedene Schweregrade der Neutropenie. Mögliche Ursachen sind ganz allgemein Tumortherapien, Blutkrankheiten, Knochenmarkschädigungen, Medikamente, seltene Erbkrankheiten. Kommt es bei den Betroffenen zu Fieber, müssen sie sofort mit Antibiotika behandelt werden. Denn sonst ist die Gefahr, dass Bakterien im Blut streuen und Schaden anrichten, sehr groß.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
31.08.2009, aktualisiert am 10.02.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF, istock/Maica
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung