Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen versuchen seit Jahrzehnten herauszufinden, warum einige Menschen an einer Fibromyalgie erkranken. Je nach Fachrichtung konzentrieren sie sich auf mögliche körperliche, psychische und soziale Ursachen. Mittlerweile steht fest, dass es keine einzelne, nur für die Fibromyalgie zutreffende Ursache gibt – wahrscheinlich kommen mehrere Faktoren zusammen.
Gehäuft in Familien: Wissenschaftler stellten fest, dass chronische Muskel- und Gliederschmerzen gehäuft in Familien auftreten. Ob dies genetische Ursachen hat oder ob die Kinder von ihren Eltern bestimmte Verhaltensweisen übernehmen, die eine Fibromyalgie hervorrufen können, oder beides zusammenspielt, ist bislang noch nicht geklärt.
Schmerzgedächtnis: Störungen wie die Fibromyalgie zeichnen sich dadurch aus, dass die Schmerzverarbeitung der Betroffenen im Laufe der Zeit immer empfindlicher reagiert, sodass auch schwache Reize als unangenehm und schmerzhaft empfunden werden. Viele Psychosomatiker sind zudem überzeugt, dass sich der Körper frühe Schmerzerfahrungen über Jahrzehnte hinweg merken kann – auch wenn der Erwachsene glaubt, die schmerzlichen Erfahrungen aus der Kindheit verdrängt und vergessen zu haben. Die schmerzhaften Erinnerungen können später bei großem seelischen Stress, starker Überforderung oder Gefühlen der Hilflosigkeit aktiviert werden.
Dauerhafte körperliche oder psychische Überlastungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Fibromyalgie-Syndroms. Mögliche Einflussfaktoren sind sich immer wiederholende, mitunter auch einseitige Tätigkeiten am Arbeitsplatz sowie andauernder Stress im Beruf oder in der Familie. Viele Betroffene strengen sich bei Problemen besonders an, weil sie glauben, alle Schwierigkeiten perfekt meistern zu müssen. Sie gönnen sich kaum Ruhepausen und haben trotz aller Anstrengungen ständig Angst, ihre Aufgaben nicht zufrieden stellend bewältigen zu können.
Einfluss auf die Chronifizierung haben aber sicherlich auch manche Ärzte. Sie haben oftmals nur im Medizinstudium etwas über psychosomatische Krankheiten gelernt. Wer sich aber später als Facharzt nicht ständig in Sachen Psychosomatik fortbildet, erkennt die Symptome des Fibromyalgie-Syndroms womöglich nicht sofort und schlägt mitunter überflüssige oder nicht wirksame Behandlungsmethoden vor. In einer Studie der angesehenen medizinischen Fachzeitschrift Lancet fordern die Autoren ihre Ärzte-Kollegen deshalb auf, an einer systematischen Stufentherapie mitzuwirken, die Körper, Geist und Seele einbezieht.
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13.09.2005, aktualisiert am 27.09.2011
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