Fibromyalgiesyndrom (FMS): Therapie

Eine Fibromyalgie ist nicht heilbar, aber behandelbar. Verschiedene Therapien können Betroffenen helfen, Beschwerden zu lindern und im Alltag zurecht zu kommen
aktualisiert am 10.08.2016

Wie die Therapie bei FMS aussieht, hängt unter anderem von der Schwere der Krankheit ab

Banana Stock/RYF

Obwohl es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gibt, bleiben die Symptome der Fibromyalgie meist bestehen – die Patienten können jedoch lernen, besser mit ihrer Krankheit zu leben.

Zur Therapie eignen sich vor allem Verfahren, die eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung zeigen, die möglichst wenige Nebenwirkungen haben, und bei denen Patienten selbst aktiv werden können.

Wie sich die Behandlung im Einzelfall idealerweise zusammensetzt, hängt unter anderem von der Schwere der Krankheit, individuellen Vorlieben und Begleiterkrankungen ab. Der Arzt oder Therapeut wird gemeinsam mit dem Patienten die passende Therapie auswählen, über mögliche Vor- und Nachteile sprechen – und in sinnvollen Abständen prüfen, ob die Behandlung anschlägt.

Ob eine ambulante oder (teil-)stationäre Maßnahme geeigneter erscheint, sollte ebenfalls individuell entschieden werden.

Achtung: Die Krankenkassen zahlen nicht für alle infrage kommenden Therapieverfahren. Deshalb vorab klären, ob die Kosten übernommen werden können, oder ob zumindest ein Zuschuss möglich ist.

Was bedeutet "multimodale Therapie"?

Leidet die Betroffene unter einem schweren Verlauf empfiehlt der Arzt oder Therapeut eventuell eine Kombination abgestimmter Therapieverfahren – wie Entspannungsübungen plus Verhaltenstherapien. Experten sprechen dann von einer multimodalen Therapie. Multimodale Therapien bieten zum Beispiel Schmerzkliniken, psychosomatische Kliniken und Reha-Kliniken mit Schwerpunkt Psychosomatik an, dort gibt es in der Regel auch Abteilungen mit dem Schwerpunkt chronischer Schmerz.

Patienten-Schulung

Empfehlenswert sind Patientenschulungen. Sie stehen oft am Beginn der Therapie. In kleinen Gruppen können sich Betroffene rundum über die Fibromyalgie informieren. Dabei berichten Ärzte und Therapeuten über das Krankheitsbild, den Verlauf, die Ursachen, die Möglichkeiten der Diagnostik, die verschiedenen Therapieformen und die Schmerzverarbeitung des Körpers. Eine solche Patientenschulung bieten niedergelassene Ärzte und Psychologen an, aber auch psychosomatische Kliniken, Reha-Kliniken und Selbsthilfeverbände.

Herz-Kreislauf-Training

Die Wirksamkeit des Ausdauertrainings ist bei Fibromyalgie sehr gut belegt, viele Patienten berichten über positive Effekte. Sportarten wie (Nordic-)Walking, Radfahren oder Schwimmen, aber auch schon einfaches Spazierengehen eignen sich besonders gut, das Herz-Kreislauf-System auf Trab zu bringen. Das individuell passende Pensum sollte vor dem Start unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden. Empfehlenswert ist es, langsam anzufangen und sich auf ein 30 bis 40 Minuten langes Training zwei- bis dreimal pro Woche zu steigern.

Funktionstraining

Viele Betroffene profitieren auch von sogenanntem Funktionstraining – dabei handelt es sich um Trockengymnastik und Wassergymnastik, die in Gruppen unter fachkundiger Anleitung von Krankengymnasten und Physiotherapeuten stattfindet.

Meditative Bewegungstherapien

Langsame Bewegungen wie bei Qigong, Tai-Chi oder Yoga können helfen, wieder Lebensenergie zu sammeln und Schmerzen zu lindern.

Psychologische Therapien/Psychotherapien

Vielen Fibromyalgie-Patienten hilft eine sogenannte kognitive Verhaltenstherapie, bei der sie lernen, mit ihrer Krankheit und mit Stress besser umzugehen, ungünstiges Verhalten zu erkennen und zu ändern (zum Beispiel die eigenen Grenzen besser wahrzunehmen und für regelmäßige Erholung zu sorgen). Studien zeigen auch, dass die Teilnahme an Schmerzbewältigungsgruppen kurz- und langfristig erfolgreich ist.

Auch Entspannungsübungen wie geleitete Imagination, hypnotherapeutische Entspannung, autogenes Training und progressive Muskelrelaxation nach Jacobson helfen vielen Patienten, mit Stress besser umzugehen. Die Betroffenen können die Methoden in Kursen lernen und später selbst anwenden. Die gesprochenen und teilweise mit Musik unterlegten Texte gibt es zum Beispiel als CDs oder im MP3-Format.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Manche Patienten profitieren von warmen Thermalbädern oder dem zeitlich begrenzten Einsatz von Akupunktur. Betroffene machen unter Umständen auch gute Erfahrungen mit therapeutischem Schreiben. Indem sie notieren, wie es ihnen geht und was sie im Alltag belastet, schaffen sie eine gewisse Distanz zu ihren Problemen und gewinnen einen besseren Überblick über mögliche Einflussfaktoren.

Therapie mit Medikamenten

Ob eine Therapie mit Medikamenten sinnvoll erscheint, sollte mit dem Arzt besprochen werden. Leidet ein Betroffener zum Beispiel zusätzlich an einer Depression, sind Medikamente unter Umständen unverzichtbar. Auf jeden Fall sollte der Arzt ausführlich über erhoffte Vorteile sowie mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufklären.

Verschiedene Wirkstoffe kommen bei FMS infrage

Antidepressiva in niedriger Dosierung werden beim Fibromyalgie-Syndrom vor allem eingesetzt, um die Schmerzen zu lindern sowie die Müdigkeit, Schlaf und Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene Klassen von Antidepressiva. Für die Therapie von Fibromyalgie-Patienten wird in erster Linie der zeitlich begrenzte Einsatz des trizyklischen Antidepressivums Amitriptylin empfohlen.

Eine mögliche Alternative ist der Wirkstoff Duloxetin, wenn die Patienten zusätzlich unter depressiven Störungen und/oder einer generalisierten Angststörung leiden. Er erhöht die Konzentration der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin.

Auch für den Wirkstoff Pregabalin weisen Studien nach, dass er nicht nur bei Nervenschmerzen und epileptischen Anfällen, sondern auch bei Fibromyalgie helfen kann.

Im Zweifel nachfragen

Patienten sollten sich nicht scheuen, ihren Arzt oder Therapeuten gezielt danach zu fragen, welche Wirksamkeitsnachweise es für ein vorgeschlagenes Therapieverfahren gibt.

Bestimmte entzündungshemmde Schmerzmittel – sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) – kommen zwar häufig bei Rheuma oder Arthrose zum Einsatz. Bei Fibromyalgie fehlen jedoch Wirksamkeitsnachweise. Deshalb empfehlen Experten diese Arzneien nicht bei FMS.

Auch für die Wirkung muskelentspannender Mittel (Muskelrelaxantien) bei FMS gibt es keine ausreichenden Belege.

Experten raten außerdem davon ab, örtliche Betäubungsmittel oder entzündungshemmende Mittel in die schmerzenden Körperstellen spritzen zu lassen oder eine sogenannte Quadrantenoperation vorzunehmen.


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