Multimodale Therapie: Bei der Bewertung der einzelnen Therapieformen für Patienten mit chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen stellten Wissenschaftler fest, dass eine einzelne Methode meist nicht ausreicht, um die Beschwerden zu lindern. Das multimodale Konzept setzt deshalb auf verschiedene Therapien, die aufeinander abgestimmt sind:
Wenn ambulante Maßnahmen nicht wirksam genug sind, können Sie mit Ihrem Arzt über eine (teil-)stationäre Behandlung sprechen. Multimodale Therapien bieten Schmerzkliniken, psychosomatische Kliniken und Reha-Kliniken mit Schwerpunkt Psychosomatik an, dort gibt es in der Regel auch Abteilungen mit dem Schwerpunkt chronischer Schmerz.
Eine Langzeit-Therapie kommt in Frage, wenn die chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen nach sechs Monaten anhalten. Da die Fibromyalgie mit lebenslang andauernden Beschwerden einhergehen kann, ist es wichtig, dass die Patienten Methoden auswählen, die sie gut in ihren Alltag integrieren können, bei denen sie aktiv eingebunden sind und die möglichst wenige unerwünschte Nebenwirkungen haben. In Frage kommen alle Maßnahmen der bisherigen multimodalen Therapie sowie weitere Methoden wie:
Hypnotherapie: Selbstsuggestionen und Phantasiereisen helfen, die körperlichen Beschwerden anders zu bewerten und zu erleben. Die Betroffenen können die Methoden in Kursen lernen und später selbst anwenden. Die gesprochenen und teilweise mit Musik unterlegten Texte gibt es auch als CDs oder im MP3-Format.
Therapeutisches Schreiben: Wer chronische Muskel- und Gelenkschmerzen hat, will nicht bei jedem Treffen mit Freunden, Familienmitgliedern oder Kollegen über die eigene Befindlichkeit sprechen. Ein alternativer Weg: Schreiben Sie auf, wie es Ihnen geht und vor allem, was Sie bedrückt und was Sie im Alltag oder in der Vergangenheit als belastend und stressend erlebten. Sie können das in Form eines „normalen“ Tagebuchs tun, es gibt aber auch noch andere hilfreiche Methoden. Vielleicht fällt ihnen aber auch etwas ein, wie Sie sich kreativ mit dem Thema Schmerz auseinander setzen können. Indem Sie Ihre Gedanken schriftlich festhalten, entlasten Sie sich, können eine gewisse Distanz zu Ihren Problemen gewinnen und besser damit umgehen.
Gesundheitsfördernde Aktivitäten: Schmerzpatienten ziehen sich oftmals zurück oder sagen kurzfristig Verabredungen mit Freunden oder Kollegen ab. Unternehmungen in der Gruppe können Sie jedoch von Ihren gesundheitlichen Problemen ablenken und helfen, wieder Hoffnung zu schöpfen. Überlegen Sie deshalb, welche Aktivitäten Ihnen früher Spaß gemacht haben und was Sie testweise mal wieder aufgreifen könnten, um zu sehen, ob es Ihnen nicht heute auch noch gefällt.
Wärmetherapie: Viele Fibromyalgie-Patienten berichten, dass ihnen Wärmeanwendungen gut tun. Sie entspannen sich in der Infrarot-Kabine, auf der warmen Sandliege oder bei der Wassergymnastik am Warmbadetag im Schwimmbad. Wirksam sind auch Bäder in natürlichen Heilquellen, die mit Mineralien, Kohlensäure, Sole oder Schwefel versetzt sind, oder im Meerwasser (Thalasso-Therapie). Auch regelmäßige Saunagänge können einen angenehmen Effekt haben.
Innerhalb eines multimodalen Therapiekonzepts können Sie als weitere Maßnahmen Massagen, Osteopathie, Lymphdrainage und Akupunktur ausprobieren. Ergänzend bieten sich die Homöopathie und eine vegetarische Kost an.
Medikamente: Um die chronischen Muskel- und Gliederschmerzen zu lindern, bieten sich verschiedenen Wirkstoffe an. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die medikamentöse Therapie.
Nicht zu empfehlen: Für einige Therapiemethoden gibt es keine wissenschaftlich gesicherten Nachweise, dass sie die Beschwerden von Fibromyalgie-Patienten lindern können. Nach jetzigem Forschungsstand sind bei der Fibromyalgie nicht zu empfehlen: Transkutane Elektrische Nervenstimulationen (TENS), hyperbare Sauerstofftherapien (HBO) und Hydro-Elektrotherapien. Auch von einer Quadrantenoperation raten die meisten Experten ab. Der Grund: Bislang berichtet nur eine Arbeitsgruppe von positiven Ergebnissen der OP-Methode, bei der durch einen Schnitt sechs bis acht „verklebte“ Akupunkturpunkte operativ behandelt werden.
www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 27.09.2011
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