Fettleber: Die Folge falscher Ernährung?

Wer zu viel Alkohol trinkt, hat häufig eine verfettete Leber – doch meist sind andere Ursachen schuld. Wie es zu einer Fettleber kommt, wann sie gefährlich ist, was der Leber hilft
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 13.11.2012

Ungesundes Essen und Alkohol können zu einer Fettleber führen

istock/pukrufus, thinkstock/istockphoto

Die Fettleber zählt zu den häufigsten Lebererkrankungen. Experten gehen davon aus, dass in Europa rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Eine verfettete Leber gilt oft als harmlose Begleiterscheinung, die bei übergewichtigen Menschen auftritt  – doch sie ist nicht immer harmlos. Eine Fettleber kann gefährliche Folgen haben.

Was ist eine Fettleber?

Wie es genau zu einer Fettleber kommt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Normalerweise verarbeitet die Leber unter anderem Energieträger aus der Nahrung (Kohlenhydrate und Fettsäuren) und gibt sie in Form von Neutralfetten (Triglyceride) ins Blut ab. Besteht ein Überangebot an Nahrungsfetten und/oder -kohlenhydraten, kann die Leber sie nicht mehr vollständig verarbeiten und abtransportieren. Sie speichert die Fette. Bestimmte Zuckerarten (mehr siehe unten) werden in freie Fettsäuren umgewandelt und ebenfalls eingelagert. Die Folge: Die Leber verfettet zunehmend. Auch freie Fettsäuren, die aus Fettgewebe – vor allem Bauchfett – freigesetzt werden, gelangen in die Leber und tragen zu deren Verfettung bei.

Ursachen: Was kann zu einer Fettleber führen?

Alkohol schadet der Leber, das ist bekannt. Wer zu oft und über einen längeren Zeitraum Alkohol trinkt, kann eine Fettleber bekommen. Ärzte sprechen dann von einer sogenannten "alkoholischen Fettleber". Bei den meisten Menschen beruht eine Fettleber allerdings nicht auf einem vermehrten Alkoholkonsum. Vielmehr können zahlreiche andere Faktoren die Leber verfetten lassen.

Vor allem Übergewicht und Fettleibigkeit spielen eine große Rolle. Wer zur Apfelform neigt, also bevorzugt Bauchfett anlegt, schadet seiner Leber dabei besonders. Denn die überschüssigen Pfunde deponiert der Körper in diesem Fall nicht nur unter der Haut: Das Fett umgibt die inneren Organe – auch die Leber. Dieses Fettgewebe sondert unter anderem entzündungsfördernde Botenstoffe und freie Fettsäuren ab und erhöht dadurch zum Beispiel das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck. Diabetes gilt wiederum als Risikofaktor für eine Fettleber, da der oft erhöhte Blutzucker zu einer Neubildung von Fett in der Leber beiträgt.

Manchmal können auch bestimmte Medikamente zu einer vermehrten Fetteinlagerung in dem Stoffwechselorgan führen, ebenso wie Lebererkrankungen und Virusinfektionen durch Hepatitisviren. Neuere Studien weisen daraufhin, dass vor allem Fruchtzucker eine Fettleber begünstigen kann. Dies haben Forscher jedoch nur beobachtet, wenn die Studienteilnehmer große Mengen Fruktose aufnahmen, etwa in Form von zuckerhaltigen Limonaden und Softdrinks.

Ist nicht Alkohol an einer verfetteten Leber schuld, sondern andere Auslöser, dann handelt es sich um eine "nicht-alkoholische Fettleber".

Symptome: Ruft eine verfettete Leber Beschwerden hervor?

Meistens verfettet die Leber, ohne das der Betreffende etwas davon bemerkt. Erst wenn sich das Organ vergrößert und schwerer wird, kann es zu ziemlich unspezifischen Anzeichen kommen: Der Patient hat weniger Appetit, er fühlt sich müde und schlapp, er kann zu Blähungen und Völlegefühl neigen. Manchmal kommen Übelkeit und ein Druckgefühl im rechten Oberbauch hinzu.

Diagnose: Wie erkennt der Arzt eine Fettleber?

Häufig entdeckt der Arzt eine Fettleber zufällig, wenn er aus anderen Gründen einen Bauch-Ultraschall vornimmt. Dabei wird die vergrößerte Leber sichtbar. Auch wenn der Arzt – zum Beispiel im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung – dem Patienten Blut abnimmt, kann der Mediziner Hinweise auf eine Leberverfettung bekommen. Denn in vielen Fällen sind die sogenannten Transaminasen erhöht. Die Konzentration dieser Leberenzyme kann im Blut ansteigen, wenn die Leber erkrankt ist. Die Werte geben allerdings keine Auskunft darüber, welche Erkrankung im Einzelnen vorliegt. Die sicherste Nachweismethode ist eine Biopsie. Dabei entnimmt ein Arzt eine winzige Gewebeprobe. Unter dem Mikroskop lassen sich die Fetteinlagerungen in den Leberzellen gut erkennen. Zunehmend setzen Ärzte aber auch sogenannte nicht-invasive Verfahren wie die Kernspintomografie (MRT) ein, um den Leberfettgehalt genau zu bestimmen.

Folgen: Wie gefährlich ist eine Leberverfettung?

Auch wenn eine Fettleber teilweise als harmlose Begleiterscheinung von Übergewicht gilt: Die Leberkrankheit kann ernste Folgen haben. Bei bis zu einem Drittel der Patienten mit einer Fettleber entzündet sich das Organ, es entsteht eine Fettleber-Hepatitis. Wird diese nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann die Entzündung in eine Leberzirrhose münden. Dabei gehen die Zellen des Stoffwechselorgans zugrunde, die Leber vernarbt und schrumpft. Schließlich kann sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Zugleich erhöht eine Zirrhose das Risiko für Leberkrebs.

Nicht nur der Leber selbst schadet die Verfettung. Durch eine Fettleber steigt die Gefahr, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, deutlich an. Auch Herz-Kreislauf-Krankheiten – bis hin zum Herzinfarkt – entwickeln sich häufiger.

Therapie: Lebensstil und Ernährung ändern

Es gibt bislang keine Medikamente, mit denen Ärzte eine Fettleber nebenwirkungsarm behandeln könnten. Lediglich Krankheiten wie Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen, die eine Fettleber begünstigen, lassen sich relativ gut mit Arzneimitteln therapieren. Die einzige und zugleich effektivste Therapie ist ein geänderter Lebensstil. Das Gute ist: Unternimmt der Betreffende rechtzeitig etwas gegen die Leberverfettung, kann sich das Organ oft  wieder vollständig erholen. Ist die vermehrte Fetteinlagerung durch zu hohen Alkoholkonsum bedingt, liegt hierauf das Augenmerk. Es gilt: keinen Alkohol trinken! Nur durch einen kompletten Verzicht kann die Leber wieder genesen. Wer nicht selbst vom Wein oder Bier los kommt oder sogar abhängig ist, sollte unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen. Mehr dazu können Sie in unserem Ratgeber nachlesen: Alkoholabhängigkeit.

Hat Übergewicht zu einer Fettleber geführt, hilft die richtige Ernährung sowie regelmäßige Bewegung. Wer durch diese beiden Faktoren abnimmt, dessen Leber speckt sozusagen auch ab. Wichtig: Keine Hungerkuren oder Nulldiäten machen, um schnell Gewicht zu verlieren. Solche Abnehmstrategien belasten die Leber zu stark. Experten raten zu einer langfristigen Gewichtsabnahme. Essen Sie möglichst fettarm und bevorzugen Sie pflanzliche Fette. Verwenden Sie zum Beispiel Pflanzenöl statt Butter zum Anbraten. Streichen Sie Frischkäse (ohne Butter darunter) auf das Brot anstatt Butter und zwei Scheiben Wurst.

Essen Sie die richtigen Kohlenhydrate. Verzichten Sie häufiger auf schnell verdauliche Zucker, die in Süßigkeiten, Kuchen, Limonaden und weißem Brot stecken. Ersetzen Sie diese öfter durch Vollkornprodukte. Gönnen Sie sich etwas Süßes bewusst, nicht als beiläufigen Snack. Trinken Sie gar keinen oder nur wenig Alkohol – ein Gläschen Wein zum Essen darf es sein. Alkohol greift nicht nur die Leber an, er enthält auch sehr viele Kalorien.

Treiben Sie regelmäßig Sport, wenigstens dreimal pro Woche. Bewegen Sie sich im Alltag mehr. Tipps dazu finden Sie hier: Ich beweg´ mich.

Herr Prof. Norbert Stefan

Unser Experte: Professor Norbert Stefan

© Philipp Schürmann

 

Unser Experte: Professor Dr. Norbert Stefan, Facharzt für Innere Medizin, Universitätsklinik Tübingen

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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