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Zöliakie: Wenn Brot und Pizza verboten sind

Wer unter einer Unverträglichkeit für das Klebereiweiß Gluten leidet, muss viele Getreideprodukte strikt meiden


Menschen mit Zölikaie müssen auf glutenhaltige Lebensmittel leider verzichten

Brotliebhaber in Deutschland leben wie im Schlaraffenland. Sie können unter 300 Brotvarianten und 1200 Sorten Kleingebäck wählen. Für Menschen jedoch, die unter Zöliakie leiden, sind die meisten davon tabu.

Ob Bauernlaib oder Biskuitrolle, ob Pasta oder Pizza: Fast alle Getreideprodukte enthalten das Klebereiweiß Gluten. Bei Zöliakie-Patienten löst dieser Stoff eine Entzündung der Dünndarm-Schleimhaut aus. Mit der Zeit bilden sich dort die Darmzotten zurück, und die Schleimhaut verflacht.


Da der Organismus über die Zotten die Nährstoffe aufnimmt, diese Aufnahme aber nun nicht mehr oder nur teilweise funktioniert, leiden die Betroffenen irgendwann unter Mineralstoff- und Vitaminmangel. Das kann sich ganz unterschiedlich äußern: in Abgeschlagenheit, Blässe, Gewichtsverlust, Missempfindungen in Füssen und Händen oder Hautproblemen. Verdauungsbeschwerden wie Durchfall und Blähungen treten nicht zwingend auf. Die Diagnose wird erschwert, weil das Leiden auch sehr mild verlaufen kann.

„80 Prozent der Menschen mit Zöliakie wissen nichts von ihrer Krankheit“, sagt Anett Ebock, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland eine halbe Million Menschen an Zöliakie. Bleibt sie über Jahrzehnte unbehandelt, drohen Mangelkrankheiten wie zum Beispiel Osteoporose.

Bei Säuglingen zeigen sich deutliche Beschwerden, wenn sie die erste getreidehaltige Beikost bekommen. Bauchschmerzen, Durchfall, fettiger und übel riechender Stuhl sind typische Symptome. Dann wird die Zöliakie meist rasch erkannt. Doch die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Frauen sind deutlich öfter betroffen als Männer. Klarheit bringen ein Test auf Antikörper im Blut und eine Dünndarmspiegelung, bei der eine Schleimhautprobe entnommen und mikroskopisch untersucht wird.

Vollwertige Ernährung ist möglich

Für Patienten beinhaltet die Diagnose eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Der Darm kann sich wieder vollkommen erholen. Die schlechte: Die Betroffenen müssen lebenslang auf glutenhaltige Erzeugnisse verzichten, was nicht leicht ist.

Auf der Verbotsliste stehen nämlich nicht nur viele Getreideprodukte, sondern auch andere Lebensmittel, in denen glutenhaltige Zusatzstoffe stecken. Das können Wurstwaren sein, Joghurt, Eiscreme, Schokolade oder Fertiggerichte wie Suppen, Soßen und Pommes frites. Gluten und glutenhaltige Bestandteile müssen allerdings im Zutatenverzeichnis verpackter Lebensmittel EU-weit angegeben werden.

Grundsätzlich können sich Zöliakie-Patienten trotz dieser Einschränkung vollwertig und abwechslungsreich ernähren. Bei Obst und Gemüse, Kartoffeln und Nüssen, Milch, Naturjoghurt und Naturkäse, Fleisch und Fisch, Reis und Hülsenfrüchten dürfen sie zugreifen, ebenso bei Produkten aus Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth und Quinoa.

Und selbst für Teigwaren gibt es leckere Alternativen: Brot, Nudeln, Kekse und Kuchen, die als Backmischungen oder Fertigprodukte zum Beispiel Reis- oder Maismehl enthalten. Ebock stellt klar: „Die Qualität der Ersatzlebensmittel ist in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden.“


Adressen:


Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e. V.
Filderhauptstr. 61
70599 Stuttgart
Tel. 0711-459981-0
www.dzg-online.de

Die DZG bietet Mitgliedern unter anderem eine Liste glutenfreier Lebensmittel, Tipps für Restaurantbesuche und für unterwegs.



Maria Haas / Apotheken Umschau; 31.05.2010, aktualisiert am 21.06.2011
Bildnachweis: istock/imagestock

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