Zöliakie: Versteckte Glutenfallen

Menschen, die das Klebereiweiß Gluten nicht vertragen, müssen aufpassen: Es steckt in vielen Lebensmitteln, bei denen man das nicht unbedingt erwartet

von Sophie Kelm, 20.02.2016

Vorsicht, Fertigpommes enthalten oft verstecktes Gluten

F1online

Zöliakiepatienten, also Menschen, die das Klebereiweiß Gluten nicht vertragen, müssen ihren Speiseplan grundlegend umstellen – ein Leben lang. „Es gibt bis heute keine andere Therapie für Betroffene, als die Vermeidung glutenhaltiger Speisen“, erklärt Dr. Stephanie Baas, Ärztin von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft in Stuttgart.

Gluten: Zum Beispiel in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel

Gluten ist ein Eiweißgemisch, das ganz natürlich in den Körnern verschiedener Getreidesorten vorkommt, beispielsweise in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. Essen Zöliakiekranke allerdings Gluten, entzündet sich ihre Darmschleimhaut. Sie können dann Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen. In der Folge droht eine Mangelernährung. Bei Kindern kann es zum Beispiel zu Wachstumsverzögerungen kommen.

Zöliakie kann unterschiedliche Beschwerden verursachen

Später zeigt sich die Zöliakie oft sehr unterschiedlich: Manche Betroffene haben kaum Beschwerden, andere leiden immer wieder unter Verdauungsproblemen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. Möglich sind aber auch diverse andere Symptome wie Hautausschlag oder Unfruchtbarkeit.

Dass viele Brotsorten sowie die meisten Nudeln und Backwaren für Zöliakiepatienten tabu sind, wissen die meisten Menschen. Aber auch in Produkten, bei denen man es nicht gleich erwarten würde, steckt Gluten. In unserer Bildergalerie haben wir zwölf Beispiele für Glutenfallen gesammelt, in die Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit lieber nicht tappen sollten.


Hier versteckt sich Gluten:

  • Bier
    Thinkstock/iStock

    Bier

    Bier braut man aus Gerste, im kühlen Blonden steckt also Gluten. „Vor allem Männern fällt es oft schwer, auf dieses Genussmittel zu verzichten“, weiß Baas. Besonders glutenreich sind übrigens Weizenbiere. Es gibt aber mittlerweile auch glutenfreies Bier.

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  • Pommes
    Thinkstock/Hemera

    Pommes frites

    Pommes macht man aus Kartoffeln und die sind glutenfrei – also droht eigentlich keine Gefahr für Zöliakiepatienten. „Um die Pommes noch knuspriger zu machen, sind diese oft mit einer weizenmehlhaltigen Panade ummantelt“, warnt Baas. So kommt Gluten doch wieder ins Spiel. Wer sichergehen will, muss die Kartoffelbeilage aus dem Gemüse selber zubereiten, oder auf der Zutatenliste nach Weizenmehl Ausschau halten.

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  • Grillsaucen
    Fotolia/M Studio

    Ketchup und Saucen

    Gluten birgt viele günstige Eigenschaften: „Es wirkt zum Beispiel auch als Stabilisator in Saucen. Deswegen können Ketchup & Co. Klebereiweiß enthalten“, so Baas. Natürlich gibt es auch andere Stabilisatoren, ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe bringt Klarheit.

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  • Schokolade
    Shotshop/Markus Maika

    Schokolade

    „Schokolade kann Gluten enthalten“, erklärt Baas. Man muss also aufpassen: Die Schokolade mit Keks enthält das Klebereiweiß zum Beispiel immer. Bei der Produktion verschiedener Sorten mit derselben Maschine können Glutenreste verschleppt werden. Die Hinweise auf Verunreinigungen verunsichern viele Käufer. „Wer sichergehen möchte, sollte Sorten kaufen, die als glutenfrei – also mit der durchgestrichenen Ähre – gekennzeichnet sind“, rät Baas.

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  • Gewürzmischung
    Shotshop/Silvia Bogdanski

    Gewürzmischungen

    „Gluten wird häufig als Bindemittel oder Trägerstoff für Gewürzmischungen eingesetzt“, so Baas. Also ist bei diesen Produkten Vorsicht geboten. Die reinen Gewürze oder frische Kräuter sind aber klebereiweißfrei und somit auch für Zöliakiepatienten völlig ungefährlich.

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  • Fertigsuppe
    Fotolia/Manla

    Tütensuppen

    „Tütensuppen können, müssen aber kein Gluten enthalten“, erklärt die Expertin von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft. Einige Hersteller nutzen die stabilisierenden Eigenschaften des Klebereiweißes, manche verwenden andere Zusatzstoffe. Ist Gluten enthalten, muss die Zutat ausgewiesen sein.

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  • Fertigessen
    Mauritius/Marc Gilsdorf

    Fertiggerichte

    „Zöliakiepatienten aufgepasst – Fertiggerichte enthalten sehr häufig Gluten“, warnt Baas. Wer nicht jeden Tag frisch kochen möchte, kann größere Mengen seiner klebereiweißfreien Speisen zubereiten und einfrieren. Trostpflaster beim Verzicht: Fertiggerichte sind ernährungsphysiologisch sowieso oft nicht das Nonplusultra. Viele Geschmacksverstärker, versteckte Fette, wenig Vitamine und keine frischen Zutaten.

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  • Eiscreme
    Fotolia/HL Photo

    Speiseeis

    Aufgrund seiner stabilisierenden Eigenschaften steckt Gluten in der Grundlage vieler Eiscremes. Aber es gibt auch glutenfreie Sorten. Mit abgepacktem Speiseeis aus der Kühltruhe ist man auf der sicheren Seite – hier müssen die Inhaltsstoffe angegeben werden. „In der Eisdiele ist das schwerer zu überprüfen. Vor allem können durch die Waffeln auch eigentlich klebereiweißfreie Kugeln Spuren von Gluten enthalten“, so Baas.

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  • Kartoffelchips
    Shotshop/Givaga

    Chips

    In vielen Chipssorten steckt Gluten. Es ist ein guter Trägerstoff für Aromen. „Die Hersteller müssen die Inhaltsstoffe angeben. Ist ein Produkt als glutenfrei deklariert, dann können Zöliakiepatienten es verzehren“, beruhigt die Ärztin.

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  • Frischkäse mit Kräutern
    Thinkstock/iStock

    Frischkäse: Light oder mit Kräutern

    Reine, naturbelassene Milchprodukte sind in der Regel glutenfrei. „Vorsichtig sollten Zöliakiepatienten bei Lightprodukten sein, diese werden oft mit dem Klebereiweiß stabilisiert. Bei Kräuterfrischkäse kann das Gluten in der Gewürzmischung stecken“, warnt Baas.

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  • Wiener Würstchen
    Thinkstock/iStock

    Würstchen

    „Viele Wurstwaren enthalten Mehl zum Binden“, weiß Baas. Daher kann auch beispielsweise in Wiener Würstchen Gluten stecken. Außerdem kann das Klebereiweiß auch durch die verwendeten Gewürzzusätze in die Würste gelangen.

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  • Kartoffelpuffer
    Thinkstock/iStock

    Kartoffelpuffer

    Auch Kartoffelpuffer enthalten häufig Weizenmehl oder -stärke zum Binden. „Daher müssen Zöliakiepatienten beim Verzehr der Kartoffelprodukte aufpassen“, so Baas. Wer die Puffer selbst frisch zubereitet, ist auf der sicheren Seite. Kartoffeln selber sind nämlich glutenfrei.

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Zuletzt noch ein Tipp: Spezialisierte Ernährungsberater informieren Sie darüber, wie Sie die Ernährungstherapie bei Zöliakie am besten umsetzen. Die meisten Krankenkassen erstatten zumindest einen Teil der Beratungskosten. Und: „Die DZG bietet für ihre Mitglieder eine Liste von Lebensmitteln aus dem herkömmlichen Sortiment an, die glutenfrei sind. So kann man den Einkauf sicher gestalten“, rät Baas.



Bildnachweis: Thinkstock/iStock, F1online, Fotolia/HL Photo, Shotshop/Markus Maika, Thinkstock/Hemera, Mauritius/Marc Gilsdorf, Fotolia/Manla, Fotolia/M Studio, Shotshop/Givaga, Shotshop/Silvia Bogdanski

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