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Warum macht Alkohol hungrig?

Nach einer durchzechten Nacht oder oft auch schon nach ein paar Bierchen ist der Appetit auf ungesunde Lebensmittel groß. Alkoholforscher Manfred Singer erklärt, weshalb das so ist


Heißhunger nach Bierdurst – wer kennt das nicht?

Warum halten sich auf der Hamburger Reeperbahn Kneipen und Imbissbuden zahlenmäßig ungefähr die Waage? Ist doch klar – weil es so funktioniert. Dem befriedigten Bierdurst folgt in den meisten Fällen ein ordentliches Hungergefühl.

"Dafür sind verschiedene Mechanismen verantwortlich", erklärt Professor Manfred Singer, Chef und Gründer der Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung am Universitätsklinikum Mannheim.


Zum einen führt Alkohol im Gehirn zu einer leichten Unterzuckerung. Als Folge sendet unser Denkorgan das Signal "Hunger". Des weiteren setztz der ethanolische Genuss verschiedene Hormone und Neurotransmitter frei. Diese senden die gleiche Botschaft, wie die leichte Hypoglykämie der grauen Zellen: Essen Marsch.

Für den nächsten Mechanismus müssen wir zwischen gegorenen Alkoholika und destillierten unterscheiden. Zu der ersten Gruppe gehören beispielsweise Bier, Wein, Sekt oder Champagner. Im Gegensatz zu diesen Getränken gewinnt man Wodka, Whisky oder Gin durch Destillation.

Gärung versus Destillation

Alkoholsorten, die durch Gärung entstehen, steigern die Sekretion der Magensäure extrem. Die destillierten zeigen diesen Effekt nicht. Singer und sein Team haben in zehnjähriger Forschungsarbeit herausgefunden was der Grund hierfür ist. Verantwortlich sind zwei kleine Stoffe, die man nur in den gegorenen Produkten findet und nicht in der destillierten Variante: Bernsteinsäure und Äpfelsäure.

Die gesteigerte Magensäuresekretion hat zur Folge, dass sich möglicherweise zu viel der aggressiven Flüssigkeit im Verdauungsorgan sammelt. Das wiederum kann zu einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür führen. Um das zu verhindern, gibt der Körper bei einer hohen Säurekonzentration das Hungersignal.

Laut Singer ist es möglich, Bier auch ohne die zwei genannten Säuren zu produzieren. "Das wäre dann quasi ein Gesundheitsbier", sinniert der Alkoholforscher. Bisher ist dieses Zukunftsprodukt allerdings noch nicht auf dem Markt. Und bis es soweit ist, gilt weiterhin: Zu viel Alkoholhaltiges ist ungesund.

Warum gerade Pommes & Co.?

Weshalb hat man nach einem übermäßigen Alkoholgenuss oft besonders große Lust auf ungesundes Essen? "Wer viel trinkt, muss auch oft zu Toilette", erklärt Singer. Mit der Flüssigkeit spülen wir auch Salze aus dem Körper. So entsteht das Bedürfnis nach salzigen Speisen. Da Fastfood – wie Pommes Frites oder Currywurst – meist intensiv gewürzt ist, gilt der erste Gedanke oft solchen Speisen.

Unser Experte:


Professor Manfred Singer ist Gründer der Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung am Universitätsklinikum Mannheim und beschäftigt sich seit vielen Jahren klinisch und wissenschaftlich mit den gesundheitlichen Wirkungen von Alkoholkonsum.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 21.01.2011, aktualisiert am 21.01.2011
Bildnachweis: W&B/Bello & Knapp, Fotolia/Thomas del amo/2011

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