Warum Ingwer gesund ist

Die scharfe Knolle bietet weit mehr als ein würziges Aroma. Ingwer kann Schmerzen lindern und Reiseübelkeit bekämpfen

von Dr. Martina Melzer, 23.01.2016

Scharfes für die Gesundheit: Ingwer

Fotolia/Norman Chan/2011

Ingwer ist eine scharfe Angelegenheit. Wer auf ein Stückchen frische Knolle beißt, dem brennt nicht nur die Zunge. Auch die Wangen können sich röten, die Nase läuft bei manchem und eventuell durchblitzt ein Wärmegefühl den Körper. Denn Ingwer steckt voller Scharfstoffe, die Wärmerezeptoren aktivieren sollen.

Ingwer lindert Schmerzen

Doch die Scharfmacher können noch mehr. "Inhaltsstoffe aus Ingwer sollen das gleiche Enzym im Körper hemmen wie Acetylsalicylsäure", sagt Eugen Verspohl, emeritierter Professor und Pharmakologe am Pharmazeutischen Institut der Universität Münster. Besagtes Enzym nennt sich Cyclooxygenase. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure lindert darüber Schmerzen, dämmt Entzündungen ein und hemmt die Blutgerinnung. Experten sprechen dem Ingwer ähnliche Wirkungen zu, wobei der schmerzstillende Effekt am besten durch Studien untersucht wurde. In einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 stellten dänische Forscher fest, dass sich durch Ingwerpräparate Arthroseschmerzen lindern ließen. Allerdings müssen noch weitere Studien folgen, die das bestätigen.


Probates Mittel gegen Übelkeit und Brechreiz

Weitaus bekannter ist, dass die Knolle gegen Reiseübelkeit hilft. "Inhaltsstoffe aus Ingwer mindern Übelkeit und Brechreiz, und zwar vergleichbar gut wie das chemische Mittel Dimenhydrinat", sagt Verspohl. Der Pharmakologe beschäftigte sich viele Jahre mit Zingiber officinale, wie sich das fernöstliche Gewächs in der Fachsprache nennt. "Wir haben herausgefunden, dass die Wirkstoffe an Serotonin-Rezeptor-Ionenkanälen angreifen, die am Erbrechen beteiligt sind", sagt er. Allerdings profitieren laut Verspohl nur diejenigen von Ingwer, denen es in Flugzeug, Zug oder Auto schlecht wird. "Tritt die Reiseübelkeit während einer Schiffsreise auf, eignet sich Ingwer weniger gut", sagt der Experte.

Sogar während einer Chemotherapie scheint sich das Gewächs zu bewähren. Studien zeigen, dass es Krebspatienten weniger stark übel wird, wenn sie neben chemischen Brechreizhemmern Ingwer einnehmen. So berichteten Forscher der Universität von Rochester (USA) im Jahr 2011, dass Ingwer-Extrakt die Beschwerden deutlich senke, wenn Patienten diesen drei Tage vor und nach der Chemotherapie anwendeten. Allerdings ist die Studienlage zu diesem Thema noch nicht eindeutig und es gilt dasselbe wie bei allen anderen Medikamenten: Den Einsatz vorher mit dem behandelnden Arzt absprechen.

Ingwer eignet sich nicht für jeden

Ob Ingwer gegen Übelkeit in der Schwangerschaft hilft, ist noch nicht eindeutig geklärt. Studien weisen zwar auf positive Effekte hin. Zugleich diskutieren Experten aber kontrovers, ob sich Ingwer möglicherweise auch negativ auf die Schwangere oder das Ungeborene auswirken kann. Wer einen empfindlichen Magen hat, verzichtet auf das Gewürz unter Umständen auch besser. Der Scharfmacher bewirkt, dass mehr Magensäure gebildet wird. Wer an Gallensteinen leidet oder Blutgerinnungshemmer einnimmt, sollte die Einnahme vorher mit dem Arzt abklären.

Ingwer hat einen bereits seit langem bekannten, verdauungsfördernden Effekt. Ob Ingwer allerdings einer Erkältung vorbeugen kann, das Abnehmen erleichtert oder gar vor Krebs schützt, müssen wissenschaftliche Studien erst zeigen.

Wer einem flauen Gefühl im Bauch vorbeugen möchte, kann Ingwer – entweder als Tablette, Kapsel oder Tropfen – eine halbe Stunde vor der Reise einnehmen. Dauert diese länger als vier Stunden, empfiehlt sich unterwegs eine erneute Einnahme. "Wer mag, kann gegen Übelkeit einfach ein frisch geschältes Ingwerstückchen kauen, auch das hilft", sagt der Pharmakologe. Auch durch Ingwertee oder entsprechende Zuckerbonbons gelangen die Scharfstoffe in den Körper. Wie viel davon allerdings am Wirkort ankommen, ist laut Verspohl nicht bekannt. 

Küchengewürz

Als frisches Gewürz passt die Knolle zu asiatischen Gerichten und Currys. Ein Tipp von Gesundheitskoch Peter Asch aus Riedering am Chiemsee: Ein Stück frischen Ingwer abschneiden und vor allen anderen Zutaten in heißem Öl kurz anbraten. Dann den Ingwer wieder herausnehmen. So bleibt das feine Aroma im Gericht erhalten, es schmeckt aber nicht zu intensiv nach Ingwer.



Bildnachweis: Fotolia/Norman Chan/2011

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Bei einer Zöliakie besteht eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Symptome wie chronischer Durchfall können auftreten, aber auch fehlen »

Spezials zum Thema

Obst

Vitaminlexikon

Von A bis K - in welchen Lebensmitteln kommen die wichtigsten Vitamine vor, welche Mangelerscheinungen gibt es, wie hoch ist der Tagesbedarf? Unser Vitaminlexikon informiert Sie  »

Haben Sie schon einmal Blut gespendet?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages