Topinambur: Unbekannte Wunderknolle?

Das exotische Wurzelgemüse macht angeblich schlank. Wer Diabetes hat, soll ebenfalls von der Knolle profitieren. Unsere Expertin sagt, was von diesen Behauptungen zu halten ist

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 19.03.2015

Topinambur sieht der Sonnenblume ähnlich und ist mit dieser verwandt

Imago stock & people GmbH/Harald Langei

Wer abnehmen will, soll Topinambur essen – sagen jene, die auf das eher unbekannte Gemüse schwören. Es mache satt, enthalte wenig Kalorien und ließe den Blutzuckerspiegel kaum ansteigen, so die Versprechung. Aber was ist eigentlich Topinambur und was ist dran an diesen Behauptungen? Wir haben eine Ernährungsmedizinerin gefragt.

Was ist Topinambur?

Topinambur (lateinisch: Helianthus tuberosus) ist mit der Sonnenblume verwandt und sieht dieser auch ähnlich. Als Gemüse werden die unterirdischen Wurzelausläufer verwendet. Die Knollen erinnern an Ingwerwurzeln und werden manchmal sogar mit diesen verwechselt. Topinambur schmeckt nussig-süßlich und lässt sich als Suppe zubereiten oder in zahlreichen Gemüsegerichten verarbeiten. Roh passt die Knolle zu Salaten. Topinambur stammt aus Nord- und Mittelamerika. Das Gemüse gelangte vermutlich um 1800 nach Europa und galt als wichtiges Grundnahrungsmittel, bis es von der Kartoffel verdrängt wurde. Heute ist es in gut sortierten Supermärkten und Bioläden erhältlich.

Topinambur sättigt und enthält kaum Kalorien

"In Topinambur kommen lösliche Ballaststoffe vor, die ein lange anhaltendes Sättigungsgefühl hervorrufen", sagt Dr. Young H. Lee-Barkey, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen.

So enthält Topinambur unter anderem Inulin. Dieser lösliche Ballaststoff quillt in Magen und Darm auf, indem er viel Wasser bindet. Dadurch macht er satt. Außerdem wird Inulin im Dünndarm nicht zerlegt und gelangt so praktisch unverändert in den Dickdarm. Der Ballaststoff, der eigentlich aus vielen Zuckermolekülen besteht, steht damit praktisch nicht als Energieträger zur Verfügung, liefert also fast keine Kalorien. Zusätzlich regt der Quellstoff die Verdauung an.


Süßliche Knollen: Topinambur

W&B/Studio Schmitz

Neben zirka zwölf Gramm Ballaststoffen pro 100 Gramm, besteht Topinambur zu zirka 80 Prozent aus Wasser und enthält kaum Kalorien. Wer überschüssige Pfunde abbauen will, darf bei dem Wurzelgemüse daher mit gutem Gewissen zugreifen. Lee-Barkey ergänzt: "Wer abnehmen möchte, sollte insgesamt mehr Gemüse essen." Denn nicht nur Topinambur, sondern auch viele andere Gemüsesorten seien ballaststoffreich und kalorienarm.

Empfiehlt sich Topinambur für Diabetiker?

Topinambur nennt sich teilweise "Diabetiker-Kartoffel". Das knollige Gewächs soll den Blutzuckerspiegel wenig beeinflussen und gilt als Alternative zur Kartoffel. Außerdem steckt in dem Gemüse Fruchtzucker (Fruktose), der für Menschen mit zu hohem Blutzucker besonders gesund sein soll. "Das stimmt nicht", sagt die Diabetes-Expertin. "Fruchtzucker hat den gleichen Brennwert wie Haushaltszucker. Wer abnehmen will, kann damit keine Kalorien sparen", so Lee-Barkey weiter.

Allerdings ist die Fruktose im Ballaststoff Inulin gebunden und wird erst im Dickdarm aus diesem freigesetzt. Deshalb beeinflusst Topinambur den Blutzuckerspiegel tatsächlich nicht so stark. "Wer Insulin spritzen muss, sollte die Menge entsprechend anpassen", rät die Diabetologin.

Topinambur lässt sich ähnlich wie Kartoffeln zubereiten und ist durchaus eine Alternative dazu. Kartoffeln enthalten im Gegensatz zu dem exotischen Gemüse viel Stärke und damit etwas schneller verdauliche Kohlenhydrate. "Dennoch dürfen auch Menschen mit Diabetes Kartoffeln essen!", betont Lee-Barkey. Sie sagt, dass die Zubereitung entscheidend sei. So sind zum Beispiel Pellkartoffeln empfehlenswerter als Kartoffelbrei oder Kartoffelgratin, da erstere weniger Kalorien enthalten.

Hinweis: Manche Menschen reagieren auf Topinambur mit Blähungen. Bakterien, die im Dickdarm leben, spalten den Ballaststoff Inulin und bauen ihn unter Gasbildung ab. Wer an einer Fruchtzuckerunverträglichkeit leidet, sollte auf Topinambur besser verzichten, da er Fruktose enthält. Menschen mit hereditärer Fruktoseintoleranz müssen darauf – wie auf andere Lebensmittel mit Fruktose – komplett verzichten.



Bildnachweis: W&B/Studio Schmitz, Imago stock & people GmbH/Harald Langei

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