Mehr als 18.000 Tonnen Tee haben die Deutschen letztes Jahr verbraucht. Das schreibt der Deutsche Teeverband. Viele genießen Tee – welche Sorte auch immer – wahrscheinlich einfach, weil sie sein Aroma lieben. Andere vertragen vielleicht keinen Kaffee. Manche Teetrinker hoffen aber insgeheim, dass sie mit dem klaren Gebräu auch ihrer Gesundheit etwas Gutes tun.
Vor allem grüner Tee macht in dieser Hinsicht immer wieder Schlagzeilen. Mal soll er vor Alzheimer schützen, mal vor Krebs. Es gibt zwar Hinweise, dass bestimmte Inhaltsstoffe gegen schädliche Eiweißablagerungen im Gehirn vorgehen. Doch solche Befunde beruhen oft auf Laborexperimenten. Ob grüner Tee tatsächlich vor Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson schützen kann, bleibt nach wie vor offen. Gleiches gilt für mögliche krebsvorbeugende Effekte. Forscher am Klinikum Nürnberg werteten die Daten von 51 Studien weltweit aus, die sich mit diesem Thema befassten. Ihr Fazit: Die Ergebnisse widersprachen sich, so dass sich ein Schutz vor Krebs wissenschaftlich nicht eindeutig bestätigen ließ.
Für die potenziell gesundheitsfördernden Wirkungen machen Experten unter anderem den Stoff Epigallocatechingallat verantwortlich. In der Tat finden sich Catechine, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen, reichlich in grünem Tee. Einen ähnlich hohen Gehalt weist weißer Tee auf. Schwarzer Tee dagegen, enthält deutlich weniger Catechine, dafür aber vermehrt sogenannte Theaflavine. Das liegt am Herstellungsprozess. Während weißer und grüner Tee nicht fermentiert wird, unterziehen Teeproduzenten die schwarze Sorte der Fermentation. Dabei trocknen die Hersteller die Blätter, brechen sie auf und lassen die Inhaltsstoffe mit Hilfe von Enzymen oxidieren. Dadurch entstehen unter anderem die Theaflavine, welche dem schwarzen Tee Farbe und Aroma verleihen.
Neben diesen Inhaltsstoffen steckt in Tee der Wachmacher Koffein. Früher dachten Wissenschaftler, Tee enthalte statt Koffein das sogenannte Thein. Heute gilt diese Annahme als widerlegt. Grüner Tee beinhaltet in etwa gleich viel Koffein wie die schwarze Variante. Weißem Tee sprechen Teekenner mitunter einen höheren Gehalt zu. Obwohl Tee an sich sogar mehr Koffein enthalten soll als Kaffee, putscht er angeblich nicht so auf wie die braune Bohne. Das könnte zum einen daran liegen, dass Verbraucher pro Tasse mehr Kaffeepulver als Teeblätter verwenden. Zum anderen daran, dass sich das Koffein aus Tee nicht so schnell herauslöst.
Ob nun eine Teesorte gesünder ist als die andere, daran scheiden sich die Geister. Professor Ulrich Engelhardt, Lebensmittelchemiker an der Technischen Universität Braunschweig, schreibt, dass es für weißen Tee nicht einmal eine einheitliche Definition gebe. Außerdem enthalte die Sorte zwar reichlich Polyphenole, zu denen auch die Catechine gehören. Jedoch nicht – wie oft behauptet – mehr als grüner Tee. Gegenüber schwarzem Tee können die beiden Sorten in dieser Hinsicht allerdings punkten.
Nichtsdestotrotz sind die schwarzen Blättchen nicht automatisch weniger gesund. Dr. Mario Lorenz von der Charité Berlin hat in einer kleinen Studie überprüft, wie schwarzer und grüner Tee das Herz-Kreislauf-System beeinflussen. Eigentlich hätte er getippt, dass die grüne Variante besser abschneidet. Schließlich sollen Catechine antoxidativ wirken, Entzündungen eindämmen und damit unter anderem vor Gefäßleiden schützen. Doch es kam anders. Die Frauen, die für den Versuch je einen halben Liter grünen oder schwarzen Tee tranken, profitierten gleichermaßen. In beiden Gruppen verbesserte sich die Funktion der Gefäßinnenwand. Lorenz vermutet deshalb, dass – neben den Catechinen – womöglich noch andere Teeinhaltsstoffe gesundheitsfördernd wirken. Zumindest in Bezug auf einen potenziellen gefäßschützenden Effekt hält der Forscher beide Tees für vielversprechend.
Egal ob weiß, grün oder schwarz, mit oder ohne Aroma: Tee schmeckt köstlich und versüßt frostige Herbst- und Winterabende. Zudem enthält das Getränk keine Kalorien, es sei denn, Teeliebhaber mischen Milch, Honig oder Zucker bei. Wer schwarzen Tee etwa drei bis fünf Minuten ziehen lässt, spürt eher die anregenden Effekte. Zieht der Tee länger, treten neben Koffein auch andere Inhaltsstoffe in das Wasser über. Der Geschmack wird dann zunehmend bitter. Allerdings variiert die optimale Ziehzeit von Sorte zu Sorte. Grüner Tee schlägt zum Teil schon nach einer Minute ins Bittere um. Teekenner behaupten zudem, dass grüne Sorten umso schneller ziehen, je heißer das Wasser ist. Weißer Tee weist zwar ein milderes Aroma als die grüne Variante auf, trotzdem reichen auch hier sehr kurze Ziehzeiten aus. Manchmal empfiehlt es sich auch, das Teewasser vorab zu entkalken. Denn hartes Wasser kann den Geschmack verschlechtern.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
01.09.2010, aktualisiert am 23.11.2011
Bildnachweis: Panthermedia/Alexander Schuching, Thinkstock/iStockphoto
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