natürliche Ernährung des Säuglings an der Brust der Mutter.
Vorteile des Stillens
Nährstoffgehalt: Muttermilch ist der Verdauungsleistung des Säuglings perfekt angepasst und deckt seinen Bedarf an Flüssigkeit und Nährstoffen genau. Für 4–6 Monate ist die Muttermilch die optimale kindliche Ernährungsform.
Krankheitsschutz: Besonders die Erstmilch (Kolostrum) ist reich an Antikörpern der Mutter, die das Kind vor Infektionen schützen. Wird der Säugling mindestens 4–6 Monate ausschließlich gestillt, treten später seltener Allergien auf. Stillen bietet aber auch Schutz vor anderen Krankheiten: So erkranken Kinder, die voll gestillt wurden, seltener an Diabetes mellitus als Kinder, die sehr früh künstliche Milchnahrung erhalten.
Praktische Vorteile des Stillen: Muttermilch ist immer zur Hand, keimarm, hat Trinktemperatur und passt sich dem Bedarf des Kindes an. Außerdem fördert das Stillen die Beziehung zwischen Mutter und Kind sowie das Wohlbefinden des Kindes.
Milchbildung
Bereits während der Schwangerschaft wird durch die Hormone des Mutterkuchens das Wachstum des Drüsengewebes der weiblichen Brust angeregt.
Nach der Geburt lösen die hormonelle Umstellung sowie das Saugen des Kindes an der Brust die Ausschüttung des für die Milchbildung verantwortlichen Hormons Prolaktin aus der Hypophyse aus. Der Saugreiz führt auch zu einer Ausschüttung des Hormons Oxytozin, das Kontraktionen der Milch führenden Drüsengänge hervorruft und den Milchfluss unterstützt.
Milcheinschuss
Der Beginn der Produktion von Muttermilch setzt in der Regel am 2.–4. Tag nach der Geburt ein. Die Brüste sind dann v. a. bei Erstgebärenden schmerzhaft und prall gespannt.
Häufig kommt es zu einem Temperaturanstieg bis auf 38 °C (Milchfieber). Das Kind sollte in dieser Zeit die Brust möglichst leer trinken. Ist das nicht möglich, kann die Muttermilch auch vorübergehend abgepumpt werden. Nach ca. 1–2 Tagen gleichen sich Muttermilchmenge und Trinkmenge des Kindes an. Kühlende Auflagen (z. B. kalte Wickel) und häufiges Anlegen lindern die Beschwerden beim Milcheinschuss.
Technik des Stillens
Der Säugling sollte unmittelbar nach der Geburt angelegt werden. Danach wird das Kind regelmäßig dann angelegt, wenn es »sich meldet« (feeding on demand). Dies entspricht häufig einem Abstand von 2 bis 4 Std. Bis der eigentliche Milcheinschuss stattgefunden hat, kann nach dem Anlegen etwas Tee nachgefüttert werden.
Zum Stillen sollte die Mutter eine bequeme Haltung einnehmen, in der sie es ohne Verspannungen etwa eine halbe Stunde aushalten kann. Mit Zeige- und Mittelfinger der freien Hand wird die Brust vom Gesicht des Kindes zurückgehalten, damit es leichter atmen und die Brustwarze besser fassen kann. Dabei sollte das Kind mit dem Mund die Brustwarze immer zusammen mit dem umgebenden Warzenvorhof umfassen. Um die Brustwarze zu schonen, sollte am Anfang nur 5 Min. pro Seite angelegt werden, was dann langsam auf 15–20 Min. gesteigert werden kann. Es sollte immer abwechselnd zuerst die eine, dann die andere Brust angeboten werden, da die zuletzt angebotene Brust meist nicht mehr vollständig entleert wird. Nach jeder Brust sollte man das Kind aufstoßen lassen. Zum Entfernen des Kindes von der Brust schiebt man zuerst einen Finger in den Mundwinkel und löst dann vorsichtig den Unterdruck.
Viele Frauen haben zu Beginn des Stillen das Gefühl, ihre Milch reiche nicht aus. Häufig hilft dann schon etwas körperliche Ruhe und häufigeres Anlegen. Auch sog. Milchbildungstees helfen in diesem Fall.
Während des Stillens kann es zu einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit kommen. Die Monatsblutung bleibt in dieser Zeit meist aus. Stillen bietet jedoch keinen 100%igen Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft.
Stillschwierigkeiten oder -hindernisse
Flach- oder Hohlwarzen: Sie können das Anlegen des Kindes sehr schwierig machen. In manchen Fällen hilft die Verwendung eines Stillhütchens, das auf die Brustwarze dicht aufgesetzt wird und an dem das Kind dann trinkt. Führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, kann die Muttermilch abgepumpt und mit der Flasche gefüttert werden.
Milchstau: Durch eine unzureichende Entleerung der Brust kann hauptsächlich in den ersten Tagen bis Wochen ein Milchstau entstehen. Die Frau bemerkt dann schmerzhafte, teilweise derbe Knoten in der Brust, die sich warm anfühlen, aber nicht gerötet sind. Aus einem Milchstau kann sich eine Brustentzündung entwickeln. Das Kind sollte an der betroffenen Brust zuerst angelegt werden und diese möglichst leer trinken. Ist die Brust nicht vollständig geleert, wird der Rest vorsichtig abgepumpt. Dabei kann der betroffene Bereich in Richtung Brustwarze massiert werden. Wichtig ist außerdem, dass die Frau sich für einige Tage körperlich schont. Um bei einem Milchstau die Menge der produzierten Milch zu verringern, sollte sie wenig trinken. Erleichterung bringen auch ein vorsichtiges Ausstreichen der Brust nach einer warmen Dusche und Umschläge mit einer alkoholischen Retterspitzlösung. In hartnäckigen Fällen kann ein hormonhaltiges Nasenspray benutzt werden. Die Drüsengänge werden dadurch zu Kontraktionen angeregt, die gestaute Milch kann leichter abfließen.
Brustentzündung (Mastitis): Kommt es zu einer schmerzhaften Rötung der Brust, die von Fieber begleitet wird, sollte die Stillende auf jeden Fall eine Hebamme zurate ziehen. Im Anfangsstadium kann das Kind weiter gestillt werden. Die Mutter muss aber strikte Bettruhe einhalten, die Brust mit Quarkwickeln kühlen und durch regelmäßiges Stillen für eine gute Entleerung sorgen. Führt dies zu keiner Besserung, müssen Antibiotika eingenommen und muss dann meist abgestillt werden.
Erkrankungen der Mutter: Bei Infektionen mit Erregern, die in die Muttermilch übergehen können (z. B. Aids, Hepatitis, Tuberkulose), muss abgestillt werden. Auch bei anderen Erkrankungen, wie z. B. bei schweren Herzfehlern, sollte auf das Stillen verzichtet werden, da die Belastung für die Mutter zu groß ist.
Stillhindernisse seitens des Kindes: Stillen kann unmöglich sein, wenn das Kind noch unreif ist (Frühgeborenes) oder an bestimmten Erkrankungen leidet (z. B. schwere Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Fehlbildung im Verdauungstrakt, einige Stoffwechselstörungen).
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 05.04.2011
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