Schokolade: Ungesund oder gut fürs Herz?

Im Kakao stecken Substanzen, die Herz und Gefäße fit halten sollen. Dürfen wir nun endlich ohne schlechtes Gewissen Schokolade genießen?
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 14.03.2017

Wer kann ihr schon widerstehen? Zart schmelzende, verführerische Schokolade

Fotolia/Cardiae

Eine Tafel Schokolade am Tag und Ihr Herz bleibt gesund – so eine Aussage hören Sie sicher gerne. Tatsächlich haben Wissenschaftler diesen Zusammenhang in Studien getestet. Die Teilnehmer mussten jeden Tag 100 Gramm Schokolade essen. Die Forscher beobachteten die Effekte auf Herz und Kreislauf und waren begeistert: Ihrer Meinung nach sank das Risiko für gefährliche Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich.

Doch kann eine Tafel Schokolade täglich wirklich gesund sein? Unsere Experten sagen ganz klar: Nein! "100 Gramm Schokolade enthalten ungefähr 500 Kilokalorien", sagt Professor Wolfram Delius, Kardiologe aus München. Damit decken Sie bereits rund ein Viertel Ihres täglichen Energiebedarfs von zirka 2000 Kilokalorien*. Die Deutsche Herzstiftung schreibt: Eine Tafel zusätzlich zur normalen Kost und Sie wiegen nach zwei Wochen ein Kilogramm mehr. Auch Dr. Brian Buijsse meint: "In der Süßigkeit steckt zu viel Zucker und Fett."


Das Gesunde an Kakao

Ernährungswissenschaftler Buijsse hat schon mehrere Studien zum Thema Schokolade durchgeführt, zuletzt während seiner Forschungstätigkeit am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Er weiß daher, warum die süße Köstlichkeit immer wieder als gesundheitsfördernd angepriesen wird. "In Kakao kommen sogenannte Flavanole vor, die die Blutgefäße elastischer machen und leicht blutdrucksenkend wirken", so Buijsse. Flavanole zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und erweitern in Labortests die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck abnimmt – allerdings ist der Effekt vergleichsweise gering.

Die meisten Flavanole stecken in dunkler Schokolade. Denn sie enthält mindestens zirka 60 Prozent Kakaomasse. Inzwischen gibt es Sorten, die aus bis zu 90 Prozent Kakao bestehen. In Milchschokolade findet sich weniger davon – schon ab 25 Prozent Kakaoanteil dürfen Hersteller von Milchschokolade sprechen. Weiße Schokolade ist frei von Kakao, in ihr kommt nur Kakaobutter vor – also das Fett der Kakaobohne.


In der Kakaofrucht befinden sich viele Samen – die Kakaobohnen. Aus ihnen wird Kakaopulver hergestellt

Fotolia/ExQuisine

Info: Wie wird Kakao hergestellt?

Kakao wird aus dem Kakaobaum gewonnen, der in den Tropen wächst. Die Früchte enthalten zahlreiche Samen – die Kakaobohnen. Gären sie, verfärben sich die Samen braun-violett. Anschließend werden sie geröstet, wobei die dunkelbraune Farbe entsteht und sich Aromastoffe bilden. Nach dem Röstvorgang werden die Kakaobohnen gemahlen. Aus der so entstandenen Kakaomasse lässt sich zusammen mit weiteren Zutaten Schokolade herstellen. Die Masse können Lebensmittelkonzerne auch zu Kakaopulver verarbeiten. Dafür entfernen sie einen Teil der Kakaobutter – sie entölen den Kakao.

In Kakao finden sich nicht nur reichlich Flavanole. Er enthält auch größere Mengen Magnesium, Eisen und Kalzium. Des Weiteren kommt Beta-Karotin sowie die Vitamine E, B1, B2 und Niacin vor. Koffein steckt ebenfalls in Kakao, allerdings deutlich weniger als in Kaffee.


Kleine Mengen Schokolade sind erlaubt

"Inzwischen wissen wir aus Studien, dass schon kleine Mengen Bitterschokolade positive Effekte auf den Blutdruck haben können", sagt Buijsse. Mit kleiner Menge meint der Forscher sieben bis 20 Gramm. Das ist – wenn überhaupt – eine Rippe, nicht eine ganze Tafel. Mehr vergönnen die Experten Schokoladen-Liebhabern nicht – zu viele Kalorien, zu viel Zucker und Fett.

Außerdem kann sich in Kakao Cadmium befinden. Die Substanz kann den Nieren schaden und gilt sogar als krebserregend. "Insbesondere Edelkakaosorten aus Südamerika können relativ viel Cadmium enthalten", sagt Dr. Gisela Olias vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Der Grund: Die Kakaopflanzen wachsen dort auf vulkanischen Böden, die von Natur aus reich an Cadmium sind. Da es noch keine gesetzlich festgelegten Höchstmengen für Cadmium in Schokolade gibt, raten Experten: Schokolade – vor allem dunkle Sorten – in Maßen genießen.

Fazit: Sie dürfen sich ein bis zwei Stückchen Schokolade gönnen, wenn Sie Lust auf Süßes haben. Ob Sie Ihrem Herz damit etwas Gutes tun, bleibt allerdings vorerst ungeklärt. "Ob der langfristige Verzehr von Schokolade wirklich der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten vorbeugt, ist wissenschaftlich nicht belegt", erläutert Delius. "Wir beobachten zwar positive Effekte, können aber noch keine klaren Empfehlungen für den Verbraucher geben", sagt Buijsse.

 

* Der angegebene Energiebedarf ist ein Durchschnittswert für einen Erwachsenen mit geringerer körperlicher Aktivität. Der genaue Bedarf hängt von Alter, Geschlecht und körperlicher Aktivität ab


Lesen Sie auch:

Frau macht Pudding

Süßigkeiten und ihre leichteren Alternativen »

Schokolade, Gummibärchen, Schwarzwälder Kirschtorte: Welche kalorienärmeren Alternativen es für die beliebtesten Süßspeisen gibt »


Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Kräuter-Bauernbrot

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Bei einer Zöliakie besteht eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten. Symptome wie chronischer Durchfall können auftreten, aber auch fehlen »

Spezials zum Thema

Gesunde Ernährung: Ein Brot mit Käse und Salat gehört dazu

Ernährung: Basis für ein gesundes Leben

Wer sich ausgewogen ernährt, erhöht seine Chancen, länger gesund, beweglich und geistig fit zu bleiben »

Leiden Sie an Heuschnupfen?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages