Süßstoffe sind praktisch: Sie enthalten so gut wie keine Kalorien, ihre Süßkraft übertrifft die von Zucker um das zehn- bis 13.000-fache. Ein Tropfen oder Kügelchen reicht daher meist aus, um eine Tasse Kaffee oder Tee zu süßen. Sie sind aber auch umstritten, denn die Substanzen erhöhen den Insulinspiegel und machen so wie gewöhnlicher Zucker dick, heißt es oft. Aber ist da tatsächlich was dran?
Geringe Auswirkungen auf Insulinproduktion
Es gibt die Theorie, dass der süße Geschmack der Ersatzstoffe dem Gehirn die Aufnahme von Zucker vortäuscht. Dieses regt eine erhöhte Insulinproduktion an, der Glukosespiegel im Blut sinkt. Die Betroffenen verspüren ein verstärktes Hungergefühl. Studien zu diesem Thema gibt es viele. „Es konnte aber allenfalls ein minimaler Insulin-Anstieg gemessen werden, der nicht relevant ist“, erklärt Ernährungsmediziner Professor Andreas Pfeiffer von der Charité Berlin.
Eine Gewichtszunahme durch Süßstoffe wurde bislang nur bei Tieren nachgewiesen. Bei Menschen hat sich das aber nicht bestätigt, so Pfeiffer, der zudem beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung die Abteilung für Klinische Ernährung leitet.
Für einen negativen Effekt auf das Körpergewicht gibt es also keine wissenschaftlichen Belege. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält Süßstoffe daher für ein durchaus sinnvolles Hilfsmittel zum Abnehmen. Gerade bei Adipositas-Patienten können sie von Nutzen sein, um überflüssige Kalorien einzusparen. Da Süßstoffe über keine Kalorien verfügen, eignen sie sich zudem für Diabetiker. Ernährungsberaterin Ingrid Acker aus Rödermark hält die künstlichen Zuckerersatzstoffe in Maßen für jedermann in Ordnung, der sich ausgewogen ernährt.
Lust auf Süßes bleibt
Ein Allheilmittel zum Abnehmen sind Süßstoffe aber nicht, gibt Acker zu bedenken. Die Substanzen aktivieren dieselben Geschmacksrezeptoren wie Zucker und befördern so die Lust nach Süßem. Wer häufig Diät-Limonaden trinkt, steigert damit also womöglich gleichzeitig seinen Appetit auf zuckerhaltige Speisen.
Und genau hier liegt das Problem: Trotz Zuckerverzicht verzehrt man oft mehr. „Die Leute kompensieren das Eingesparte unbewusst mit weiterem Essen“, sagt Ernährungsmediziner Pfeiffer. Im Glauben, bereits Kalorien gespart zu haben, wird dann zu einem zusätzlichen Stück Schokolade gegriffen. Dazu kommt, dass Süßstoffe ein geringeres Sättigungsgefühl zur Folge haben als Glukose. Das verleitet zusätzlich dazu, größere Mengen zu sich zu nehmen.
Zucker durch kalorienfreie Präparate ersetzen, schon nimmt man ab? So einfach ist das nicht. "Wer abnehmen möchte, kommt nicht daran vorbei, sich mit dem eigenen Bedürfnis nach Süßem auseinanderzusetzen", sagt Acker. Daran ändern auch Süßstoffe nichts.
Welche Süßstoffe gibt es?
In der EU sind derzeit neun Süßstoffe zugelassen: Acesulfam, Aspartam, Aspartam-Acesulfam-Salz, Cyclamat, Saccharin, Sucralose, Thaumatin, Neohesperidin und Neotam. Die Zulassung eines weiteren aus den Blättern der Stevia-Pflanze ist in der Diskussion. Nicht zu verwechseln sind Süßstoffe mit Zuckeraustauschstoffen. Ihre Süßkraft ist geringer, zudem beinhalten sie Kohlehydrate. Da sie als zahnfreundlich gelten, sind sie oft Bestandteil von Kaugummis oder Zahnpasta. Wie Süßstoffe gelten sie als Lebensmittelzusatzstoffe und sind zulassungspflichtig.
Sind Süßstoffe krebserregend?
Manche Zuckerersatzstoffe stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Aspartam soll die Entstehung von Gehirntumoren begünstigen, Cyclamat Blasenkrebs verursachen. Dr. Rainer Gürtler vom Bundesministerium für Risikobewertung gibt Entwarnung: „Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege.“ Alle Lebensmittelzusatzstoffe werden vor der Zulassung einem strengen Untersuchungsverfahren durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit unterzogen. „Süßstoffe gehören dabei zu den am besten erforschten überhaupt“, erklärt Gürtler. Hinweise auf gesundheitliche Nebenwirkungen gab es bei Süßstoffen dabei bislang nicht – solange der Verzehr sich innerhalb gewisser Grenzen bewegt und im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung stattfindet. Ausnahme: Für Menschen, die unter der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie leiden, ist Aspartam tabu. Sie können die darin enthaltene Aminosäure Phenylalanin nicht verarbeiten.
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
17.10.2011
Bildnachweis: Fotolia/ABCMedia
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