Machen Süßstoffe dick?

Sind Süßstoffe Dickmacher wie Zucker oder helfen sie beim Abnehmen? Unsere Experten geben Antwort und plädieren für einen vernünftigen Umgang mit dem Zuckerersatz

von Stephan Soutschek, 19.03.2016

Süßstoffe sind als Zuckerersatz in Ordnung – aber besser nur in Maßen

Fotolia/Dron

Süßstoffe sind praktisch: Sie enthalten so gut wie keine Kalorien, ihre Süßkraft übertrifft die von Zucker um das zehn- bis 3.000-fache. Ein Tropfen oder Kügelchen reicht daher meist aus, um eine Tasse Kaffee oder Tee zu süßen. Sie sind aber auch umstritten. Oft heißt es, die Substanzen erhöhen den Insulinspiegel und machen so wie gewöhnlicher Zucker dick. Aber ist da tatsächlich was dran?

Süßstoffe: Geringe Wirkung auf die Insulinproduktion

Es gibt die Theorie, dass der süße Geschmack der Ersatzstoffe dem Gehirn die Aufnahme von Zucker vortäuscht. Dieses rege darauf die Insulinproduktion an, so dass der Zuckerespiegel im Blut sinkt und die Betroffenen ein verstärktes Hungergefühl verspüren. Doch Studien belegen diese Behauptung nicht: "Es konnte allenfalls ein minimaler Insulin-Anstieg gemessen werden, der nicht relevant ist", erklärt Ernährungsmediziner Professor Andreas Pfeiffer von der Charité Berlin. Er leitet beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung die Abteilung für Klinische Ernährung.


Ähnliches gilt für den Verdacht, dass Süßstoffe dick machen. Eine Gewichtszunahme durch Süßstoffe wurde bei Tieren nachgewiesen. Bei Menschen hat sich das aber nicht bestätigt, so Pfeiffer.

Für einen negativen Effekt auf das Körpergewicht gibt es also keine wissenschaftlichen Bestätigung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält Süßstoffe daher für ein durchaus sinnvolles Hilfsmittel zum Abnehmen.

Trotz Süßstoffe: Die Lust auf Süßes bleibt

Ernährungsberaterin Ingrid Acker aus Rödermark hält Süßsstoffe in Maßen für jedermann in Ordnung, der sich ausgewogen ernährt. Ein Allheilmittel zum Abnehmen sind Süßstoffe aber nicht, gibt sie zu bedenken. Denn die Stoffe aktivieren dieselben Geschmacksrezeptoren wie Zucker und können so möglicherweise die Lust nach Süßem befördern.


Und genau hier liegt das Problem: Trotz Zuckerverzicht verzehren manche mehr. "Die Leute kompensieren das Eingesparte unbewusst mit weiterem Essen", sagt Ernährungsmediziner Pfeiffer. Im Glauben, bereits Kalorien gespart zu haben, wird dann zu einem zusätzlichen Stück Schokolade gegriffen.

Einfach abnehmen, indem man Zucker durch kalorienfreie Präparate ersetzt? So leicht ist es leider nicht. "Wer abnehmen möchte, kommt nicht daran vorbei, sich mit dem eigenen Bedürfnis nach Süßem auseinanderzusetzen", sagt Acker. Daran ändern auch Süßstoffe nichts.

Welche Süßstoffe gibt es?

In der EU sind derzeit folgende Süßstoffe zugelassen: Acesulfam K, Aspartam, Aspartam-Acesulfam-Salz, Cyclamat, Saccharin, Sucralose, Thaumatin, Neohesperidin DC, Neotam und Steviaglykoside.

Nicht zu verwechseln sind Süßstoffe mit Zuckeraustauschstoffen. Ihre Süßkraft ist geringer, sie enthalten aber immer noch weniger Kalorien als Zucker. Da sie als zahnfreundlich gelten, sind sie oft Bestandteil von Kaugummis oder Zahnpasta. Wie Süßstoffe gelten sie als Lebensmittelzusatzstoffe und sind zulassungspflichtig.

Sind Süßstoffe krebserregend?

Manche Süßsstoffe stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Aspartam soll die Entstehung von Gehirntumoren begünstigen, Cyclamat angeblich Blasenkrebs verursachen. Dr. Rainer Gürtler vom Bundesministerium für Risikobewertung gibt Entwarnung: "Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege." Alle Lebensmittelzusatzstoffe werden vor der Zulassung einem strengen Untersuchungsverfahren durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit unterzogen. "Süßstoffe gehören dabei zu den am besten erforschten überhaupt", erklärt Gürtler.

Solange der Verzehr sich innerhalb gewisser Grenzen bewegt und im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung stattfindet, sind Süßsstoffe im Allgemeinen also unproblematisch. Doch es gibt Ausnahmen: Menschen, die unter der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie leiden, müssen Aspartam zum Beispiel meiden. Sie können die darin enthaltene Aminosäure Phenylalanin nicht verarbeiten.



Bildnachweis: Fotolia/Dron

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