Die einen lieben sie, andere können der klebrigen, pechschwarzen Süßigkeit und ihrem markanten Geruch partout nichts abgewinnen. Die Rede ist von Lakritze. Sie wird aus den getrockneten Wurzeln der Süßholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) hergestellt, die in Asien und im Mittelmeerraum heimisch ist.
Die Wurzeln enthalten die organische Verbindung Glycyrrhizin, die für den süßlichen Geschmack von Lakritze verantwortlich ist. Ihre Süßkraft ist etwa 50 mal stärker als die von Rohrzucker. Das ist allerdings nicht die einzige bemerkenswerte Eigenschaft. „Glycyrrhizin hemmt Entzündungen, schützt die Leber und beeinflusst den Hormonhaushalt“, sagt Dr. Roman Huber, Leiter des Zentrums für Naturheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Süßholz wird deshalb nicht nur zu Lakritze verarbeitet, sondern auch zu medizinischen Tees und in Verbindung mit Salmiak zu Pastillen. Ein Forscherteam an der Universität Würzburg wählte sie zur „Arzneipflanze des Jahres 2012“.
Gegen Husten und Magenbeschwerden
Die Wirkung von Lakritze ist zum Teil seit der Antike bekannt. Die alten Ägypter und Griechen nahmen sie gegen Husten ein. Bis heute sind Tees mit Süßholzextrakten ein beliebtes Mittel bei Schnupfen und Erkältung. Bestimmte Inhaltsstoffe veranlassen die Nasenschleimhäute dazu, dünnflüssigeres Sekret zu produzieren. Der Schleim wird so leichter ausgehustet. Glycyrrhizin hemmt zudem das Wachstum des Bakteriums Helicobacter pylori. Der Erreger gehört zu den häufigsten Ursachen für eine chronische Gastritis.
Die gesundheitliche Bedeutung von Glycyrrhizin ist dabei noch nicht vollständig erforscht. So gibt es Hinweise, dass die Substanz gegen Herpes-Viren wirkt. Naturheilkunde-Experte Roman Huber hat gemeinsam mit einem japanischen Forscherteam die Wirksamkeit bei chronischer Hepatitis C untersucht. Die Versuchspersonen erhielten dabei täglich 100 Milliliter Glycyrrhizin gespritzt. Am Ende hatten sich die Leberwerte deutlich gebessert. „Die Entzündung im Lebergewebe jedoch nicht“, erklärt Huber. Deshalb sei es noch zu früh, um eine Aussage über den konkreten Nutzen der Entdeckung in der Praxis zu treffen.
Lakritzeliebhaber werden von diesem Effekt allerdings kaum profitieren. Das Mittel muss gespritzt werden, denn die benötigte Menge ist zu groß, um sie allein über die Nahrung aufzunehmen.
Einfluss auf Blutdruck und Sexualhormone
Glycyrrhizin kann auch den Hormonstoffwechsel beeinflussen. Beispielsweise verringert es die Produktion von Testosteron. Bei Männern führt eine verminderte Testosteronmenge zu einer geringeren Libido. Frauen, deren Körper vermehrt männliche Geschlechtshormone produziert und die deshalb unter Haarausfall oder Akne leiden, könnte dieser Effekt dagegen helfen, so Huber. Eine größere Studie, die diese Vermutung belegt, gibt es jedoch noch nicht.
Doch Vorsicht: Die Süßigkeit sollte nur in Maßen verzehrt werden. In großen Mengen kann Lakritze den Mineralstoffhaushalt durcheinander bringen und den Blutdruck steigern. Glycyrrhizin hemmt den Abbau des Hormons Kortisol. Das hat indirekt zur Folge, dass der Körper vermehrt Wasser zurückhält und Kalium ausscheidet. Der Blutdruck steigt, zudem lagert sich Wasser im Gewebe ein.
Schadet zuviel Lakritze?
Herz-Kreislauf-Patienten, Diabetiker und Schwangere sollten Lakritze daher nur in Maßen genießen. Ganz verzichten müssen sie aber auch nicht: „Ein paar Stücke Lakritze pro Tag sind kein Problem“, sagt Internist Huber. Als Grenzwert für gesunde Personen gilt eine Dosis von 100 Milligramm Glycyrrhizin am Tag. Das entspricht etwa zehn Tassen Süßholztee - je nach Teesorte und Dosierung. Auch mit handelsübliche Lakritze erreichen nur wenige Nascher diesen Wert. Problematisch ist hier eher die Kalorienmenge: 100 Gramm Lakritze enthalten 375 Kilokalorien. Produkte, die mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthalten, müssen übrigens als „Starklakritze“ gekennzeichnet werden. Auch bei der Lakritze kommt es also auf die Dosis an.
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
24.11.2011
Bildnachweis: W&B, Shotshop/Mabe123
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