Eis: Zehn Mythen und Wahrheiten

Macht Eis dick? Bekommt man durch Speiseeis Kopfweh und Zahnschmerzen? Ist Vanille wirklich die Lieblingssorte der Deutschen? Solche Fragen klären wir hier

von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 02.07.2015

Lust auf Eis? Vanille ist besonders beliebt

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Heiß auf Eis? Während Sie in der Schlange vor der Eistheke warten, überlegen Sie sicher, welche Sorten Sie nehmen sollen. Vielleicht gehen Ihnen auch Gedanken wie „Eis macht dick“, „Sind bei der Hitze Salmonellen im Eis?“ oder „Warum huste ich danach eigentlich immer?“ durch den Kopf. Wir haben solche Fragen und Behauptungen unter die Lupe genommen und geklärt, ob es Mythos oder Wahrheit ist:

1. Eis ist eine Kalorienbombe.

Das trifft glücklicherweise nicht immer zu! Eine Kugel (75 Gramm) Fruchteis – wie Zitrone oder Himbeere – kommt auf rund 100 Kilokalorien. Die gleiche Menge Milcheis, zum Beispiel Vanille oder Erdbeere, enthält etwa 150 Kilokalorien, die Sorte Schokolade zirka 170 Kilokalorien.

„Ein Eisbecher Vanilleeis mit Schokosoße und einer Portion Sahne ist allerdings schon eine Kalorienbombe“, sagt Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Diese Variante aus der Eisdiele weist über 400 Kilokalorien auf. Kaufen Sie im Supermarkt ein Eis am Stiel, dann schadet ein Blick auf die Nährwertangaben ebenfalls nicht. Denn ein Vanilleeis mit Schokoladenüberzug und Mandelsplittern kommt schnell auf gut 300 Kilokalorien. Tipp der Expertin: Genießen Sie das Eis bewusst oder planen Sie es als Dessert ein.


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2. Fertiges Speiseeis aus dem Supermarkt ist gar kein „echtes Eis“.

Da ist manchmal etwas Wahres dran. Denn Eisfabrikanten mischen zum Teil kein Milchfett, sondern das günstigere Palmfett in ihre Rezepturen. Steht auf einer Eispackung „Eis“ statt „Eiscreme“, steckt wahrscheinlich die Billigvariante drin.

Verwendet der Hersteller den Begriff „Eiscreme“, müssen im Produkt mindestens 10 Prozent Milchfett enthalten sein. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Bezeichnungen verwirrend sind.

3. Vanille ist die beliebteste Sorte in Deutschland.

Stimmt. Zumindest, wenn man einer Umfrage der Union italienischer Speiseeishersteller glaubt. Demnach belegten in Deutschland 2013 die Sorten Vanille, Schokolade und Erdbeere die ersten drei Plätze. Diesen Top-Kandidaten folgten Stracciatella und Haselnuss. Nichts desto trotz gibt es ständig neue Eiskreationen – von „Schoko-Ingwer“ bis „Marshmellow-Kaugummi“.

4. Eis kann Zahnschmerzen verursachen.

Richtig. „Die Zahnnerven reagieren auf Temperaturreize, kaltes Eis kann auf diese Weise Zahnschmerzen auslösen“, erklärt Dr. Jens Nagaba von der Bundeszahnärztekammer. Besonders wenn die Zähne durch Karies geschädigt sind, bereiten Kälte, Wärme und Süßigkeiten Probleme.

5. Manche Menschen bekommen nach dem Eisessen einen Hustenanfall.

In der Tat gibt es Menschen, die nach einem leckeren Eisbecher plötzlich husten. „Vermutlich regt die Kälte temperaturempfindliche Rezeptoren an, die den Trigeminusnerv reizen“, sagt Professor Heinz Reichmann von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Dieser Nerv zieht ins Gehirn und aktiviert dort unter anderem das Hustenzentrum. Weitere mögliche Erklärung: Ein anderer Nerv, der sogenannte Vagusnerv, löst den „eisigen“ Hustenreflex aus. Dieser Nerv gehört zum vegetativen Nervensystem und steuert zahlreiche Körperfunktionen.

6. Eis ist nicht gleich Eis.

Genau! Wer sich mit Speiseeis ein wenig auskennt, unterscheidet diverse Sorten. Cremeeis darf sich die kühle Leckerei erst nennen, wenn sie mindestens 50 Prozent Milch und 90 Gramm Eigelb enthält. 70 Prozent Milch, dafür aber keine Eier, bedarf es für Milcheis. Für die Bezeichnung Eiscreme kommt es nur auf den Anteil an Milchfett an – mindestens 10 Prozent müssen es sein. Stammt das Milchfett aus Schlagsahne (zu 60 Prozent), sprechen Experten von Sahneeis oder Rahmeis. Fruchteis besteht zu mindestens einem Fünftel aus Früchten, Sorbet muss einen Fruchtanteil von wenigstens 25 Prozent aufweisen. Stecken Zitrusfrüchte darin, reduziert sich der Anteil jeweils. Wassereis enthält kaum Früchte oder Milchfett, dafür aber künstliche Aromastoffe und Lebensmittelfarben. Softeis ist nicht wirklich eine Sorte, es wird aber speziell hergestellt. Ein Apparat friert die Zubereitung ein und schäumt sie anschließend auf. Das Eis wird gleich gegessen.

7. In Eis lauern oft Salmonellen.

Speiseeis enthält – je nach Sorte – Eier, die immer wieder als Verursacher für eine Salmonellen-Infektion infrage kommen. Daneben galt Softeis eine Zeit lang als Quelle für die Durchfallerreger, wenn die Betreiber die Automaten nicht richtig gereinigt hatten. Die jeweiligen Landesämter für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchen in regelmäßigen Abständen, ob das Eis aus Cafés, Eisdielen und Restaurants mit Keimen belastet ist oder nicht. In den allermeisten Fällen finden sie keine verdächtigen Eisproben. Nur selten wurde der erlaubte Grenzwert für bestimmte Krankheitserreger überschritten. Tipp: Die Ergebnisse dieser Untersuchungen lassen sich über die Internetseiten der Landesämter finden.

8. Die Italiener haben´s erfunden.

Weit gefehlt. Angeblich haben bereits 3000 vor Christus Chinesen und Griechen eine Art Eis zubereitet. Kuriose Zutaten wie Gletschereis oder Schnee, aber auch Fruchtmark und Honig gehörten damals wohl zu den Bestandteilen. Immerhin hat wohl ein Italiener die erste Eisdiele eröffnet – allerdings in Paris …

9. Speiseeis löst Kopfweh aus.

Tatsächlich gibt es eine Kopfschmerzart, die Mediziner als „Kälte- oder Eiscreme-Kopfschmerz“ bezeichnen. Warum manche einen Brummschädel bekommen, wenn sie Eis schlecken, ist noch nicht genau bekannt. Vermutlich reizen Kälterezeptoren im Gaumen den sogenannten Trigeminusnerv (fünfter Hirnnerv), der dann Schmerzsignale ins Gehirn leitet.

10. Die Deutschen schlecken jede Menge Eis.

Und ob! Rund sechs Liter Speiseeis schlemmt jeder Bundesbürger durchschnittlich im Jahr.



Bildnachweis: iStock/rbstevens, istock/pixdeluxe
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