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Darf man abgelaufene Lebensmittel noch verzehren?

Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, was nun? Wir verraten, welche Nahrung wann noch genießbar ist und was Sie besser schnell entsorgen sollten


Ein kurzer Blick auf die Verpackungsangaben beim Einkauf kann einen davor bewahren, ein Lebensmittel später wegwerfen zu müssen

Magenknurren, aber noch über zwei Stunden bis zum Abendessen? Da kommt der leckere Joghurt im Kühlschrank gerade recht. Doch Pech gehabt: Das Haltbarkeitsdatum ist seit ein paar Tagen überschritten. Den kann man nicht mehr essen. Oder vielleicht doch?

Ein Lebensmittel ist nicht zwangsläufig ungenießbar, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Es handelt sich dabei um kein Verfallsdatum. Diese Angabe besagt nur, dass der Hersteller nur bis zu diesem Zeitpunkt garantiert, dass ein Lebensmittel seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Farbe und Konsistenz bewahrt.


Von Fall zu Fall entscheiden

"Ein Lebensmittel kann trotzdem noch eine gewisse Zeit genießbar sein“, erklärt Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Der Tipp der Ökotrophologin: Ein kürzlich abgelaufenes Produkt auf Farbveränderungen prüfen und daran riechen. Das liefert einen guten Hinweis darauf, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist. Im Zweifelsfall sollte man auf den Verzehr aber besser verzichten. Hier ist vor allem die Eigenverantwortung des Verbrauchers gefragt.

Dieser Rat gilt nur für Lebensmittel mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum. Schnell verderbliche Ware wie Fleisch hat dagegen meist ein Verbrauchsdatum. „Diese Lebensmittel sollten wirklich nur bis zum angegebenen Zeitpunkt verzehrt werden“, sagt Keller.

Was beim Verderb passiert

Verschiedene Ursachen können dafür verantwortlich sein, wenn ein Lebensmittel seine typischen Eigenschaften verändert. Beispielsweise verringert sich bei manchen mit der Zeit der Flüssigkeitsgehalt, sie trocknen aus. „Aber nicht alle sichtbaren Veränderungen machen den Verzehr zwangsläufig gesundheitsgefährdend“, erklärt Professor Karsten Fehlhaber. Er leitet das Institut für Lebensmittelhygiene in Leipzig.

Die Hauptursache für den Verderb ist der Befall mit Mikroorganismen. Sie produzieren Enzyme, die unter anderem Eiweiße und Fette abbauen. Fett, zum Beispiel in der Milch, wird dann ranzig, Fleisch verändert seine Farbe. Unter den Mikroorganismen können sich auch gesundheitsgefährdende Keime befinden. Deshalb gilt: Bei sichtbarem Keimbefall das Lebensmittel auf jeden Fall besser gleich entsorgen – Haltbarkeitsdatum hin oder her.

Lebensmittel verderben unterschiedlich schnell

Auch gleiche Lebensmittel verderben nie auf genau die gleiche Art und Weise. Der Prozess hängt von verschiedenen Faktoren ab: Die Lagerung im Kühlschrank etwa verzögert die Vermehrung von Keimen. Deshalb sollten Sie ein Produkt immer gemäß den Herstellerangaben aufbewahren.

Auch die Verpackung schützt vor Keimbefall. Bei geöffneten Produkten haben Mikroorganismen dagegen leichtes Spiel – die Mindesthaltbarkeitsangaben sind in diesem Fall nicht mehr gültig. Eine geöffnete Packung H-Milch muss dann beispielsweise innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden, auch wenn sie laut Verpackungshinweis noch länger haltbar wäre.

Was tun bei Schimmel?

Der Befall mit Schimmelpilzen führt ebenfalls zum Verderb. Eingeatmet können sie zu allergischen Reaktionen führen, zudem produzieren manche Arten giftige Stoffe, sogenannte Mykotoxine. Auch bei geringen Schimmelspuren gehören die meisten Produkte deshalb sofort in den Müll. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich die gebildete Pilzgifte bereits in dem gesamten Produkt verbreitet haben“, erklärt Fehlhaber. Das geht um so schneller, je mehr Flüssigkeit ein Nahrungsmittel enthält.

Tipps für Verbraucher

Mit klugem Verhalten können Verbraucher dafür sorgen, dass es gar nicht zum Verderb kommt. Neben der richtigen Aufbewahrung gehört dazu auch, die Vorräte regelmäßig zu prüfen: Welche laufen bald ab und müssen demnächst verbraucht werden?

Diese Maßnahmen sind nicht nur aus persönlichen Gründen sinnvoll. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO landen rund ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel im Müll, allein in Deutschland jährlich etwa 20 Millionen Tonnen.


So lange halten Lebensmittel

  • Milchprodukte

    Milch und Milchprodukte

    Ist die Verpackung offen, verdirbt Milch schnell. Das gilt auch für Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir. Geöffnete H-Milch muss innerhalb von drei bis vier Tagen verbraucht werden. Bei Zweifeln ist der Geruchstest ein guter Indikator.

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  • Schinken

    Fleisch

    Fleischprodukte haben ein Verfallsdatum, bis zu dem sie auf jeden Fall verzehrt werden sollten. Fleisch verdirbt auch bei einer Lagerung im Kühlschrank sehr schnell. Größere Stücke halten sich drei bis vier Tage, Hackfleisch muss noch am selben Tag verbraucht werden. Eingefroren hält sich Fleisch mehrere Monate - wie lange, hält vom Fettgehalt ab.

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  • Brot

    Brot

    Geschnittenes Brot schimmelt schneller als der ganze Laib. Auch bei Feuchtigkeit und warmen Temperaturen hält Brot weniger lange. Verschimmelte Stellen nicht wegschneiden, sondern gleich den ganzen Laib oder die ganze Packung entsorgen.

    Bei frischen Backwaren wie Semmeln wird oft auf ein konkretes Verbrauchsdatum verzichtet, da man bei ihnen davon ausgeht, dass sie innerhalb kurzer Zeit verzehrt werden.

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  • Mehl

    Mehl, Zucker & Co.

    Sehr trockene Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Puddingpulver oder Tütensuppen bleiben in ungeöffneten Verpackungen in der Regel weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum genießbar. Zu geöffneten Produkten finden Keime dagegen leichter Zugang. Im Einzelfall sollte man die Produkte vor dem Gebrauch aber stets kritisch prüfen.

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  • Marmelade

    Marmelade und Konfitüre

    Durch den hohen Flüssigkeitsgehalt verbreiten sich Schimmelsporen schnell. Deshalb gehören Marmeladen und Konfitüren auch bei kleinen Schimmelspuren bereits entsorgt.

    Eine Ausnahme bilden Konfitüren mit einem Zuckergehalt von 50 Prozent oder mehr. Dann reicht es oft, wenn die betreffende Stelle großzügig abgehoben wird. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, entsorgt auch diese Konfitüren.

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Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de; 26.07.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto, Fotolia/silencefoto, Fotolia/Schlierner, Fotolia/Johanna Mühlbauer, Thinkstock/iStockphoto, Hemera, Thinkstock/Hemera

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