Die Resi bringt dem Peter eine schöne Kanne frischer Kuhmilch. Grüezi, das schmeckt dem Jungen aber fein. Doch plötzlich grummelts ihm ganz böse im Bauch und der Peter muss schnell das stille Örtchen aufsuchen. Leidet er vielleicht unter einer Milchzuckerunverträglichkeit? Bekommt dem Peter die Laktose aus Resis feiner Kuhmilch nicht?
Peter ist kein Einzelschicksal. Bei einigen Menschen führt der Verzehr von Milchprodukten zu schmerzhaften Verdauungsproblemen. Aber was steckt dahinter? Warum kann uns die gute Milch schaden? Die Biologin und Ernährungsexpertin Dr. Gisela Olias vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke erklärt die medizinischen Hintergründe.
Normalerweise sitzt in unserem Darm das Enzym Laktase. Es hat die Aufgabe, Milchzucker, also Laktose, in Traubenzucker und Galaktose aufzuspalten. Menschen mit einer Laktoseintoleranz haben zu wenig oder gar nichts von diesem Enzym. Bei ihnen gelangt der Milchzucker ungespalten in den Dickdarm. Dieser ist natürlicherweise von vielen Bakterien besiedelt. Diese freuen sich über den ungespaltenen Milchzucker und verdauen ihn selber. Dabei produzieren sie Gase, die bei dem Betroffenen Schmerzen verursachen können.
Als Folgen und Symptome einer Milchzuckerunverträglichkeit treten auf: Bauchschmerzen oder sogar Koliken, Völlegefühl, Blähungen, Durchfall und Übelkeit.
Am besten meiden Betroffene milchzuckerhaltige Speisen oder schränken zumindest den Konsum stark ein. Auch viele Arzneimittel enthalten Laktose. Hier muss man abwägen. Menschen, die überhaupt kein Milchzucker-spaltendes Enzym mehr besitzen, vertragen pro Tag maximal ein Gramm Laktose. Das ist nicht viel. Eine Alternative stellen Laktase-Präparate dar. Man nimmt sie zu den Speisen ein und sie ersetzen das fehlende Enzym.
Fast alle Babys vertragen Milchzucker noch gut. Da die über die Muttermilch aufgenommene Laktose das einzige Kohlenhydrat ist, das sie bekommen, ist das auch sehr wichtig. Sonst muss die Mutter das Kleine mit laktosefreier Fertigmilch füttern. Bei Betroffenen hat der Körper die Produktion des Enzyms meist erst mit den Jahren immer weiter heruntergefahren. Das ist genetisch bedingt. Schließlich ist ein Erwachsener nicht mehr auf Muttermilch angewiesen. Es gibt aber natürlich auch Menschen, die bis ins hohe Alter völlig beschwerdefrei Kuhmilch trinken. Wir in Deutschland haben Glück. Nordeuropäer produzieren das Enzym noch sehr viel häufiger als beispielsweise Asiaten oder Afrikaner.
Wenn sie in Folge einer Erkrankung des Magen-Darm-Traktes auftritt, dann ist sie meistens mit dem Abklingen der anderen Krankheit auch überstanden. Die "normale" Variante begleitet einen in der Regel ein Leben lang.
Milchzucker steckt natürlich in den meisten Milchprodukten. Aber die Konzentration variiert. Menschen, die nur unter einer leichten Unverträglichkeit leiden, vertragen zum Beispiel oft noch Sauermilch-Produkte. Dazu zählen Joghurt, Quark oder Kefir. Sofern diese Lebensmittel noch lebende Milchsäurebakterien enthalten, die den Milchzucker selber spalten können. Sie produzieren daraus Milchsäure. Menschen, die eine stärkere Variante des Enzymdefekts haben, können auf Sojaprodukte ausweichen. Außerdem bieten die meisten Supermärkte mittlerweile Laktose-freie Milchprodukte an.
Betroffene sollten auf jeden Fall darauf achten, dass sie die wichtigen Inhaltsstoffe ersetzen, die in Kuhmilch stecken. Diese ist vor allem ein wichtiger Kalziumlieferant. Außerdem liefert sie uns wichtige Proteine. Eine gesunde Ernährung, reich an Fisch, Sojaprodukten und Hülsenfrüchten ist also ratsam. Auch ab und zu mal ein Ei und Fleisch in Maßen. Am besten natürlich kein rotes.
Wenn die Milchzuckerunverträglichkeit nur schwach ausgeprägt ist, dann kann es vorkommen. Betroffene ordnen die Beschwerden dann oft anderen Auslösern zu. Beispielsweise Stress, verdorbenen Speisen, einem Reizdarm oder zu hohem Fruchtzuckerkonsum. Dieser kann nämlich ähnliche Symptome hervorrufen. Viele Ärzte bieten einen Test auf Milchzuckerunverträglichkeit an. Der Proband trinkt eine Laktoselösung und nach kurzer Zeit schon kann der Mediziner mit Hilfe eines Atemtestes feststellen, ob eine Intoleranz vorliegt.
Unsere Expertin:
Dr. Gisela Olias ist Biologin und Ernährungsexpertin. Sie arbeitet am Deutschen Institut für Ernährung Potsdam-Rehbrücke als Leiterin der Pressestelle.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
27.08.2009, aktualisiert am 30.01.2012
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