8 Wahrheiten über Kaffee-Mythen

Macht Kaffee süchtig? Regt ein Espresso die Verdauung an? Experten klären Gesundheits-Fakten über ein Lieblingsgetränk der Deutschen

von Valerie Till, aktualisiert am 23.12.2015

Was stimmt, was stimmt nicht? Um Kaffee ranken sich viele Mythen

Fotolia/coloures Pic

"Ich konnte gestern nicht einschlafen. Schuld daran war sicherlich der Kaffee, den ich abends noch getrunken habe." Diese Vermutung hat wohl jeder schon einmal gehört. Aber kann einen Kaffee wirklich um den Schlaf bringen oder steckt ein anderer Grund hinter den Einschlafproblemen? Handelt es sich bei dieser Aussage um einen Mythos oder um Wahrheit? Kaffee ist neben Bier eines der Lieblingsgetränke der Deutschen. 162 Liter Kaffee wurden im Schnitt im Jahr 2014 hierzulande pro Person getrunken – das sind rund 1000 Kaffeetassen mit einer Größe von je 150 Millilitern. Trotz der großen Kaffeeliebe halten sich hartnäckig Gerüchte und Vorurteile um das schwarze Aufgussgetränk. Angeblich kann es süchtig machen, aber auch bei Kopfschmerzen helfen oder die Verdauung anregen. Unsere Experten klären den Wahrheitsgehalt dieser Mythen.

Mythos Nr. 1: Ein Espresso nach dem Essen regt die Verdauung an

Stimmt nicht. "Wollen Sie noch einen Kaffee oder Espresso zum Abschluss?" Gegen Ende des Essens bietet der Kellner in Restaurants oft ein koffeinhaltiges Getränk an. Denn Koffein wird ein positiver Einfluss auf unsere Verdauung nachgesagt. In Wahrheit ist es etwas komplizierter: "Kaffee kann die Darmaktivität anregen und eine Darmentleerung auslösen", berichtet Professor Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam und Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin an der Berliner Charité. Dass der Kaffee die Verdauung in Gang bringt, also bereits im Magen auf die Nahrung wirkt, ist aber nicht der Fall.


Kaffee und Espresso: Keine Suchtgefahr

Food Centrale Hamburg

Mythos Nr. 2: Kaffee macht süchtig

Stimmt nicht. Für manche gehört der Kaffee wie die Zigarette zum Alltag. Beides konsumiert man regelmäßig, da man das Gefühl hat, es ohne nicht aushalten zu können. Aber ist Koffein ein echtes Suchtmittel – vergleichbar dem Nikotin in der Zigarette? "Kaffee macht definitiv nicht süchtig oder abhängig", sagt Diplomökotrophologin Monika Bischoff, Diätetische Leitung am Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention in München. Die Expertin verweist auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Koffein nicht als süchtig machende Droge eingestuft hat. Drogen sprechen im Gehirn das Belohnungssystem an: Die Nervenzellen schütten vermehrt den Botenstoff Dopamin aus, ein Hochgefühl entsteht. Koffein löst keinen solchen Ablauf aus. "Bei Kaffee-Vieltrinkern tritt ausschließlich ein gewisser Gewöhnungseffekt ein", so Bischoff. Trotzdem, so haben Forscher in Studien herausgefunden, erleben manche Menschen beim Absetzen von Kaffee vorübergehend Symptome, die einem Entzug gleichen. Dazu zählen unter anderem Kopfschmerzen, Müdigkeit, niedergeschlagene Stimmung, zittrige Hände und Blutdruckschwankungen.

Mythos Nr. 3: Kaffee am Abend führt zu Einschlafproblemen

Stimmt teilweise. Auf ihren Morgenkaffee wollen viele Menschen nicht verzichten. Sie brauchen ihn, um wach zu werden. Und das bilden sie sich auch nicht ein: Koffein wirkt anregend auf unseren Körper. Er verdrängt den körpereigenen Botenstoff Adenosin, der dafür sorgt, dass wir müde werden. Raubt uns darum ein Kaffee am späten Nachmittag oder Abend den erholsamen Schlaf? Nicht unbedingt, sagt Ernährungswissenschaftler Pfeiffer. "Eine Vielzahl an Studien weist darauf hin, dass sich die Schlafqualität durch Koffein verschlechtert und sich die Schlafenszeit verkürzt. Allerdings muss das nicht bei allen Menschen der Fall sein. Es gibt auch Frauen und Männer, die nach einem Kaffee besser schlafen können als ohne. Das ist individuell verschieden." Der Grund, warum manche Menschen mit Kaffee sogar besser schlafen, ist jedoch noch nicht genau erforscht. Also am besten ausprobieren und persönlich entscheiden, ob ein Kaffee zur späten Stunde gut tut oder nicht.


Kein Mythos: Kaffee kann bei einigen Menschen das Einschlafen erschweren

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Mythos Nr. 4: Vom Kaffee bekommt man gelbe Zähne

Stimmt. Kaffee, Tee, Rotwein oder dunkle Traubensäfte – wer diese Getränke häufig zu sich nimmt, muss damit rechnen, dass sich seine Zähne mit der Zeit verfärben und eine leicht bräunlich-gelbe Farbe annehmen. "Die Oberfläche der Zähne weist mikroskopisch kleine Rauigkeiten in der Struktur auf. In diesen lagern sich alle möglichen Pigmente aus Nahrungsmitteln ein, so zum Beispiel auch der natürliche Farbstoff aus Kaffee", erklärt Zahnarzt Wolfgang M. Boer aus Euskirchen. "Pauschal kann man sagen: Alles was schwierige Flecken auf der Kleidung hinterlässt, verfärbt auch die Zähne!"

Mythos Nr. 5: Kaffee macht nervös

Stimmt. "Jetzt beruhige dich mal. Hast du zuviel Kaffee getrunken, oder warum bist du so nervös?" Kaffee und Nervosität werden oft in Zusammenhang gebracht. Doch ist wirklich das Koffein Schuld an der inneren Unruhe, die manche Menschen nach ein paar Tassen Kaffee überfällt? Ja, sagt Ernährungsforscher Pfeiffer. "Das Koffein regt den Sympathikus an, der Teil unseres vegetativen Nervensystems ist." Das vegetative Nervensystem, das beispielsweise für lebenswichtige Funktionen wie Atmung und Verdauung zuständig ist, lässt sich nicht bewust steuern. Ein aktiver Sympathikus versetzt den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft: "Durch die Anregung werden vermehrt Stresshormone gebildet und ausgeschüttet. Deswegen kann Kaffee vor allem in hohen Dosen gereizt und nervös machen", sagt Pfeiffer. Ob sich die Zappeligkeit bereits nach drei Tassen oder erst nach sechs Tassen Kaffee zeigt, variiert allerdings von Mensch zu Mensch.

Mythos Nr. 6: Kaffee beeinträchtigt die Manneskraft

Stimmt nicht. Müssen sich Männer um ihre Errektionsfähigkeit sorgen, wenn sie täglich mehrere Tassen Kaffee zu sich nehmen? Oder stimmt die Redewendung "Kaffee macht müde Männer munter" in zweierlei Hinsicht? "Dass Kaffee der männlichen Potenz schaden soll, halte ich für einen Mythos", sagt Pfeiffer. Eine Studie deutete jüngst sogar an, dass Koffein vor Erektionsstörungen schützen könnte. Denn Männer, die pro Tag zwei bis drei Tassen Kaffee (rund 170 bis 375 Milligramm Koffein) tranken, wiesen ein geringeres Risiko auf als Männer, die kein oder sehr wenig (bis sieben Milligramm) Koffein täglich konsumierten.


Kaffeekonsum: Männer müssen sich nicht um ihre Potenz sorgen

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Mythos Nr. 7: Kaffee hilft bei Kopfschmerzen

Stimmt. Bei leichten oder mittelschweren Spannungskopfschmerzen kann eine Tasse Kaffee oder ein Espresso bereits helfen, den Schmerz zu lindern. "Koffein gilt als mildes Schmerzmittel und kann deswegen schmerzlindernd wirken", erklärt Bischoff. Das Koffein wandert mit dem Blut ins Gehirn, erweitert dort verengte Blutgefäße und regt so die Durchblutung an. Das kann zur Linderung von Kopfschmerzen beitragen.

Mythos Nr. 8: Koffein fördert Sodbrennen

Stimmt nicht. Manche Menschen müssen nach einer Tasse Kaffee aufstoßen und verspüren dann ein säuerliches, brennendes Gefühl in der Speiseröhre: Sodbrennen. Liegt das am Koffein? Nein, sagt Ernährungsexpertin Bischoff. "Sodbrennen kann man auch nach einer Tasse entkoffeiniertem Kaffee bekommen. Es gibt keine Studien, die belegen, dass Koffein Sodbrennen fördert." Menschen, bei denen der Kaffee ein brennendes Gefühl hinterlässt, empfiehlt sie folgendes: "In manchen Fällen kann es helfen, auf eine mildere Bohne umzusteigen, den Kaffee mit Milch statt schwarz oder erst nach anstatt vor dem Essen zu trinken. Einfach mal beobachten und sich langsam ran tasten."



Bildnachweis: Fotolia/Innovated, Shotshop/Litte Red Dot, Getty Images/Tetra Images, Food Centrale Hamburg, Fotolia/coloures Pic

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