Warum Erkältungen immer wiederkehren

Jeden Winter rollt eine neue Welle von Schnupfen- und Hustenerregern auf uns zu. Wie wir uns anstecken, wie sich vorbeugen lässt

von Dr. Martina Melzer, 21.01.2015

Hust, prust: Müssen wir niesen, verteilen wir zahlreiche Schnupfenviren

iStock/Uberphotos

Für Schnupfenviren sind wir anscheinend unwiderstehlich. Jedes Jahr liegen wir erneut auf der Nase – mit Husten, Schnupfen, Halsweh und manchmal sogar Fieber. Doch warum werden wir eigentlich immer wieder krank?

Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es eine ganze Reihe von Schnupfenerregern, auf jeden Fall weit über hundert Typen. "Zum anderen verändern Viren ständig ihre Oberfläche", sagt Dr. Lothar Schmittdiel, Allgemeinarzt aus München. Das heißt, für unser Immunsystem sehen die Eindringlinge jeden Winter anders aus. Folglich erkennt es die "alten Bekannten" nicht und muss aufs Neue gegen sie ankämpfen.


Ansteckung über Tröpfchen- und Schmierinfektion

Hinzu kommt, dass wir uns leicht bei anderen Menschen anstecken. Es gibt zwei Wege, auf denen bestimmte Viren besonders effizient von Mensch zu Mensch gelangen. Weg Nummer eins ist die sogenannte Tröpfcheninfektion. Niesen oder husten wir, dann versprühen wir winzige Tröpfchen, in denen sich unzählige Erreger befinden. Wie weit die Tröpfchen durch die Luft schleudern, dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Wer aber direkt neben dem Erkälteten sitzt, hat gute Chancen sich anzustecken.

Weg Nummer zwei verläuft über die Schmierinfektion. Halten wir uns beim Husten die Hand vor den Mund oder putzen die laufende Nase, gelangen die Krankheitserreger auf die Hände. Von dort verteilen sich die Viren auf alles, was wir anschließend anfassen: Türklinken, Kugelschreiber, Telefon, Treppengeländer. Berührt ein anderer Mensch die Gegenstände, kann er sich mit den Viren anstecken. Einmal auf den Händen, befördern wir die Erreger meist unbewusst auf unsere Schleimhäute. Denn anscheinend besitzen wir ständig das Verlangen, unter anderem unsere Nase anzulangen oder uns am Mund anzufassen.

Welchen von diesen beiden Wegen nun Erkältungserreger eher nutzen, lässt sich nicht sicher sagen. Schmittdiel meint aber: "Bei respiratorischen Viren spielt die Tröpfcheninfektion vermutlich die größere Rolle." Dazu zählen zum Beispiel die Auslöser der Grippe, die Influenzaviren. Aber auch Rhinoviren, die zu den typischen Verursachern von Erkältungen gehören und Coronaviren, die unter anderem das schwere akute respiratorische Syndrom (SARS) auslösen.

Vorbeugen durch Hände waschen

Wer nicht ständig erkältet sein will, sollte versuchen, die potenziellen Ansteckungsquellen zu meiden. In Bezug auf die Tröpfcheninfektion ist das zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Sie können lediglich versuchen, sich von den schnupfengeplagten Mitmenschen fernzuhalten. Noch besser wäre: Der Erkältete bleibt daheim und steckt damit keine Kollegen oder andere Menschen an. Für Erkältete gilt: Beim Husten und Niesen nicht die Hand vor den Mund halten, sondern in den Oberarm prusten. So gelangen weniger Viren auf die Hände.

Und falls doch: "Einer Schmierinfektion lässt sich am effektivsten durch häufiges Händewaschen vorbeugen", erklärt Schmittdiel. Mehrmals am Tag gründlich die Hände mit Seife reinigen hilft. Vollgeschnäuzte Taschentücher gehören in den Müll. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Sie Schnupfenviren das Leben schwer machen. Das gelingt, indem Sie reichlich Obst und Gemüse essen und regelmäßig frische Luft schnappen. Beides unterstützt die Immunabwehr. Halten Sie die Füße warm, unterschätzen Sie auch an warmen Wintertagen nicht die kalte Brise im Rücken. Setzen Sie bei Wind und Wetter eine Mütze auf, binden sich einen Schal um den Hals und wärmen die Finger mit Handschuhen. Denn wenn Sie frieren, wird unter anderem die Nasenschleimhaut schlechter durchblutet, was Viren das Eindringen in diese erleichtern soll.

Ebenfalls ungünstig wirkt sich eine trockene Schleimhaut aus. Deshalb genügend trinken – sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht – und, wenn nötig, die Raumluft etwas befeuchten. Gerade im Winter sind Innenräume durch die Heizung oft recht trocken. Laut einer amerikanischen Studie sind Grippeviren in trockener Raumluft länger infektiös als wenn diese feuchter ist. Deshalb regelmäßig Stoßlüften und gegebenenfalls ein feuchtes Handtuch auf die Heizung legen.



Bildnachweis: iStock/Uberphotos

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