Schützt ein Mundschutz vor Erkältung?

Kalte Zeit, Erkältungszeit: In der Fußgängerzone und in der U-Bahn tragen Menschen plötzlich Mundschutz. Was er tatsächlich nützt und was viel besser wirkt

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 09.11.2015

Sicherheitsmaßnahme: Ein Mundschutz soll vor Ansteckung schützen

Imago Stock & People/ITAR-TASS

Während die Lungenseuche SARS grassierte, wirkte manche asiatische Stadt wie ein Hochsicherheitslabor: Viele Bewohner wagten sich nur noch mit Mundschutz vor die Haustür. Sie möchten verhindern, in der Öffentlichkeit Krankheitskeime aufzuschnappen. Auch in Deutschland erhöhte sich der Absatz chirurgischer Masken, als Schweine- und Vogelgrippe ein großes Thema waren.


Mundschutz ist keine Atemmaske

Ob ein Mundschutz allerdings auch außerhalb des Krankenhauses eine Schutzfunktion hat, sehen Hygieneexperten nicht als bewiesen an. Bisher liegen keine aussagekräftigen Studien darüber vor. Zudem sollte eine Maske, wie Chirurgen sie im OP-Saal tragen, auch nicht als Atemschutzmaske gesehen werden, weil Luft seitlich an ihr vorbei strömen könne, erklärt Dr. Ernst Tabori, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin: "Den Mundschutz kann man damit vergleichen, sich ein Küchenrollentuch vors Gesicht zu binden."

Zwei positive Effekte sind allerdings denkbar: Wer selbst erkältet ist und seine Umgebung nicht mit Keimen belasten will, kann mit einem Mundschutz zumindest einen Teil der Krankheitserreger abfangen. Speicheltröpfchen, die beim Niesen oder Sprechen versprüht werden, bleiben zu einem großen Teil in der Maske hängen. "Noch sicherer geht ein Erkälteter, wenn er ab den ersten Krankheitsanzeichen zu Hause bleibt und Menschenmengen bewusst meidet", sagt Tabori.

Schutz gegen versehentliche Berührungen

Außerdem kann die Maske das eigene Hygieneverhalten günstig beeinflussen: Viele Infektionen mit grippalen Erregern entstehen, weil Menschen sich unbewusst mit verunreinigten Händen ins Gesicht fassen. "Untersuchungen zeigen, dass jeder Mensch durchschnittlich 300 Mal am Tag Nase und Mund berührt", sagt Professor Mathias Pletz, Infektiologe an der Universitätsklinik Jena. Ein Mundschutz kann den direkten Kontakt verhindern. "Gerade für Patienten mit einem schwachen Immunsystem, zum Beispiel nach einer Organtransplantation oder während einer Chemotherapie, kann ein Mundschutz deshalb sinnvoll sein", sagt Pletz. Allerdings sollte er regelmäßig durch einen neuen ersetzt werden, damit er nicht selbst zum Keimreservoir wird.


Im OP-Saal ist der Mundschutz Grundausstattung

Chirurgen tragen Masken als Spritzschutz, der Feuchtigkeit und Speicheltröpfchen zurückhält. Zum einen gelangen die Keime des Arztes nicht so leicht in die Umgebung. Aber auch für den Chirurgen selbst stellt die Maske einen gewissen Schutz dar: Durch den Eingriff verursachte Blut- und Gewebespritzer können nicht den Mund oder die Nase des Operateurs treffen. Die empfindlichen Schleimhäute werden also von Keimen abgeschirmt. Bei hoch ansteckenden Patienten tragen die Ärzte oft zusätzlich Schutzbrillen oder Visiere als Gesichtsschutz, damit keine Spritzer in die Augen gelangen.


Wesentlich effektiver als ein Mundschutz ist, sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen. Das zeigt eine US-Studie an Collegestudenten: Indem sie die Hände abklatschten, wurde die Bakterienbelastung gemessen. Die Studenten, die viele Bakterien an den Händen hatten, also die Hygiene vernachlässigten, erkrankten auch deutlich öfter am Grippevirus.

Hygiene und Impfungen sind effektiver

Schwere Grippewellen werden durch Influenza-Viren ausgelöst. Ein bewährtes Mittel dagegen ist die jährliche Grippeschutzimpfung. Jedes Jahr stellen Impfexperten gegen die jeweils wichtigsten Formen einen neuen Impfstoff zusammen. "In neun von zehn Fällen trifft er die richtigen Virenstämme und kann eine Grippe verhindern", sagt Umweltmediziner Tabori. Mit einem kleinen Pieks.

Seiner Meinung nach sollten sich gerade Kinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen und ältere Menschen zusätzlich gegen Pneumokokken impfen lassen, die besonders nach grippalen Infekten schwere Lungenentzündungen verursachen können. Diese Impfung ist nicht jedes Jahr nötig. "Vorbeugen ist besser und effizienter, als sich später mit der Behandlung der Erkrankung herumschlagen zu müssen", sagt Tabori.

Geimpfte schützen auch ihre Mitmenschen

Infektiologe Pletz weist auf einen weiteren Aspekt hin: "Gegen Grippe geimpfte Menschen schützen auch ihre Familienmitglieder." Ohne Impfung könnten sie Grippekeime übertragen, sogar wenn sie selbst keine Krankheitsanzeichen bemerken. "Besonders das medizinische Personal sollte sich impfen lassen, weil junge fitte Menschen leicht zu symptomlosen Überträgern werden", sagt Pletz.



Bildnachweis: Imago Stock & People/ITAR-TASS

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