Richtig Nase putzen bei Schnupfen

Schnäuzen oder hochziehen? Manche Mediziner erachten Schnäuzen als etwas gefährlicher für die Nebenhöhlen. Aber stimmt das? Und welches Taschentuch ist das beste?

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 05.02.2016

Schniefen: Etwas unschickliche Methode, um Schleim aus der Nase zu bekommen

Plainpicture/Fotofred

Der Winter ist die Hochsaison für Taschentücher: Erkältung, Schnupfen, die Nase läuft. Da bleibt nur eines, der Schleim muss weg. Wer kein Taschentuch zur Hand hat, zieht das Sekret in die Nase hoch. Einige Mediziner empfehlen das sogar, obwohl es nicht ganz den Umgangsformen entspricht. Ihre Begründung: Schnäuzen sei schädlicher als Hochziehen, denn dabei würden Schleim und Keime in die Nasennebenhöhlen gedrückt. Damit steige das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung, und diese verläuft nicht immer ganz so harmlos wie ein normaler Schnupfen.

Professor Jörg Lindemann ist Oberarzt an der Ulmer Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Er hat Studien gemacht, die mit Strömungsmodellen die Abläufe beim Niesen und Schnäuzen nachbilden. Er hält das Argument mit den Nebenhöhlen für nicht ganz schlagkräftig. 


Schnäuzen nicht Auslöser der Entzündung

"Die Nasennebenhöhlen, die sich ja zentral in der Nase befinden, sind in der Regel mit entzündet," sagt Lindemann, wenn jemand an einer akuten Erkältung leidet. Betroffene haben also ohnehin eine sogenannte Sinusitis. Verschleppt das Schnäuzen ein paar Keime in die Nebenhöhlen, ist das nicht der Auslöser der Entzündung.


Professor Jörg Lindemann, Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Schnupfenforscher

Uniklinik Ulm

Für Schnäuzen statt Schniefen spricht auch Folgendes: Wie beim Niesen entsteht beim Prusten ins Taschentuch ein Luftwirbel im Rachen. Er verhindert, dass Keime in die tieferen Luftwege, die Luftröhre und die Bronchien, gelangen. Wer den Schleim hochzieht, befördert ihn dagegen von der Nase in den Rachen – und schluckt ihn am Ende, wobei unter Umständen Keime in die Atemwege befördert werden könnten. Im schlimmsten Fall entwickelt sich dann eine Bronchitis. Die weitaus meisten Erreger landen beim Hochziehen und Schlucken jedoch im Magen. Das ist vollkommen unschädlich, denn die Magensäure zersetzt die Krankmacher zuverlässig.

Ein Nasenloch zuhalten

In der Abwägung der Vor- und Nachteile von Schnäuzen und Hochziehen rät Lindemann, aufgrund seiner Forschungsergebnisse zum Taschentuchgebrauch. Wichtig sei vor allem, nicht heftig zu schnauben, sondern sanft die Nase zu putzen. Am besten entschleimen Schnupfenkranke beiden Seiten getrennt. Der Grund: Oft ist ein Nasenloch stärker zugeschwollen als das andere. Schnäuzt man gleichzeitig, wird die verstopfte Seite schlechter gereinigt. Also ist es besser, ein Loch zuhalten, während man das andere durchbläst.

Aus hygienischen Gründen sollten Erkältete Papiertaschentücher verwenden, diese jeweils nur einmal benutzen und sofort in den Mülleimer werfen. Das reduziert das Risiko, Krankheitserreger zu verbreiten und andere anzuzustecken. Immer gelangen beim Schnäuzen leicht Keime die Finger. "Waschen Sie sich deshalb anschließend am besten gründlich die Hände, bevor Sie andere Sachen anfassen oder jemandem die Hand geben," rät Lindemann.

Einfache Taschentuchwahl

Ein häufiges Problem beim Schnäuzen: Irgendwann wird die Nase wund. Das liegt aber weniger an den Taschentüchern, als an äußeren Umständen. An starkem Rubbeln nach dem Schnäuzen etwa. Die mechanische Belastung macht der Haut zu schaffen. "Gerade beim Aufenthalt draußen bei Kälte kann sie leicht ein Problem werden", erläutert Lindemann. Denn bei niedrigen Temperaturen ist die Haut trockener. Etwas vorbeugen kann man, indem man die Nase nur abtupft statt abreibt. Auch ein Klecks Creme auf die  gefährdeten Stellen ist gut.

Unnötig sind Taschentücher mit Menthol. Das Gefühl, die Nase sei dem Gebrauch freier, ist nur subjektiv. Das ätherische Öl reizt Kälterezeptoren in der Nase. Das erzeugt im Gehirn nur den Eindruck, die Nasenschleimhaut habe sich abgekühlt.

Die schonende Art, Schleim loszuwerden

Hals-, Nasen-, Ohrenarzt Lindemann hat noch eine Alternative zu Taschentüchern: Nasenduschen. Sie reinigen schonend. "Bakterien und Viren wäscht die Nasenspülung fort, und auch der Schleim wird abtransportiert", sagt der Experte. Sie eignet sich, wenn die Nase nicht komplett verstopft ist und der Schnupfengeplagte sie verträgt. Manch einer nutzt die Nasendusche im Winter auch in der Absicht, Infekten vorzubeugen. Studien zufolge sind Anwender möglicherweise weniger von Erkältungen geplagt.


So klappt die Nasenspülung


Bildnachweis: Uniklinik Ulm, Plainpicture/Fotofred

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