Profi-Tipps gegen Heiserkeit

Erkältungen, Überbeanspruchung der Stimme oder Probleme mit der Magensäure: Heiserkeit kann viele Ursachen haben. Zwei Stimm-Profis erklären, was hilft

von Ute Essig, aktualisiert am 29.03.2016

Im Zweifelsfall bei Heiserkeit: Stimme schonen

Fotolia/Rynio Fotoproductions

Zu Dr. Thomas Bitter kommen die Menschen meist, wenn sich ihre Stimme auf ein Krächzen reduziert hat. Oder wenn sie überhaupt kein Wort mehr herausbringen. Der Arzt an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Universität Jena versucht dann, durch eine Kehlkopfspiegelung die Ursache für die Heiserkeit zu klären. "Das Spektrum reicht von einer normalen Erkältung oder dem falschen Einsatz der Stimme über den Rückfluss von Magensäure bis hin zu einem Tumor."

Heiserkeittipp: Die Stimme schonen

Bei Patienten mit einem Infekt sieht der Mediziner gerötete und verdickte Schleimhäute auf den Stimmbändern im Kehlkopf. Diese Veränderungen beeinträchtigen deren Schwingverhalten, sodass sie keine klaren Töne mehr erzeugen und die Stimme heiser klingt. Einige Tage Schonung bringen meist eine deutliche Ver­besserung. "Also wenig und leise sprechen", empfiehlt Thomas Bitter. Wohltuend sei außerdem feuchte Wärme – zum Beispiel durch Inhalationen –, weil sie die Regeneration der Schleimhäute beschleunigt. Auf keinen Fall sollte man flüstern, denn das spannt die Stimmlippen stark an – und verhindert die für die Ton­erzeugung nötigen sanften Schwingungen.

Bei Menschen, die in Sprechberufen arbeiten oder die im Job viel reden müssen – wie Lehrer oder Verkäufer –, können die Stimmlippen zudem durch Überlastung angespannt sein. In diesen Fällen helfen spezielle logopädische Techniken. Zwei Profis aus Sprechberufen verraten Ihnen, wie sie bei Stimme bleiben und was ihnen bei Heiserkeit hilft.


Martin Pfisterer ist Sprechtrainer und Schauspieler

W&B/Ulrike Frömel

Tipps gegen Heiserkeit von Martin Pfisterer (59), Schauspieler und Sprechtrainer

Zu leise oder zu laut? Zu monoton oder zu auf­geregt? Martin Pfisterer unterrichtet (angehende) Schauspieler und Menschen, die präsentieren müssen. "Eine Überlastung der Stimme resultiert meiner Ansicht nach oft aus einer Überlastung der Persönlichkeit", meint der Schauspieler und Sprechtrainer aus München.

Anspannung und falsche Atmung führen dazu, dass nur der Kehlkopfbereich stimmlich genutzt wird, hat Pfisterer beobachtet. Sein Gegenmittel: Entspannungstechniken, Bauch- und Becken­atmung. "Ich leite an, mehr in die Tiefe zu sprechen und sich den Bauchnabel als Mund vorzustellen." Die Stimme klinge dann freier und klarer.

Auch bei einem Schnupfen und nasaler Erkältungsstimme rät er seinen Schülern, stärker aus dem Bauch heraus und nach unten zu sprechen. "Ich kann die Stimme im Bauch klingen lassen, denn da bin ich ja nicht erkältet." Bei entzündeten Stimmbändern allerdings "sollte man super­vorsichtig sein. Wohltuend sind dann Honig, Pastillen und warme Getränke."


Jeschi Paul ist Chorleiterin und selbst Sängerin

W&B/Wolfram Scheible

Tipps von Jeschi Paul (52), Sängerin und Chorleiterin

Klassische Konzerte, Chansons, Jazz: Jeschi Pauls Stimme ist vielseitig – und wird oft gefordert. Mindestens drei Auftritte pro Woche stehen im Terminkalender, dazu Proben mit mehreren Chören und Vorträge als Dozentin an der Musikschule für Jazz- und Popgesang. Die Sängerin und Chorlei­terin verlangt ihrer Stimme viel ab.

Überlastet ist sie damit keineswegs. "Eine gute Sängerin kann jeden Tag ein Konzert geben, ohne damit Raubbau an ihrer Stimme zu treiben." Deshalb singt Jeschi Paul mit Körpereinsatz und wendet stützende Gesangs- und Atemtechniken an. So stabilisiert sie zum Beispiel das Zwerchfell durch Anspannung der Bauchmuskulatur ­aktiv von innen und weitet dadurch den Bauchraum maximal. Dies ­verleiht ihrer Stimme Leichtigkeit – und Flügel. Problemlos kann sie so auch höhere Töne längere Zeit halten.

Ist eine Erkältung mit Halsschmerzen im Anzug, schwört Jeschi Paul auf Gurgeln mit Salzlösung oder Salbeisud sowie Nasen­duschen. "Und viel trinken." Auch Ingwertee und -bonbons tun ihr gut. Räuspern versucht sie zu vermeiden, um den Stimmapparat nicht weiter zu strapazieren. "Wenn ich aber so erkältet bin, dass ich keinen Ton mehr erzeugen kann, ist Schweigen angesagt."


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