Husten: Die besten Hausmittel

Inhalieren, Zwiebeln, Honig – die Liste alter Hausmittel gegen Husten ist lang. Was wirklich zur Genesung beiträgt und was Sie bei der Anwendung beachten sollten

von Ulrich Kraft, aktualisiert am 02.11.2016

Altbewährt: Viele schwören auf Zwiebeln und Honig bei Husten

Fotolia/Heike Rau

Dass ihre Wirksamkeit in wissenschaftlichen Untersuchungen oft nicht zweifelsfrei belegt ist, haben viele Hausmittel gegen Husten gemeinsam. Hans-Michael Mühlenfeld vom Deutschen Hausärzteverband empfiehlt sie seinen Patienten trotzdem "weil sie vielen Betroffenen doch zu helfen scheinen", und sei es nur subjektiv. Der Allgemeinmediziner aus Bremen betont, dass Husten keine Krankheit ist, sondern eine "sinnvolle Reaktion, um wieder gesund zu werden." Denn dieser natürliche Reflex dient dem Körper dazu, Krankheitserreger schnellstmöglich aus den Atemwegen zu entfernen. "Hausmittel können es dem Organismus erleichtern, mit dem Husten umzugehen", sagt Mühlenfeld.

Inhalieren gegen Hustenreiz und Schleim

Seine häufigste Empfehlung an hustengeplagte Erkältungsopfer ist: Inhalieren. Heißes Wasser in einen Inhalator mit Mund-und Nasen-Aufsatz füllen, dann immer wieder ruhig und tief ein- und ausatmen – und die Inhalation am besten alle drei Stunden wiederholen. Wer keinen Inhalator hat, kann auch klassisch Schüssel samt Handtuch verwenden – dann ist allerdings Vorsicht geboten wegen der Verbrühungsgefahr. Deshalb das heiße Gebräu von Kindern fernhalten und erst den Kopf darüber senken, wenn es etwas abgekühlt ist.

Eine Inhalation mit einem Salbei-Aufguss hat neben dem befeuchtenden auch einen beruhigenden Effekt auf die gereizten Schleimhäute. "Salbei wirkt wie eine Salbe und lindert so den Hustenreiz", erläutert Mühlenfeld. Das ist vor allem bei trockenem Husten hilfreich. Geht der Husten mit Auswurf einher, wird er also "produktiv", dann tragen Inhalationen mit heißem Wasser dazu bei, den zähen Schleim zu verflüssigen.


Am besten einen Inhalator mit Mund-Nasen-Aufsatz verwenden

W&B/Bernhard Limberger

Ätherische Öle wie Menthol empfiehlt der Allgemeinmediziner eher bei Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündungen. Sie können aber auch helfen, bei Husten den festsitzenden Schleim in den Atemwegen zu lösen. Wichtig: Kleine Kinder dürfen nicht mit mentholhaltigen und ähnlich stark riechenden Substanzen inhalieren, weil sie einen Atemstillstand auslösen können. Auch für Asthmatiker kann ätherisches Öl problematisch sein. Im Zweifelsfall ist es ratsam, den Arzt zu fragen, was man verwenden darf.

Zwiebelsaft und Honig beruhigen die Bronchien

Zu den ältesten Hausmitteln gegen Husten zählt Zwiebelsaft mit Kandiszucker. Der ist schnell zubereitet. Einfach eine Küchenzwiebel in Würfel schneiden und mit Kandiszucker bei schwacher Hitze aufkochen. Das Ganze eine Weile stehen lassen, den Sud durch ein Tuch oder einen Kaffeefilter sieben und dann teelöffelweise einnehmen. Wer den selbst gemachten Hustensaft hinunterbekommt, darf auf Linderung hoffen. Denn in Zwiebeln stecken ätherisches Öl, schwefelhaltige Verbindungen und Flavonoide, die in Kombination keimabtötend und leicht antientzündlich wirken. "Das beruhigt die Bronchien und lindert den Hustenreiz", sagt Mühlenfeld.

Alternativ können die Zwiebeln auch mit Honig verrührt und der dabei entstehende Sirup dann gelöffelt werden. Die Wirksamkeit des Bienenprodukts haben Forscher in Studien untersucht: So litten Kinder, die abends einen Teelöffel Eukalyptus- oder Zitronenhonig bekamen, nachts seltener unter Hustenattacken als die zum Vergleich herangezogenen kleinen Probanden, die sich mit einem honigähnlichen Placebo begnügen mussten. Experte Mühlenfeld betrachtet solche Ergebnisse zwar mit einer gewissen Vorsicht. Doch auch seine Erfahrungen als Hausarzt sprechen dafür, dass Honig den Hustenreiz mildern kann. Allerdings eignet sich dieses Hausmittel nur für Kinder, die älter als ein Jahr sind. Bei Babys besteht die Gefahr, dass Bakterien, die aus der Umwelt in Bienenhonig gelangt sein können, eine lebensbedrohliche Erkrankung auslösen – den sogenannten Säuglingsbotulismus.


Wichtigstes Hausmittel: Viel trinken

Zu den Klassikern unter Omas Rezepten gehört auch der Hustentee. Er kann Heilpflanzen enthalten, die eher den Schleim lösen und das Abhusten erleichtern sollen – zum Beispiel Thymian, Anis und Schlüsselblume. Oder aber er wird mit Kräutern versetzt, denen vor allem hustenreizlindernde Eigenschaften zugeschrieben werden, wie Eibisch, Spitzwegerich oder Efeu. Außerdem hilft eine große Kanne Hustentee schon allein deshalb, weil sie dazu beiträgt, dass der Patient ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. "Viel trinken ist wohl das wichtigste Hausmittel bei Husten", sagt Mühlenfeld. Es wirkt der Austrocknung der Schleimhäute entgegen und fördert die Verflüssigung des Schleims in den Atemwegen. Wer auf seine Trinkmenge achten muss, etwa weil er nieren- oder herzkrank ist, sollte das passende Maß mit dem Arzt absprechen.

Kartoffelwickel hilfreich?

Manche Hustengeplagte schwören auf warme Kartoffelwickel. Dazu werden vier bis sechs mittelgroße Kartoffeln weich gekocht, in ein Geschirrtuch gelegt und zerdrückt. Hat sich der Wickel soweit abgekühlt, dass keine Verbrennungsgefahr besteht, kommt er auf die Brust und bleibt dort, bis er erkaltet ist. Was das abgesehen von dem wohltuenden Wärmeeffekt bringt? Der Bremer Arzt zuckt mit den Schultern. Ob Kartoffelwickel oder das Familienrezept für den Kräutertee: "Hat jemand mit einem Hausmittel gute Erfahrungen gemacht, dann sollte er es verwenden", so sein Tipp. Denn allein der Glaube, dass es nützt, kann schon dafür sorgen, dass der Patient sich besser fühlt – Stichwort Placebo-Effekt. Gleiches gilt, wenn jemand anderes den Tee kocht, den Zwiebelsaft ansetzt oder auch nur seine Rezepte gegen Husten empfiehlt. "Dass man Zuwendung bekommt, sich jemand um einen kümmert, trägt zum Wohlbefinden des Kranken bei", sagt Mühlenfeld.

Wichtig: Wenn zum Husten Fieber kommt oder wenn der Husten nach einer Woche nicht allmählich abklingt, dann ist es ratsam, zum Arzt zu gehen.



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