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Erkältungen richtig behandeln

So lindern Sie die lästigen Symptome eines grippalen Infekts. Noch besser: Vorbeugen und es gar nicht so weit kommen lassen


Schlechtes Wetter? Gibt es nicht - nur falsche Kleidung

“Raus an die frische Luft! Sport treiben, viel Obst und Gemüse essen! Und nicht rauchen!“ So fasst Ursula Funke, Apothekerin in Wiesbaden und Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Hessen, ihre Tipps zusammen, mit denen wir einer Erkältung vorbeugen können. „Wer sich zusätzlich etwas Gutes tun will, kann Präparate mit Vitamin C, Zink und Selen nehmen.“ Für mindestens genauso wichtig wie eine gesunde Lebensführung hält sie regelmäßiges Händewaschen: „Überall, wo viele Menschen zusammenkommen, wo gehustet und geniest wird, lauern die Erreger auf Türklinken und anderen Gegenständen.“

„Zum Thema Vorbeugen gibt es wesentlich weniger wissenschaftliche Erkenntnisse, als die meisten denken“, bedauert Attila Altiner, Professor am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Rostock. Seiner Ansicht nach solle man die Möglichkeiten zur Vorbeugung nicht überbewerten: „Jeder Gesunde, der sich nicht gerade in Quarantäne befindet, bekommt ab und zu eine Erkältung. Das begleitet den Menschen vermutlich seit Anbeginn seiner Geschichte. Evolution verläuft immer gemeinsam mit Krankheitserregern und den entsprechenden Wirten.“ Wenn jemand in den vergangenen zwei Jahren keine Erkältung bekam, hatte er einfach Glück. Und wenn einer dauernd Husten, Schnupfen oder Fieber hat, bedeutet das noch lange nicht zwingend, dass seine Abwehrkräfte geschwächt sind.



Husten-Helfer: Efeu verflüssigt den Schleim und wirkt leicht krampflösend

Ganz zu Unrecht steckt in dem Wort „Erkältung“ die „Kälte“ jedoch nicht. Der Allgemeinmediziner zitiert eine Studie, in der die Teilnehmer in einem abgeschiedenen Hotel einquartiert wurden. Bei der Hälfte der Versuchspersonen, die sich zuvor kalte Füße geholt hatten, war das Schnupfenrisiko leicht erhöht. Apothekerin Funke erinnert das an den bekannten Spruch: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.“

Auch in puncto Hygiene stimmt Altiner der Apothekerin zu: Gründliches Händewaschen kann vor einer Infektion schützen. Wer sich bereits angesteckt hat, sollte nicht die Hand vor Mund und Nase halten, sondern in die Ellenbeuge husten oder niesen. Von übertriebenen Schutzmaßnahmen hält er jedoch nichts: „Atemmasken, wie wir sie in Japan häufig in den U-Bahnen sehen, bringen sehr wenig.“ Desinfektionssprays anzuwenden ist ebenfalls nicht sinnvoll.

Den einen typischen grippalen Infekt gibt es übrigens gar nicht. Die Reihenfolge und die Heftigkeit, mit der die Symptome – Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Heiserkeit, Fieber – auftreten, variieren von Mensch zu Mensch und von Mal zu Mal. Auslöser können eine ganze Reihe unterschiedlicher Erreger sein. „Da es sich jedoch meistens um Viren handelt, kommt eine Behandlung mit Antibiotika nicht infrage“, betont Altiner. „Diese wirken nur bei bakteriellen Infektionen.“



Leichter atmen: Eukalyptus hilft, die Atemwege freizubekommen

Abwarten, entspannen, schonen

Aber was hilft dann? Der Allgemeinmediziner rät, die Ruhe zu bewahren und abzuwarten. „Bleiben Sie entspannt, eine Erkältung vergeht ganz von allein wieder. Hören Sie auf Ihren Körper, und schonen Sie sich an den zwei, drei Tagen, an denen es Ihnen besonders schlecht geht. Natürlich sollten Sie keinen Hochleistungssport treiben; aber wer nicht gerade Fieber hat, muss sich auch keine Woche ins Bett legen.“

Um die Symptome zu lindern, empfehlen sich bei Husten pflanzliche Mittel wie Efeu, Thymian, Primel und Kapland-Pelargonie, dazu Myrtol oder Cineol. Apothekerin Funke erläutert: „Sie verflüssigen als Teezubereitung, in Tropfen oder in Saft den Schleim und wirken leicht krampflösend.“ Synthetische Wirkstoffe hemmen den Hustenreiz (zum Beispiel Dextromethorphan) oder erleichtern das Abhusten (Acetylcystein, Ambroxol).

Auch bei Schnupfen gilt es, den Schleim zu verflüssigen. Hervorragend gelingt das mit Eukalyptus – als Tee oder Einreibung, in Tropfen und Kapseln. Gut sind Nasensprays mit Salzwasser, Dexpanthenol, Kochsalz und natürlichem Salz. „Abschwellende Tropfen und Sprays machen die Nase frei. Man sollte sie aber nicht länger als fünf Tage anwenden“, warnt Funke.

Gegen Halsschmerzen haben sich neben Salbei auch Isländisch Moos, Eibischwurzel und Spitzwegerichkraut bewährt. Die Wiesbadener Apothekerin: „Schleimdrogen legen einen Schutzfilm über die Rachenschleimhaut.“ Bei dickem oder eitrigem Auswurf rät die Apothekerin, einen Arzt aufzusuchen.

Wichtig: Schleimhäute befeuchten

Bei Heiserkeit gilt es, die Stimme zu schonen. „Sie sollten weder mit aller Gewalt zu sprechen versuchen, noch sollten Sie flüstern“, empfiehlt Funke. Wichtig sei es, die Schleimhäute zu befeuchten. Halstabletten mit Isländisch Moos und Salbeibonbons haben sich bewährt. Gegen trockene Luft im Schlafzimmer hilft es, ein nasses Handtuch auf die Heizung zu hängen.

Bei Fieber können schweißtreibende Tees, etwa mit Lindenblüten, wohltuend wirken. Apothekerin Funke und Allgemeinmediziner Altiner warnen: Rasch ansteigendes hohes Fieber deutet auf eine Influenza – eine echte Grippe – hin. Dann heißt es: sofort zum Arzt!

Unterstützend empfiehlt Funke erkälteten Kunden, die nach Homöopathika fragen, Kombinationspräparate mit Blauem Eisenhut, Wasserdost, Zaunrübe und Krausem Ampfer.



Ullrich Jackus / Apotheken Umschau; 15.02.2011, aktualisiert am 29.09.2011
Bildnachweis: W&B/Annette Falck, Flora Press Agency GmbH/Emotive Images, Jump Fotoagentur/Martina Sandkuehler

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