Draußen herrscht tristes Grau, drinnen plagen sich die ersten mit verstopfter Nase, Husten und Kopfschmerzen: Das nasskalte Herbstwetter schlägt vielen Menschen aufs Gemüt – und die Gesundheit. Ob es sich dabei nur um eine dicke Erkältung handelt, oder die Grippe den Patienten heimgesucht hat, kann nur der Arzt mit Sicherheit sagen. "Denn die Symptome von grippalem Infekt und Influenza lassen sich nur schwer voneinander abgrenzen", sagt Dr. Uwe Popert, Facharzt für Allgemeinmedizin und Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der Universität Göttingen.
Herr Popert, wie äußert sich eine Erkältung?
Typisch für eine Erkältung sind vor allem Infekte der oberen Atemwege, also Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit. Aber auch Kopf- und Gliederschmerzen oder eine erhöhte Temperatur sind keine Seltenheit. Wir Medizinier sprechen anstatt von einer Erkältung allerdings lieber von einem grippalen Infekt. Denn anders als von den meisten Menschen angenommen, sind beispielsweise Frösteln oder kalte Füße nicht unbedingt der Auslöser, sondern möglicherweise nur die ersten Anzeichen einer Temperaturveränderung des Körpers. Ursache für die Infekte ist meistens eine Infektion mit Viren. Bakterielle Infekte können genau so aussehen, verlaufen aber oft schwerer als virale. Aber leider kann man nicht von den Symptomen, beispielsweise der Farbe des Nasensekrets auf den Erreger schließen: Die häufig geäußerte Vermutung etwa, dass "grüner Schnupfen" mit Antibiotika behandelt werden muss, stimmt nicht.
Und wie macht sich eine echte Grippe bemerkbar?
Weniger mit Schnupfen, dafür aber mit Halsschmerzen und trockenem Husten. Außerdem beginnt eine Influenza typischerweise sehr plötzlich: Innerhalb von ein bis drei Stunden kommt es bei den Betroffenen zu hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl. Das Schwierige jedoch ist, dass dieser typische Verlauf nur bei einigen auftritt. Im letzten Winter hatten etwa die Hälfte aller Europäer die "Schweinegrippe" – die meisten haben davon allerdings kaum etwas gemerkt.
Wann sollte man besser einen Arzt aufsuchen?
Ich empfehle grundsätzlich zum Arzt zu gehen, wenn man sich sehr krank und beeinträchtigt fühlt, etwa bei nicht nachlassenden starken Kopfschmerzen, starkem Husten, Atemnot oder hohem Fieber, das bereits seit mehreren Tagen anhält. Denn auch ein banaler Infekt kann sich unter Umständen zu Asthma oder einer Lungenentzündung auswachsen. Man muss aber nicht gleich beim ersten Anzeichen ins Wartezimmer: Die meisten Arbeitgeber fordern eine Krankmeldung erst ab dem dritten Werktag.
Kann man sich gegen Erkältung und Grippe wappnen?
Am allerwichtigsten zur Vorbeugung gegen Infekte ist genügend Schlaf! Auch regelmäßiger Sport und Saunagänge stärken die Abwehrkräfte. Und: Menschen über 60 und chronisch Kranke sollten sich gegen Influenza impfen lassen – und zwar am besten bis Ende November, denn die echte Grippe (Influenza) tritt vor allem von Mitte Dezember bis Mitte Februar auf.
Und wenn die Erkältung bereits im Anmarsch ist?
Bei beginnenden Infekten hilft es, sich warm anzuziehen, damit man nicht auskühlt. Der Körper kann sich bei einer höheren Temperatur nämlich viel besser gegen die Viren zur Wehr setzen. Gliederschmerzen lassen sich mit Paracetamol oder Acetylsalicylsäure lindern – sofern nichts gegen die Einnahme spricht. Eine heiße Badewanne hat jedoch meist den gleichen Effekt. Danach am besten ab ins Bett und auskurieren.
Nach dem akuten Verlauf eines grippalen Infekts oder einer Influenza fühlen sich viele Betroffene noch wochenlang müde und schlapp. Deshalb: so wichtig Bewegung auch ist – echter Leistungssport ist in dieser Erholungsphase nicht sinnvoll.
Und noch ein kleiner Trost für alle, die es bereits erwischt hat: das Immunsystem wird durch einen grippalen Infekt stimuliert und gestärkt.
Vanessa von Blumenstein-Langer / www.apotheken-umschau.de;
21.10.2010, aktualisiert am 03.05.2011
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