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Was zu Impotenz führen kann

Eine erektile Dysfunktion kann auch ein Anzeichen für ernste Erkrankungen wie Arteriosklerose sein


Frust im Bett? Dahinter kann unter Umständen eine Durchblutungsstörung stecken

Zunächst ist die Situation vor allem peinlich, wenn Mann im Bett nicht so kann, wie er möchte. Potenzstörungen irritieren das männliche Selbstbewusstsein empfindlich – und das weibliche häufig gleich mit, denn nicht selten beziehen Frauen die sexuelle Flaute auf sich. Gut, dass es heute zahlreiche Möglichkeiten gibt, dem Liebesleben im medizinischen Bedarfsfall auf die Sprünge zu helfen.

Ernst bleibt die Angelegenheit dennoch, denn die „erektile Dysfunktion“ kann ein Alarmzeichen für andere, schwerwiegende Erkrankungen sein, beispielsweise Diabetes oder Arteriosklerose – und diese können durchaus lebensbedrohlich werden. Untersuchungen haben belegt, dass Patienten mit Potenzschwäche ein erhöhtes Risiko aufweisen, in den nächsten Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.


Die Ursache dafür liegt auf der Hand: Vor allem bei älteren Männern stecken häufig Durchblutungsstörungen hinter der schwindenden Standfestigkeit. Sind die Beckenarterien durch Arteriosklerose verengt, kommt eine ausreichende Erektion nicht mehr zustande. Da die Gefäßverkalkung aber den ganzen Körper betrifft, sieht es früher oder später bei den Herzkranz- oder Hirngefäßen ähnlich kritisch aus. „Ist ein solches Problem bei auftretender Impotenz noch nicht bekannt, sollte stets danach geschaut werden“, empfiehlt der Urologe Dr. Steffen Schwalbe, der am Universitätsklinikum Leipzig eine Spezialsprechstunde für erektile Dysfunktion leitet.

Auch Nervenleiden, Hormon- oder Stoffwechselstörungen beeinträchtigen die Erektionsfähigkeit, können sich also in schwindender Potenz äußern. So schädigen hohe Blutzuckerwerte die vegetativen Nerven, welche die Sexualfunktionen steuern. Diabetes macht sich mitunter erst durch derartige Folgeprobleme bemerkbar, da die Zuckerkrankheit oft schleichend einsetzt und dadurch lange unerkannt bleibt.

Alkohol setzt den Nerven ebenfalls zu und kippt das hormonelle Gleichgewicht, indem er die Leber zerstört. Potenzstörungen sind somit auch eine typische Folge chronischen Alkoholmissbrauchs. Zahlreiche Medikamente und – nicht zuletzt – das Alter können die Manneskraft ebenfalls mindern, denn die Spiegel der Sexualhormone im Blut sinken mit der Zeit.

Noch vor ungefähr 20 Jahren galten Potenzstörungen als überwiegend psychisch bedingt. Eine Sichtweise, die sich mittlerweile komplett umgekehrt hat. „Zumindest bei Männern über 45 Jahren stecken sehr häufig organische Ursachen dahinter“, berichtet Steffen Schwalbe. Doch psychische Faktoren spielen meist eine wichtige Nebenrolle, denn die Erektion unterliegt einem komplizierten und zudem nicht willentlich beeinflussbaren Mechanismus. Versagensängste erschweren die Symptomatik und können sich sogar verselbstständigen. „Das Augenmerk sollte zunächst aber immer auf möglichen körperlichen Ursachen liegen, um deren Konsequenzen abzuwehren“, sagt Schwalbe.

Bei jungen Männern allerdings kommen chronische Grunderkrankungen weitaus seltener als Ursache infrage. Ihnen spielt tatsächlich vor allem die Psyche einen Streich: Unerfahrenheit, negative Erlebnisse oder extreme Erwartungen an den Geschlechtsakt und die eigene Leistungsfähigkeit lassen Druck aufkommen, der die nötige Entspanntheit unmöglich macht.

Ein Problem immerhin, das mit den Jahren kleiner wird. Zwar bleibt reifen Herren das Bedürfnis nach Sexualität durchaus erhalten, doch definieren sie sich nicht mehr so stark über ihre Potenz, wie der Urologe Steffen Schwalbe berichtet: „Ältere Männer setzen sich nicht so schnell unter Druck.“

Hilfe bei Impotenz

Medikamente wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil bewirken eine Entspannung der Penisschwellkörper. Dadurch entsteht bei sexueller Erregung eine anhaltende Erektion. Die Mittel müssen vom Arzt verordnet werden.

Invasive Verfahren, wie etwa die örtliche Injektion von Prostaglandinen oder bestimmte Operationen, kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz, denn sie sind unangenehm und weisen Nebenwirkungen auf.

Psychotherapie ist eine sinnvolle Ergänzung, wenn Versagensängste oder eine depressive Reaktion die erektile Dysfunktion deutlich verschlimmern.



Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau; 25.01.2011
Bildnachweis: Getty Images/Nico Hermann

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