Experten-Sprechstunde Nieren - Harnwege - Prostata:
Erektionsschwäche: Diagnostik

Welche Untersuchungen sollte der Arzt vor jedweder Behandlung unbedingt durchführen?

Bei Erektionsschwäche gibt es heute umfassende Untersuchungsmöglichkeiten

Vor der Behandlung einer Erektionsschwäche (erektile Dysfunktion) sollte bei jedem Patienten eine genaue ärztliche Untersuchung erfolgen, um mögliche Ursachen abzuklären.

 
Dazu gehören:

  • Ausführliches ärztliches Gespräch, bei dem alle denkbaren Risikofaktoren (Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Erkrankungen des Nervensystems, psychische Erkrankungen und/oder Belastungen, urologische Vorerkrankungen, Rauchen, Alkohol, Drogengebrauch) erhoben werden müssen;
  • Abklärung der vom Patienten eingenommen Medikamente (einige haben Nebenwirkungen im Bereich der Sexualfunktion), zum Beispiel Betablocker;
  • Körperliche ärztliche Untersuchung;
  • Blutabnahme: Blutzucker, Nieren- und Leberwerte, Cholesterin, Hormonstatus (LH, FSH – das sind übergeordnete Hormone, die die Regelung der Sexualhormone steuern, ferner Prolaktin, Testosteron);
  • Urinuntersuchung (Krankheitserreger, Urinzucker), gegebenenfalls Abstrich aus der Harnröhre;
  • Ultraschalluntersuchung (Duplex) der Penisgefäße sowie der Schwellkörper;
  • in manchen Einrichtungen kann eine sogenannte nächtliche penile Tumeszenzmessung durchgeführt werden. Dabei werden – ähnlich wie bei einer Langzeit-EKG-Messung – die Aktivitäten des Penis über Nacht mittels Klebe-Elektroden oder Drahtringen auf einem Rekorder aufgezeichnet.
  • Eine etwas invasivere Untersuchung ist das Injizieren eines erektionsauslösenden Wirkstoffes mittels einer feinen Nadel direkt in den Schwellkörper. Unter ärztlicher Überwachung kann so getestet werden, ob der Schwellkörper selbst funktionstüchtig ist. Dies dient der Ursachenforschung (Ursache entweder im Schwellkörper selbst oder zum Beispiel in den ihn versorgenden Nerven) und hilft bei der Wahl der richtigen Therapie.
  • Verbunden werden kann die letztgenannte Untersuchung mit einem Cavernosogramm: Dabei wird über dieselbe Nadel auch ein Röntgenkontrastmittel in die Schwellkörper eingebracht. Dieses vermischt sich mit dem Blut im Schwellkörper und macht so den Abflussweg und die Abflussgeschwindigkeit des Blutes aus dem Schwellkörper im Röntgenbild sichtbar. Wird hier eine stark erhöhte Abflussgeschwindigkeit festgestellt, kann eine bestimmte Art der Gefäßoperation an der Penisbasis Abhilfe schaffen. Das eingesetzte Kontrastmittel ist übrigens ungefährlich und wird vom Körper schnell wieder aus dem Blut gefiltert und ausgeschieden.

 

Prof. Dr. med. Jens J. Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza


Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann der Arzt nur im persönlichen Kontakt mit dem Patienten festlegen. Unsere Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Aber sie können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit ihm vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.
Die medizinische Wissenschaft entwickelt sich ständig weiter und führt zu neuen Erkenntnissen in Diagnostik und Therapie. Die hier gemachten Angaben entsprechen dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Beantwortung individuell eingesandter Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.