Erektile Dysfunktion:
Viele Männer schämen sich

Den meisten fällt es nach wie vor schwer, offen über Sex zu sprechen

Dr. Kristina Heiser ist Psychotherapeutin an der Medizinischen Hochschule Hannover

Das Thema Sex einschließlich Erektion wurde nur vordergründig so salonfähig, wie es uns die Werbung vorgaukelt. „Sexualität bleibt weiterhin tabu, die Sprachlosigkeit in den Beziehungen ist oft erschreckend“, bedauert Dr. Kristina Heiser.

 
Viele Männer hätten vor allem Minderwertigkeitsgefühle: Sie schämen sich und ziehen sich von der Partnerin zurück. Wenn eine Frau das so deutet, dass er sie nicht mehr attraktiv findet, ist der Weg in die Entfremdung vorgebahnt. Heiser: „Da helfen keine Medikamente. Sprechen Sie miteinander, holen Sie sich Hilfe bei einem Arzt und Therapeuten."

Dabei ist das Zusammenspiel beider Disziplinen enorm wichtig, denn Erektionsstörungen sind oft ein psychosomatisches Leiden. „Einem Patienten, der sich in eine Spirale von Versagensangst, Versagen und noch mehr Angst gesteigert hat, kann parallel zur Gesprächstherapie die vorübergehende Einnahme von Potenzpillen helfen“, sagt Dr. Thomas Stadler von der Urologischen Klinik der Universität München. Manchmal sei das Thema mit dem ersten erfolgreichen Sex sogar erledigt.

 
Hilfe bei der körperlichen Seite des Problems bieten vor allem Ärzte mit der Zusatzqualifikation Männerheilkunde (Andrologie), die Urologen, Dermatologen und Internisten erwerben können. Die Suche nach spezialisierten Psychologen gestaltet sich für die Patienten mühsamer. „Es gibt in Deutschland zu wenige Psychotherapeuten und Ärzte mit der Zusatzqualifikation Sexualtherapie“, sagt Heiser.


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