Erektile Dysfunktion: Therapie

Medikamente kommen am häufigsten zum Einsatz. Doch es gibt auch andere Behandlungsmöglichkeiten bei Potenzproblemen
aktualisiert am 25.11.2014

Arzneien sind eine Möglichkeit bei Erektionsstörungen

W&B/Simon Katzer

Wenn machbar, wird der Arzt die konkrete Ursache der erektilen Dysfunktion beheben – zum Beispiel eine andere Arznei verschreiben, falls die Potenzstörung durch eine Medikamenten-Nebenwirkung entstanden ist. (Vorsicht: Medikamente keinesfalls eigenmächtig absetzen oder wechseln!)

Testosteronmangel ausgleichen

Mit zunehmendem Lebensalter sinkt bei fast allen Männern der Testosteronspiegel im Blut etwas ab. Das ist nichts Ungewöhnliches und auch kein Grund für eine Therapie. Leidet ein Mann jedoch an Erektionsproblemen, könnte ein Testosteronmangel (Hypogonadismus) dabei eine entscheidende Rolle spielen. In diesem Fall wird der Arzt dazu raten, den Hormonmangel auszugleichen. Eventuell bessern sich dadurch bereits die Potenzprobleme. Häufig wirken Medikamente gegen die erektile Dysfunktion (PDE-5-Hemmer, siehe weiter unten) zusammen mit einer Hormontherapie besser oder erstmals.

Manche Männer mit Erektionsstörungen profitieren sogar von Testosterongaben, obwohl ihre Blutwerte eigentlich in einem nahezu normalen Bereich liegen. Ab wann die Hormongabe Sinn macht, sollte also am besten individuell entschieden werden – gemeinsam von Arzt und Patient. Das Testosteron wird in Form eines Gels auf die Haut aufgetragen oder in größeren Abständen in den Muskel gespritzt.

Zunächst schienen Untersuchungen darauf hinzudeuten, dass eine Testosterontherapie womöglich das Risiko für Prostatakrebs oder einen Herzinfarkt erhöhen könnte. Nach derzeitigem Wissen sind solche Befürchtungen jedoch unbegründet, sagen Experten – eine fachgerechte ärztliche Therapie vorausgesetzt.

Meistens können jedoch nur die Symptome, nicht die eigentlichen Auslöser der Erektionsstörung behandelt werden. Hier gibt es verschiedene Optionen, von Medikamenten bis hin zu mechanischen Hilfen. Was im Einzelfall am besten hilft, ist eine individuelle Entscheidung, die nach ausführlicher Beratung zu möglichen Nebenwirkungen und Risiken gemeinsam mit dem Arzt – und im Idealfall natürlich auch gemeinsam mit dem Partner – getroffen werden sollte.


Patienten können selbst dazu beitragen, ihre Potenz lange zu erhalten oder sogar zu verbessern. Was die Blutgefäße fit hält, beugt auch Erektionsstörungen vor. Im einzelnen heißt das: Nicht rauchen, ausgewogen ernähren, nur wenig Alkohol trinken, viel bewegen, Übergewicht abbauen, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren und bei schlechten Werten behandeln lassen.

Medikamente

In Deutschland sind verschiedene Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) zur Therapie der erektilen Dysfunktion zugelassen: Der erste war Sildenafil, der 1998 auf den Markt kam. Es folgten Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Alle sind verschreibungspflichtig. Wirkung und Nebenwirkungen sind in etwa vergleichbar. Die Tabletten helfen rund 70 bis 80 Prozent der "impotenten" Männer und unterscheiden sich vor allem in Dosierung und Wirkdauer. Sildenafil, Vardenafil und Avanafil wirken nach etwa 15 bis 60 Minuten (der Wirkungseintritt kann sich nach fettreichen Mahlzeiten verzögern). Ihr Effekt hält rund vier bis zwölf Stunden an. Tadalafil wirkt nach etwa 30 Minuten für rund 24 bis 36 Stunden. Dieses Medikament kann auch als Dauermedikation verschrieben werden mit einer Tablette pro Tag.


So wirken PDE-5-Hemmer (Um die komplette Grafik zu sehen, bitte auf die Lupe klicken!)

W&B/Ulrike Möhle

Wie der Name sagt, hemmen die Medikamente die Phosphodiesterase-5 (PDE-5), das ist ein körpereigenes Enzym. Dieses Enzym baut normalerweise einen bestimmten Botenstoff ab, der bei sexueller Erregung verstärkt entsteht und die Durchblutung im Penis steigert. Wird das Enzym Phosphodiesterase-5 nun bei seiner Arbeit durch die Medikamente behindert, bleibt mehr Botenstoff übrig. Folglich nimmt die Penisdurchblutung zu, eine Erektion entsteht oder bleibt länger bestehen. Ein zweiter Effekt ist, dass der Blutdruck im Lungenkreislauf sinkt. Phosphodiesterase-5-Hemmer dienen daher auch der Therapie von Lungenhochdruck.

PDE-5-Hemmer wirken nur dann, wenn der Mann sexuell erregt ist. Sie steigern also nicht die Lust. Die Erektion endet – wie ohne Medikament auch – mit dem Orgasmus bzw. dem Samenerguss. Innerhalb der Wirkungsdauer sind jedoch weitere Erektionen möglich.

Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Sodbrennen, verstopfte Nase, bei Sildenafil und Vardenafil vorübergehende Veränderungen im Farbensehen, bei Tadalafil auch Muskel- und Rückenschmerzen. Genaue Informationen finden sich im Beipackzettel.

Nicht geeignet sind PDE-5-Hemmer für Patienten, denen der Arzt Nitrate oder Molsidomin verschrieben hat, weil es hier zu einem gefährlichen Blutdruckabfall kommen kann. Nitrate oder Molsidomin kommen zum Beispiel bei der Therapie von Angina pectoris bei koronarer Herzkrankheit zum Einsatz. Manche Erkrankungen (beispielsweise schwere Leberkrankheiten, Herzleiden oder ein Schlaganfall in der Vergangenheit) können gegen die Einnahme von PDE-5-Hemmern sprechen.

Die PDE-5-Hemmer sind aus gutem Grund verschreibungspflichtig. Vor der ersten Anwendung sollten sich Patienten beim Arzt ausführlich zu Nebenwirkungen und möglichen individuellen Risiken informieren.

Mediziner warnen ausdrücklich davor, die Produkte in Eigenregie von dubiosen (Internet-)Anbietern zu beziehen. Stichproben haben wiederholt gezeigt, dass international viele Medikamente gefälscht werden, dass sie womöglich andere Inhaltsstoffe enthalten als beschrieben oder die Dosisangaben nicht stimmen. Wer sich darauf einlässt, riskiert seine Gesundheit, im schlimmsten Fall sogar sein Leben. Gesetzliche Kassen zahlen üblicherweise nicht für die Medikamente.

Ein weiterer Wirkstoff zur Therapie der erektilen Dysfunktion ist Yohimbin, der im Gehirn wirkt und vor allem bei psychisch bedingten Potenzstörungen zum Einsatz kommt.

SKAT = Schwellkörper-Autoinjektionstherapie

Wenn PDE-5-Hemmer nicht eingenommen werden dürfen oder nicht wirken, weil zum Beispiel Nervenschäden vorliegen, ist die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (abgekürzt SKAT) eine Option. Dabei spritzt sich der Mann mit einer sehr dünnen Nadel ein Medikament in den Schwellkörper des Penis. Die Arznei bewirkt, dass mehr Blut in den Penis einströmt. Nach etwa 10 bis 15 Minuten entsteht eine Erektion, die rund eine Stunde anhält. Für die meisten Anwender ist die Injektion unproblematisch und nicht schmerzhaft. Wichtig ist die korrekte Dosierung. Eine Überdosierung kann eine über Stunden anhaltende Erektion zur Folge haben, die ärztlich behandelt werden muss, da sie sonst den Penis schädigt. Verschiedene Krankheiten (darunter Leukämien oder eine Sichelzellanämie) können gegen die Anwendung sprechen. Ob die Methode im Einzelfall geeignet ist und wie sie im Detail funktioniert, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt meistens für diese Therapie.

MUSE  = Medikamentöses Urethrales System zur Erektion

Wirkstoffe können auch in Form eines "Mini-Zäpfchens" über die Harnröhre verabreicht werden. Dieses Prinzip wird MUSE genannt (Medikamentöses Urethrales System zur Erektion). Der Mann bringt dabei ein bestimmtes Prostaglandin mit Hilfe eines Applikators in die Harnröhre ein. Der Wirkstoff gelangt über die Harnröhrenwand in den Schwellkörper des Penis. Der Blutfluss verstärkt sich. Nach etwa 10 bis 15 Minuten entsteht eine Erektion, die für 30 bis 60 Minuten anhält. Mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen im Penis, Brennen in der Harnröhre, Kopfschmerzen, Schwindel. Ist die Partnerin schwanger, sollte vorsichtshalber ein Kondom verwendet werden, um das Risiko vorzeitiger Wehen zu senken. Verschiedene Krankheiten (darunter Leukämien oder eine Sichelzellanämie) können gegen die Anwendung sprechen. Ob die Methode im Einzelfall geeignet ist, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt meistens für diese Therapie.


Prinzip der Vakuumtherapie

W&B/Jörg Neisel/Szczesny

Vakuumtherapie

Bei dieser Methode wird ein durchsichtiger Plastikzylinder mit Saugpumpe auf den Penis aufgesetzt und ein Unterdruck erzeugt. Blut fließt verstärkt in die Schwellkörper, eine Erektion entsteht. Ein Gummiring an der Peniswurzel verhindert, dass das Blut wieder zurückfließt. Er muss nach 30 Minuten wieder entfernt werden, damit es nicht zu Durchblutungsstörungen und damit zu Schäden am Penis kommt. Wenn der Arzt die Vakuumpumpe verordnet, zahlt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse.


Auffüllbares Schwellkörper-Implantat

W&B/Jörg Neisel/Szczesny

Implantate

In manchen Fällen helfen nur Implantate aus Silikon, die per Operation in die Schwellkörper eingesetzt werden (Schwellkörper-Implantate). Dieser Eingriff ist nicht rückgängig zu machen und sollte deshalb gut überlegt und geplant sein. Es gibt verschiedene Varianten: Die am häufigsten verwendeten Implantate sind auffüllbar. Im Unterbauch wird dafür ein Reservoir eingepflanzt, das Kochsalzlösung enthält. In den Hodensack setzen die Ärzte eine kleine Pumpe ein. Auf "Knopfdruck" kann der Mann das Implantat befüllen, so dass eine Art Erektion entsteht. Andere Implantate sind immer steif, aber biegsam. Diese Operationen werden üblicherweise von den Krankenkassen erstattet.


Beratung oder Psychotherapie

Meistens lassen sich körperliche und seelische Ursachen der erektilen Dysfunktion nicht im Detail trennen. Das Gespräch mit einem Sexualtherapeuten – optimaler Weise zusammen mit dem Partner – hilft bei psychisch bedingter Erektionsstörung. Aber auch Männer mit organisch bedingten Potenzproblemen profitieren oft davon. In der Regel zahlt die gesetzliche Krankenkasse für eine ärztlich verordnete Psychotherapie. Am besten vorab individuell mit dem Arzt und der Kasse klären.



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