Reisedurchfall: Was tun?

Im Urlaub Durchfall – oh nein! Besonders in Ländern wie Ägypten oder Mexiko kommt dies sehr häufig vor. Wie Sie ihn behandeln können, wann Sie zum Arzt müssen
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 15.10.2016

Straßenmarkt in Kairo, Ägypten: Wer Obst und Genüse in fremden Ländern kauft, sollte einen Grundsatz beherzigen – gründlich waschen, kochen, schälen oder sein lassen

F1online/Robert Harding/Nigel Francis

"Der Fluch des Pharao", "Montezumas Rache", "Delhi Belly" – in manchen Ländern erkranken so viele Urlauber an Durchfall, dass sich dafür sogar schon eigene Ausdrücke eingebürgert haben. "In Ägypten sind zum Beispiel bis zu 90 Prozent der Reisenden betroffen", sagt Dr. Markus Frühwein, Reise- und Tropenmediziner aus München.

Laut Frühwein ist das Risiko, an Reisedurchfall zu erkranken, vor allem in Äquatornähe sehr hoch, also in Teilen Afrikas, Lateinamerikas, Asiens und Südostasiens: "Dort kommt es bei mehr als 50 Prozent der Urlauber zu Durchfall." Aber auch in anderen Regionen, wie Südafrika, dem Süden Südamerikas sowie in Nordasien kann die Reisediarrhö zum Problem werden – wenn auch vielleicht nicht so häufig wie in den Hochrisikogebieten.


Der Durchfall stellt sich meist in den ersten Urlaubstagen ein – und vermiest dem Betroffenen womöglich die ganze Reise. "Da hat sich die Darmflora noch nicht an die neuen Gegebenheiten vor Ort gewöhnt", erklärt Frühwein. Welche Krankheitskeime die Beschwerden hervorrufen, schwankt von Land zu Land. Vielfach stecken Bakterien dahinter, etwa spezielle Escherichia coli-Arten, Salmonellen oder Shigellen. Auf Kreuzfahrtschiffen waren Noroviren wiederholt die Verursacher. Mehr dazu können Sie hier nachlesen: Noroviren.

Durchfall-Symptome richtig deuten

Handelt es sich um eine sogenannte unkomplizierte Reisediarrhö, ist breiiger bis wässriger Durchfall das Symptom. "Typisch sind drei bis fünf Stuhlgänge pro Tag", erläutert der Tropenmediziner. Dazu kann es zu Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen kommen. Die Beschwerden halten üblicherweise für drei bis maximal fünf Tage an und klingen dann von selbst ab. Bekommt allerdings ein Baby oder Kleinkind Durchfall, sollten Sie nicht abwarten, sondern zu einem Arzt gehen.

Wichtig: Heftiger Durchfall, Fieber, Blut oder Schleim im Stuhl sowie kein rasches Abklingen der Beschwerden können auf eine ernstere Ursache hinweisen, die einer speziellen Therapie bedarf. In bestimmten Ländern können zudem Tropenkrankheiten wie Malaria oder Cholera zu heftigem Durchfall führen. Bei solchen Symptomen sollten Sie am Urlaubsort unbedingt einen Arzt aufsuchen, der dann zum Beispiel ein Antibiotikum verschreibt. Auch wenn Sie in den Wochen nach einer Fernreise daheim solche Beschwerden bekommen, sollten Sie an eine Tropenkrankheit als Auslöser denken und zum Arzt gehen.

Reisedurchfall behandeln: Ausreichend trinken!

Bleibt es beim unkomplizierten Durchfall, ist die wichtigste Therapiemaßnahme: den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Also genügend trinken! Dafür eignen sich zum Beispiel gezuckerte Tees oder Elektrolytlösungen aus der Apotheke. Vorsicht: Trinken Sie nicht einfach das Wasser aus der Leitung! "Immer abkochen", sagt auch Reisemediziner Frühwein. Denn durch verunreinigtes Trinkwasser haben Sie möglicherweise den Durchfall bekommen.

Wie viel Flüssigkeit Sie benötigen, können Sie an der Urinfarbe überprüfen. "Ist er hellgelb, haben Sie genügend getrunken, ist er bernsteinfarben oder dunkler, braucht der Körper Flüssigkeit", erklärt der Arzt. Wer an bestimmten Herz- oder Nierenleiden erkrankt ist und deshalb nicht übermäßig viel trinken sollte, klärt am besten vor der Reise mit dem Hausarzt, wie er sich bei Durchfall verhält.

Ältere, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen, leiden unter Umständen stärker unter den Folgen des Flüssigkeits- und Salzverlustes. Sie sollten daher ebenfalls einen Arzt zu Rate ziehen.

Pro und Contra Loperamid

Das Arzneimittel Loperamid stoppt den Durchfall und hat schon so manchem Reisenden den Urlaub gerettet. Ärzte raten heute aber nur noch zurückhaltend zu dem Wirkstoff. "Denn der Durchfallerreger wird dadurch im Darm zurückgehalten", so Frühwein. Der Reisemediziner fügt hinzu: Nicht nehmen, wenn gleichzeitig hohes Fieber auftritt oder der Stuhl von Blut oder Schleim durchsetzt ist. Maximal zwei Tage anwenden. Meistens reicht sogar eine einzige Einnahme aus. Diese Maßnahme ist nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet. Schwangere sollten generell keine Medikamente einnehmen, ohne vorher Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker zu halten, ob diese Mittel für sie geeignet sind.

Ob Aktivkohle, Probiotika oder Präparate mit Gerbstoffen bei Durchfall hilfreich sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Frühwein sagt: "Wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist eine Wirkung bislang nicht." Die Einnahme von Antibiotika sei bei einem harmlosen Reisedurchfall nicht nötig. Bei einem schwereren Verlauf, wenn sich die Infektion nicht nur im Darm abspielt, sowie bei bestimmten Erregern, können Antibiotika aber sinnvoll sein.

Reisen Sie in Länder mit schlechten Hygienestandards und sind Sie dort auf lokale Lebensmittel und Unterkünfte angewiesen, dann sollten Sie sich vorab bei einem Arzt beraten lassen, der sich mit Reise- und/oder Tropenmedizin auskennt. Er kann überprüfen, welche Reiseimpfungen Sie möglicherweise brauchen und Ihnen eventuell auch Arzneimittel verschreiben, die Sie mitnehmen sollten. Dazu können unter anderem Malariamittel, aber auch Antibiotika gehören. So sind Sie – bis auf Notfälle – nicht zwingend auf Krankenhäuser und Medikamente angewiesen, die in manchen Ländern der Welt wenig vertrauenserweckend aussehen.



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