Durchfall (Diarrhö): Ursachen akut (2)

Durchfälle können auch als Reaktion auf Angstsituationen, Stress, zu viel Kaffee, Medikamente, Strahlenbehandlungen und bei Durchblutungsstörungen des Darms auftreten
aktualisiert am 26.06.2017

Konflikte und Stress machen sogar den Darm oft nervös

iStock/endopack

Wer kennt das nicht: Man hat gerade eine Stressphase und langt beim Kaffee kräftiger als sonst zu. Die Quittung folgt mitunter auf dem Fuße. Koffein kann bei überhöhter Zufuhr nämlich nicht nur Herzklopfen, Nervosität und schlechten Schlaf verursachen, sondern auch Durchfall. Stress schlägt in dieselbe Kerbe. Als Erstes empfiehlt es sich, die Dosis beim Kaffee herunterzufahren, um festzustellen, ob der Darm sich beruhigt. Nimmt Stress überhand, ist an gezielte Bewältigungstrategien zu denken.

Oft schwieriger zu handhaben sind situative Ängste. Wenn kein vorübergehendes Problem zugrunde liegt wie zum Beispiel Examensangst, sondern die Angstgefühle mit ihren körperlichen Folgen oft wiederkehren, ist es ratsam, der Sache auf den Grund zu gehen.


Gelegentlich sind Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten für akuten Durchfall verantwortlich. Da diese Reaktionen wegen entsprechender Veranlagung jedoch immer wieder auftreten können, werden diese Krankheitsbilder im Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (1)" abgehandelt. Ein anderes, ernstes Thema ist Durchfall nach Strahlenbehandlungen. Moderne Techniken tragen zwar dazu bei, Schädigungen des Darms und damit einhergehende Durchfälle zu vermeiden, aber das Problem kommt auch heute noch vor. Seltene Ursachen für akute blutige Durchfälle beziehungsweise Darmblutungen sind Durchblutungsstörungen im Darm. Nachfolgend mehr zu diesen Themen.

Angst, Stress: Das spürt manchmal auch der Darm

Manche Menschen reagieren bei Angst, Aufregung und Stress, etwa vor einer Prüfung oder einem Vortrag, spontan mit Darmunregelmäßigkeiten bis hin zu Durchfall.

Darüber hinaus können Magen-Darm-Störungen mit wiederholten Durchfallepisoden bei krankhaften Angststörungen zu den vordergründig belastenden Beschwerden gehören. Frühzeitige Behandlung ist wichtig, um die Fesseln, die die Seele hier dem Körper anlegt, aufzulösen, damit die Betroffenen in einen weitgehend normalen Alltag zurückfinden.
Mehr dazu im Ratgeber "Angst".

Koffein / Tein: Muntermacher in vieler Hinsicht

Da Koffein nicht nur Herz und Hirn, sondern auch den Darm anregt, kann es auch Durchfall auslösen, insbesondere bei phasenweise übermäßigem Gebrauch.

Koffein macht müde Geister munter und den Darm auch. Es findet sich nicht nur in Heißgetränken wie Kaffee, Mate, Tee (hier als Tein), sondern auch in Colagetränken, Energydrinks, Guarana, Schokoladen. Zudem ist es in manchen Kopfschmerztabletten enthalten, mittlerweile auch in Shampoos gegen Haarausfall. Coffein ist in erster Linie ein anregendes Genussmittel, ein Psychostimulans, denn es wirkt auf die Nervenzellen ein und erhöht ihre "Kommunikationsbereitschaft". Übermäßiger Genuss kann sich negativ auswirken: mit Durchfall, Herzklopfen, Nervosität, Konzentrationsstörungen. Ein kurzfristiger Auslassversuch lohnt sich, gegen maßvollen Konsum ist nichts einzuwenden.

Durchfall als Nebenwirkung von Medikamenten

Zahllose Medikamente können als Nebenwirkung Durchfall auslösen – einige häufiger, andere seltener, manchmal auch nur zu Beginn einer Therapie oder wenn die Dosis geändert wird. Die Diarrhö kann allerdings auch auf nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch zurückzuführen sein.

Paradebeispiel für arzneibedingte Diarrhöen durch nicht korrekte Anwendung sind Abführmittel. Durchfälle können hier bei (missbräuchlicher) Überdosierung geradezu gewollt sein, um schneller an Gewicht abzunehmen. Dies ist aber eine gesundheitsschädliche und daher zu unterlassende Strategie, denn sie bringt den Körper aus dem Gleichgewicht. Am besten zum Arzt und sich beraten lassen, wie das persönliche Wunschgewicht realistisch erreichbar ist. Wer der Meinung ist, dass es trotz vorschriftsmäßiger Einnahme eines ärztlich empfohlenen Abführmittels zu Durchfall gekommen ist, kann in diesem Fall die Dosis reduzieren, sollte sich aber sicherheitshalber immder mit dem Arzt absprechen.

Bekannt für Durchfall als Nebenwirkung sind auch Antibiotika. Diese Arzneimittel töten bestimmte  Erreger ab und verändern damit die natürliche Bakterienbesiedlung des Magen-Darm-Trakts. Dadurch können einzelne Keime überhand nehmen, zum Beispiel Clostridium difficile. In der Folge treten häufig Durchfälle und Fieber auf. Patienten, die mit Antibiotika behandelt werden, sollten bei einer Diarrhö die Einnahme der Medikamente aber auf keinen Fall eigenmächtig stoppen, sondern immer Rücksprache mit dem Arzt halten. Dieser klärt dann, wie bedeutsam der Durchfall ist und ob der Patient ein anderes Mittel erhalten muss.

Weitere Arzneimittel, die Durchfälle auslösen können, sind Magenmittel wie magnesiumhaltige Antazida, Anti-Parkinsonmittel wie sogenannte COMT-Hemmer, H2-Blocker (ebenfalls  Magenmittel), Buspiron (ein Medikament gegen Angststörungen), Chenodesoxycholsäure (wird zur Behandlung von Cholesteringallensteinen eingesetzt), Cholestyramin (bindet Gallensäuren und kann gegen Fettstühle wirken), Digitalispräparate (auch Herzglykoside genannt), Diuretika (wassertreibende Mittel), Eisenpräparate, nicht steroidale Antirheumatika (Entzündungshemmer), Lactulose (wird bei entgleisender Leberzirrhose eingesetzt), Psychopharmaka wie sogenannte SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder auch Lithium (wird zur vorbeugenden und ergänzenden Behandlung bei bestimmten psychischen Erkrankungen eingesetzt), sodann Zytostatika.

Lesen Sie den Beipackzettel, wenn Sie bei Diarrhö ein Medikament als Ursache vermuten, und lassen Sie sich vom Arzt beraten.

Strahlenbehandlung: Hilft heilen, es gibt aber auch unerwünschte Effekte

Die Bestrahlung eines Tumors im Bauch- oder Beckenraum kann den Darm – Dünndarm und Dickdarm – in Mitleidenschaft ziehen. Die Folge: akuter oder chronischer Durchfall.

Die Darmschleimhaut gehört zu den besonders strahlenempfindlichen Geweben. Schon wenige Tage bis zwei Wochen nach der Bestrahlung können hier entzündliche Schwellungen und Geschwüre entstehen (Frühschäden). Die Schleimhautschädigung bildet sich nach einiger Zeit zwar zurück. Doch können die Veränderungen in den tiefen Wandschichten des Darms langsam fortschreiten (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (2)").

Weil Strahlen heute sehr gezielt eingesetzt werden, sind relevante "Kollateralschäden" seltener geworden. Art und Dosis der Bestrahlung spielen immer eine Rolle, außerdem das Bestrahlungsfeld. Auch kann der Darm selbst das Bestrahlungsziel sein. Eine Chemotherapie kann die schädigenden Effekte verstärken.

Ist der Dünndarm akut von einer Strahlenschädigung betroffen, wird von einer Strahlenenteritis gesprochen, geht es um den Dickdarm, von einer Strahlenkolitis. Bei Strahlenschäden im Enddarm handelt es sich um eine Strahlenproktitis. Diese Schädigung wird im Bereich des Darms am häufigsten beobachtet.

Symptome: Bei der Strahlenenteritis kommt es zu Durchfall, Blut- und Schleimbeimengungen, Bauchschmerzen, Blähungen und Erbrechen. Abhängig von der Lokalisation und vom Grad der Schädigung werden Nährstoffe möglicherweise nur noch ungenügend aufgenommen. Über den Dickdarm gehen Flüssigkeit und Salze verloren. Dieser Zustand braucht einige Wochen, um wieder abzuklingen. Bei der Strahlenkolitis / -proktitis stehen neben Bauchschmerzen häufige, krampfartige Entleerungen, eventuell mit Blut und Schleim, im Vordergrund.
Diagnose: Begleitumstände und Beschwerden sind eindeutig. Eventuell wird eine endoskopische Untersuchung durchgeführt.
Therapie: Sie ist symptomatisch gegen den Durchfall, bei leichten Beschwerden diätetisch ausgerichtet. Arzneistoffe wie zum Beispiel Loperamid und die Substanz Cholestyramin zur Bindung von Gallensäuren können die Diarrhö gegebenenfalls mildern. Milchzuckerfreie Nahrung wird möglicherweise besser toleriert als "normale" Schonkost. Wichtig ist der Flüssigkeits- und Salzersatz. Bei stärkeren Beschwerden und Störungen der Nährstoffaufnahme wird der Arzt zügig eine vollständige künstliche Ernährung über die Blutbahn durchführen. Ist der Enddarm betroffen, so sprechen die Veränderungen meist auf entzündungshemmende Zäpfchen oder Klistiere mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) oder Kortison an.

Gefäßverschluss im Darm

Wenn ein Blutgerinnsel in ein Gefäß eingeschwemmt wird und dieses verstopft, ist es zu einer Embolie gekommen. Bei Gefäßverkalkung kann sich ein Blutpfropf an den Wandablagerungen abscheiden und so das Gefäß verschließen (Thrombose). Beide Vorgänge sind auch im Darm möglich.

Der Verschluss eines Darmgefäßes heißt Mesenterial(arterien)infarkt. Bei einer Embolie stammt das Gerinnsel meistens aus dem Herzen oder aus der Hauptschlagader, der Aorta, während die Thrombose vor Ort an Gefäßverzweigungen und -verengungen entsteht. Hierbei spielt die Arteriosklerose eine wichtige Rolle. Nach einem Gefäßverschluss setzt in schneller Folge ein Schädigungsprozess des betroffenen Darmabschnitts ein. Der Vorgang ähnelt vom Ablauf her einem Herzinfarkt.

Was den Darm angeht, so spielen sich Gefäßverschlüsse meistens in der oberen Mesenterialarterie ab. Betroffen sind überwiegend Menschen über 50 Jahre, häufiger Männer als Frauen. Schon bevor es zum Verschluss kommt, kann die Arteriosklerose zu Beschwerden im Bauch, der sogenannten Angina abdominalis, und zu Verdauungsproblemen mit Diarrhö und Gewichtsverlust führen (siehe Kapitel "Durchfall: Ursachen chronisch (2)"). Verkrampfungen der Darmgefäße ohne Verschluss können ebenfalls ein akutes Beschwerdebild verursachen.

Symptome: Ein Mesenterialinfarkt ist immer ein gefährliches Krankheitsbild. Die kolik- und krampfartigen Bauchschmerzen, meist mit Diarrhö, sind so quälend, dass eine notfallmäßige Einweisung in eine Klinik gerechtfertigt ist, damit sofort eine gezielte Diagnostik und Therapie durchgeführt werden kann. Trügerischerweise können die Schmerzen anfangs ohne weitere Behandlung zunächst auch wieder nachlassen. Jedoch entwickelt sich in dieser Zeit meist schon eine beginnende Darmlähmung. Nach Schädigung der Darmwand ist auch eine Bauchfellentzündung möglich. Blutige Durchfälle und ein Schockzustand zeigen ein solches fortgeschrittenes Stadium und akute Lebensgefahr an.
Diagnose, Therapie: Bei rechtzeitiger Diagnose kann der Verschluss eventuell mit einem geeigneten Eingriff wieder eröffnet werden. Notfalls muss der Chirurg das geschädigte Darmsegment entfernen.

Mehr dazu unter "Blut am After / aus dem Darm", Kapitel "Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm", Abschnitt "Gefäßerkrankungen des Darms".



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