Durchfall (Diarrhö): Therapie

Das Wichtigste bei Durchfall ist erst einmal Trinken von ausreichend Flüssigkeit. Manchmal braucht es mehr, zum Beispiel Antibiotika oder eine umfassende Therapie
aktualisiert am 26.06.2017

Akuter Durchfall: Flüssigkeitszufuhr ist das A und O

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Basistherapie, Selbsthilfe oder wie man es nennen möchte: Auf baldigen Flüssigkeitsersatz, sprich Trinken von ausreichend und geeigneter Flüssigkeit, kommt es an. Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob ein akuter oder chronischer Durchfall vorliegt. Im Weiteren richtet sich die Behandlung nach den Umständen und Auslösern, der Diagnose und dem Schweregrad der Durchfallerkrankung.

Therapie: Akuter Durchfall

Bei einer mäßig starken Diarrhö, die nur zwei, drei Tage dauert und normalerweise keinen Arztbesuch nötig macht, hilft man sich als sonst eigentlich gesunder Mensch selbst, indem man die Flüssigkeitsverluste durch eine hohe Trinkmenge ausgleicht. Die Flüssigkeitszufuhr ist das A und O, um eine Austrocknung zu verhindern. Hat jemand aber schon ein Gesundheitsproblem, etwa eine Herz- oder Nierenerkrankung, sollte er sich ärztlich beraten lassen, wie er am besten vorgeht.

Gefahr der Autrocknung besteht vor allem bei Säugligen unter sechs Monaten mit Durchfall oder bei Kindern, wenn sie mehr als acht wässrige Durchfälle in den letzten 24 Stunden produziert und / oder mehr als viermal in den letzten 24 Stunden erbrochen haben. Ältere Menschen sind unter diesen Bedingungen gleichermaßen gefährdet, da sie ohnehin zur Austrocknung neigen oder häufig Medikamente einnehmen, die den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen, zum Beispiel entwässernde Mittel.

Nur: Wie macht sich eine beginnende Austrocknung bemerkbar? Die Betroffenen sind schlapp und teilnahmslos. Beim liegenden Säugling ist zum Beispiel die große Fontanelle oberhalb der Stirn (die Fontanellen sind als weiche, empfindliche Stellen am Kopf tastbare Lücken zwischen Schädelknochen des Babys, die sich im Laufe der ersten Lebensjahre schließen) eingesunken. Zwischen den Fingern gefaltete Haut (am Bauch) bleibt in Falten stehen (bei Älteren eventuell an der Stirn prüfen), die Mundschleimhaut ist trocken, die Windel auch.

Bei alten Menschen ist die Zunge sehr rissig und der gesamte Mundbereich ausgetrocknet. Trockene Mundschleimhaut erschwert zudem das Schlucken. Das sind natürlich nur Anhaltspunkte.

Ernährungstipps: Leichte Kost, Flüssigkeit

Je nach Befinden kann es sinnvoll sein, vorübergehend auf feste Nahrung zu verzichten oder Schonkost zu wählen. Auch wenn Durchfall und Erbrechen die Lust aufs Essen verderben: Gerade Kinder sollten nicht lange pausieren. Gut geeignet ist eine leichte, fettarme Kost: Zwieback, geriebener Apfel, pürierte Banane, Salzstangen, Reis. Zum Trinken bieten sich in leichten Fällen gesüßter Tee, Fleischbrühe oder stilles Mineralwasser an. Gestillte Säuglinge sollten möglichst oft angelegt werden.

Für im Prinzip gesunde Erwachsene gilt eine Flüssigkeitszufuhr von drei Litern pro Tag als Richtgröße. Kleine Kinder haben im Verhältnis zu größeren höhere Wasserluste. Für die Kleinen gelten folgende Trink-Empfehlungen für den normalen Trinkbedarf (4-2-1-Regel, kein Fieber!):

  • Neugeborene in den ersten Lebenstagen: 2 bis 3 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde
  • Säuglinge: 4 bis 6 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde (Frühgeborene haben einen noch höheren Erhaltungsbedarf)
  • Vorschulkinder: 4 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde, bezogen auf die ersten 10 Kilogramm Gewicht, dazu 2 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde für die zweiten 10 Kilogramm Gewicht und zusätzlich 1 Milliliter pro Kilogramm pro Stunde für jedes weitere Kilogramm (also ab 20 Kilogramm Gewicht).
  • Achtung: Bei wässrigem Durchfall steigt der Flüssigkeitsbedarf zusätzlich um etwa 10 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht an.

Optimal sind spezielle Zucker-Elektrolytlösungen aus der Apotheke für Kinder und Erwachsene. Sie helfen, den Salz- und Flüssigkeitsmangel und auch einen leichten Gewichtsverlust auszugleichen, und sie wirken einer Austrocknung entgegen. Babys unter sechs Monaten, die bereits Säuglingsnahrung erhalten, bekommen diese 1:1 mit Glukose-Elektrolytlösungen verdünnt.

Bei starker Diarrhö ohne kurzfristige Anzeichen der Besserung sollte man immer den Arzt rufen, insbesondere wenn es um ein Baby, ein Kleinkind, einen älteren Menschen oder um einen Patienten mit Stoffwechselproblemen wie zum Beispiel Diabetes oder eingeschränkte Immunabwehr geht (mehr im Kapitel "Durchfall: Risikofaktoren, Vorbeugung"). Auch schwangere Frauen sollten sich rechtzeitig an ihren Arzt wenden. In all diesen Fällen oder wenn ausreichendes Trinken nicht gewährleistet ist, muss Flüssigkeit über die Blutbahn zugeführt werden. Das bedeutet: Im Zweifelsfall muss der Betroffene in einer Klinik behandelt werden.

Der Arzt entscheidet auch, ob beispielsweise Medikamente gegen den Durchfall und Begleitsymptome wie Übelkeit und Brechreiz oder Bauchschmerzen eingesetzt werden sollen. Bei ausgeprägten Bauchkrämpfen beispielsweise kommen krampflösende Mittel wie Butylscopolamin in Frage.

Mittel, die den Durchfall stoppen sollen, etwa Loperamid oder Racecadotril (derzeit zur Selbstbehandlung nur für Erwachsene über 18 Jahren zugelassen), verhindern auch die Ausscheidung von Erregern. Das ist aber eigentlich eine Art Selbstheilungsmechanismus des Körpers bei einer Infektion. Daher sind Medikamente gegen Durchfall allenfalls für 48 Stunden geeignet, zum Beispiel auf Flugreisen. Es dürfen aber weder Fieber noch blutige Stühle vorliegen.

Manchmal geht es auch nicht ohne ein Antibiotikum. Zur Selbstbehandlung der Diarrhö auf einer Fernreise ohne ausreichendes medizinisches Versorgungsangebot wird Erwachsenen empfohlen, ein Antibiotikum mit breitem Wirkspektrum einzunehmen, beispielsweise aus der Gruppe der Chinolone, oder der Arzneistoff Rifaximin. Ansonsten entscheidet der Arzt, ob ein Antibiotikum und wenn ja, welches, sinnvoll ist. Normalerweise also auf keinen Fall Antibiotika auf eigene Faust einnehmen. Bei vielen Darminfektionen bewirken sie nichts, verschlimmern höchstens den Verlauf.

Falls eine Medikamentenbehandlung selbst als Auslöser des Durchfalls infrage kommt, wird der Arzt prüfen, ob sie umgestellt werden muss. Ein "Antibiotika-Durchfall" kann noch bis zu acht Wochen nach Einnahme der Antibiotika auftreten, was manchmal den möglichen Zusammenhang vergessen lässt. Einen Tropenrückkehrer mit Durchfall und Fieber wird der Arzt auch auf Malaria hin untersuchen. Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Krankheitsverlauf, dem Erreger und seinem Resistenzverhalten sowie der Art der zuvor durchgeführten vorbeugenden Behandlung ab. Sie erfolgt am besten in einer mit Tropenkrankheiten erfahrenen Klinik.

Kinder sollten Medikamente immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt erhalten, da die meisten Präparate für sie nicht geeignet sind. In der Schwangerschaft und Stillzeit gilt das allemal.

Für Präparate wie medizinische Kohle, Gerbstoffe und Probiotika ist die Wirksamkeit bei Durchfall nicht sicher belegt.

Was tun bei chronischem Durchfall?

Hier ist immer eine möglichst ursachenbezogene Therapie erforderlich. So kann eine Diät helfen, bei der Nahrungsmittel oder Nahrungsbestandteile, die ein Patient nicht verträgt oder gegen die er allergisch ist, weggelassen beziehungsweise durch bekömmliche Lebensmittel ersetzt werden. Paradebeispiel dafür ist die glutenfreie Ernährung bei Zöliakie.

Auch Umstellungen beim Gebrauch von Abführmitteln oder anderen Medikamenten in Absprache mit dem Arzt können der Schlüssel zum Erfolg sein.

Abhängig von der Diagnose gibt es viele weitere Therapieoptionen. Nur zwei Beispiele: Bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wird eine Behandlung mit Entzündungshemmern oder speziellen Medikamenten durchgeführt, die das Immunsystem herunterfahren. Bei einer Krebserkrankung wird der Arzt je nach Stadium eine angepasste Therapie vorgeschlagen.

In den Kapiteln "Durchfall: Ursachen akut (1)", "Durchfall: Ursachen akut (2)" sowie "Durchfall: Ursachen chronisch (1)" und "Durchfall: Ursachen chronisch (2)" dieses Beitrags finden Sie weitere Informationen zur Therapie wichtiger Krankheitsbilder, die mit Durchfall einhergehen.


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