Durchfall: Ärztliche Hilfe ist angesagt bei Anzeichen einer Austrocknung, Blut im Stuhl, Fieber über 38,5 Grad Celsius, Bauchschmerzen, Erbrechen oder wenn in der Umgebung Durchfallerkrankungen auftreten
Ausgangspunkt der Diagnostik ist die Krankengeschichte (Anamnese) mit Angaben des Patienten über die aktuellen Beschwerden und über mögliche Auslöser des Durchfalls. Als sporadische Infektionsquellen kommen zum Beispiel verunreinigte Speisen wie Eis, rohes Fleisch, rohe Meeresfrüchte, Produkte aus rohen Eiern, Eiswürfel, Geflügel oder Tiefkühlkost infrage.
Es folgt die Bitte nach Beschreibung des Stuhls und Angaben über die Harnbeschaffenheit und -menge. Bei beginnender Austrocknung ist der Urin dunkel, die Menge kann verringert sein. Von Interesse ist auch, ob der Durchfall in direkter Beziehung zur Nahrungsaufnahme steht, was etwa bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit der Fall sein kann, und ob er nachlässt, wenn nichts mehr gegessen wird. Klingen die Beschwerden ab, wenn vorübergehend keine Nahrung aufgenommen wird, kann dies unter anderem aber auch auf eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hinweisen. Daher wird der Arzt nach einer solchen Beobachtung fragen.
Durchfall nach einer Fern- oder Schiffsreise, nach einem Hilfseinsatz in einem Krisengebiet oder einem Tagungsaufenthalt lässt spontan an eine infektiöse Ursache denken. Das gilt auch, wenn im Rahmen einer Gemeinschaftsverpflegung (Kantine, Mensa) oder nach einem Geschäftsessen vermehrt Erkrankungsfälle auftreten oder wenn Durchfall im Kindergarten, in der Schule oder einer Betreuungseinrichtung um sich greift.
Natürlich muss der Arzt – falls es nicht der Hausarzt ist, der den Betroffenen und seine Krankengeschichte kennt –, auch wissen, ob der Patient wegen einer anderen Erkrankung mit Medikamenten behandelt wird oder wurde.
Der nächste Schritt, die körperliche Untersuchung, gilt schwerpunktmäßig den Bauchorganen. Außerdem überprüft der Arzt die Haut, Mundschleimhaut und Zunge nach Anzeichen für eine Austrocknung und anderen Krankheitszeichen. Eventuell kontrolliert er auch die Körpertemperatur und das Gewicht. Falls nötig, schließt sich eine Tastuntersuchung des Enddarms an. So lässt sich feststellen, ob ein Passagehindernis, etwa eine Gewebewucherung oder starrer, harter Stuhl vorliegt. In der Folge kann es nämlich auch zur „Überlaufdiarrhö“ kommen: Darminhalt entleert sich dann nur noch als Rinnsal am Hindernis vorbei. Definitionsgemäß ist das aber kein Durchfall, ebenso wenig wie eine Stuhlinkontinenz, also eine Verschlussstörung am Darmausgang.
Über 90 Prozent aller Diarrhöen sind infektiös bedingt. Bei Infektionen, die innerhalb von drei Tagen wieder vergehen, sind keine weiteren Untersuchungen nötig. In manchen Fällen oder bei Patienten, die einer Risikogruppe (siehe Kapitel „Überblick“) angehören, kann als dritter Schritt die Untersuchung von Stuhlproben notwendig sein. Darin werden Entzündungsmarker bestimmt, und es wird nach einem verantwortlichen Erreger gesucht. Diese Suche fokussiert vor allem auf Viren, Bakterien und Parasiten. Es gibt verschiedenste Methoden der Spurensicherung: vom Mikroskop oder der Anzüchtung des Erregers über den Nachweis seines Giftes bis zum Aufspüren seiner Erbsubstanz, weiterer bestimmter Merkmale (Antigene) und möglicher Toxingene. Das sind Gene, die für die Bildung spezieller Gifte (Toxine) verantwortlich sind. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelvergiftung werden auch Erbrochenes und verdächtigte Nahrungsmittel zu Ermittlungen herangezogen.
Je nach vermuteter Diagnose kann sich eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Bauchorgane anschließen oder eine Spiegelung (Endoskopie) der unteren Darmabschnitte (Prokto-Rekto-Sigmoideoskopie), des gesamten Dickdarms (Koloskopie), eventuell auch des Magens und oberen Dünndarms (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie). Dabei entnimmt der Arzt jeweils Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung. Mit der sogenannten Videokapselendoskopie ist das nicht möglich. Die neue Technik kommt bei Erkrankungen des Dünndarms zum Einsatz, die sich mit anderen Methoden nicht oder nur unzureichend abklären lassen. Als „Dickdarmkapsel“ eignet sich die Untersuchung dann, wenn eine herkömmliche Dickdarmspiegelung nicht infrage kommt. Nach ausreichender Vorbereitung zur Reinigung des Darmes wird die Kapsel geschluckt und nach Abgna aus dem Darm ausgewertet. Eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Bauchraumes, ergänzende Röntgenverfahren, zum Beispiel des Dünndarms, unterschiedlichste Analysen des Blutes und Urins sowie Stoffwechsel-Funktionstests helfen spezielle diagnostische Fragen zu beantworten.
Häufig wird zum Beispiel der H2-Atemtest (Kohlenhydrat-Belastungstest) angewandt. Einsatzgebiete sind mutmaßliche Aufnahmestörungen von Kohlenhydraten wie Milch- oder Fruchtzucker oder „Fehlbesiedlung“ des Darms mit Bakterien. Prinzip ist, dass die Darmbakterien unter bestimmten Voraussetzungen vermehrt flüchtige Gase wie Wasserstoff (H2) bilden, der über das Blut in die Lungen gelangt, abgeatmet und gemessen wird. Solche Voraussetzungen sind zum Beispiel die Anwesenheit von Bakterien in sonst bakterien„freien“ Darmbereichen oder von Test-Zuckern, die statt vom Darm von Bakterien aufgenommen und vergoren werden. Dabei entsteht Wasserstoff. Test-Zucker können zum Beispiel Milchzucker (Laktose) zur Feststellung einer Laktose-Unverträglichkeit, Traubenzucker (Glukose) und Zuckeraustauschstoffe wie Fruchtzucker (Fruktose), Sorbit oder Xylit sein. Daneben gibt es weitere Tests, beispielsweise solche, bei denen radioaktiv markierte Stoffe eingesetzt werden.
Weitere Informationen zu speziellen Untersuchungsverfahren in den einzelnen Kapiteln „Akut ...“ und „Chronisch ...“.
Um die Meldepflicht bei infektiösen Durchfallerkrankungen kümmern sich Ärzte und Laboratorien.
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 09.02.2012
Bildnachweis: W&B/Andreas Hirsch
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