Referenzbereich

Zusammenfassung:
An Stelle des unscharfen Begriffes "Normalbereich" ist international der Ausdruck "Referenzbereich" getreten.



Vielfach werden nicht nur unterschiedliche Referenzbereiche für Männer (M) und Frauen (W) angegeben, sondern auch für Kinder nach diversen Altersgruppen aufgeschlüsselt. Die zunehmende Bedeutung der Altersforschung ("Geriatrie") hat darüber hinaus dazu geführt, dass es für etliche Analysen auch spezielle Werte für alte Menschen gibt, wie z. B. Ferritin, diverse Hormone oder das prostataspezifische Antigen (Tumormarker PSA).

Leider gibt es den idealen Labortest, der in den Werten scharf zwischen "gesund" und "krank" unterscheiden kann, nicht. Daher kommt es im Grenzbereich zwischen "gesund" und "krank" zu Überlappungen. Einzelne, an sich gesunde Personen haben Messwerte im Bereich "krank", wiederum andere, an sich kranke Personen haben Messwerte im Bereich "gesund".

Referenzwerte können grundsätzlich nur durch Untersuchungen an so genannten "Gesunden Personen" erhoben werden. Der Aufwand, "gesunde" Personen durch alle Altersgruppen hindurch zu rekrutieren, ist sehr groß. Aus wirtschaftlichen Gründen kann die Zahl der Untersuchten Personen daher nicht unendlich groß sein. Dadurch ergeben sich bei verschiedenen Studien zur Referenzwerte-Erstellung leicht unterschiedliche Bereiche. Dies ist durch die Bio-Statistik (Variation der einzelnen Individuen untereinander) erklärbar.

Grundsätzlich muss jedes Labor zu jedem Analysenwert den eigenen Referenzbereich angeben, weil dieser auch methodenabhängig ist. Nur dieser Referenzwert kann zur Unterscheidung zwischen "gesund" und "krank" herangezogen werden.
Die Unterscheidungsschärfe ist bei verschiedenen Tests durchaus unterschiedlich. Diese Unschärfe der diagnostischen Qualität ist systemimmanent und kann durch eine eventuelle Verbesserung der analytischen Qualität nicht kompensiert werden!
Zu jeder Analyse existiert daher eine Grauzone, in der ein leicht pathologischer Wert keine diagnostische Bedeutung hat. Im Einzelfall können also nur zusätzliche Untersuchungen (Anamnese, physikalische Untersuchung des Patienten, EKG, Röntgenuntersuchung etc.) weiter führen.
 
Letzte Aktualisierung:
01.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Prof. Dr. med. Kurt Bauer
Experten für diese Seite:
Prof. Dr. med. Kurt Bauer (Labormedizin)
Dr. med. Michael Heins (Labormedizin)

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