Zusammenfassung:
Die Endoskopie ist ein optisches Untersuchungsverfahren, bei dem Hohlorgane und Körperhöhlen mit einem Endoskop gespiegelt werden. Sie ist die genaueste Untersuchungsmöglichkeit, weil gleichzeitig und schmerzfrei Gewebeproben zur weiteren Analyse entnommen werden können. Mit dem Endoskop können auch minimal invasive chirurgische Eingriffe durchgeführt werden.
Die Methode der Endoskopie wird in verschiedenen medizinischen Fachrichtungen (Gastro-Enterologie, HNO, Urologie, Orthopädie, Lungenheilkunde, Chirurgie, Frauenheilkunde) für unterschiedliche Diagnosestellungen eingesetzt.
Technik | ||||||||||
| Endoskope sind schlauchförmige flexible Geräte, die durch natürliche Körperöffnungen eingeführt werden. Die Größe der Endoskope ist sehr variabel: das kleinste Gerät ist ein Zytoskop oder Bronchoskop (50 cm lang, 0,5 cm dick), das größte Gerät ist ein Koloskop (120 cm lang, 1 cm dick). Sie sind vom Instrumentenkopf aus durch den Arzt mit Hilfe von Steuerrädern zu manövrieren. Licht wird über Glasfaserbündel im Endoskopschaft in die Körperhöhle oder das Hohlorgan gebracht. Am Ende des Geräts befindet sich ein Video-Chip, dessen Signale über das Gerät und ein Versorgungskabel an den Videoprozessor gelangen um am Monitor ein Life-Bild zu produzieren. Die Entwicklung der Glasfasertechnik und Mikroelektronik haben zur Entwicklung dieser modernen Endoskope geführt, welche die Patienten bei hervorragender Bildgebung wenig belasten und das starre Endoskop weitgehend verdrängt haben. Über einen Arbeitskanal kann einerseits Flüssigkeit abgesaugt werden, andererseits können verschiedene Instrumente eingebracht werden um im Körperinneren Diagnostik und endoskopische Behandlung (Intervention) durchzuführen. Dazu gehören Biopsiezangen für Gewebsproben, Fasszangen zur Entfernung von Fremdkörpern, Injektionsnadeln und Metall-Clips zur Blutstillung, Schlingen zur Polypenentfernung, Sprühsonden zum Aufbringen von speziellen Farbstoffen auf die Schleimhaut, diverse Schneideinstrumente, Ballons zur Dehnung von Engstellen oder Entfernung von Gallengangssteinen, Endoprothesen aus Kunststoff oder Metall. | ||||||||||
Vorgehensweise | ||||||||||
| Zur Vorbereitung einer Endoskopie wird der Patient je nach Art der Untersuchung positioniert und lokal betäubt (Lokalanästhesie). In manchen Fällen kann auch eine Vollnarkose erforderlich sein. Das Endoskop wird je nach Untersuchungszweck durch eine Körperöffnung oder durch einen Hautschnitt eingebracht. In den betroffenen Organen können auch verschiedene therapeutische Interventionen (Behandlungen) durchgeführt werden, indem über den Arbeitskanal des Endoskop-Schaftes entsprechende kleine chirurgische Instrumente oder Drainagen und Stents eingebracht werden. | ||||||||||
Endoskopie des Verdauungstrakts Die Endoskopie des Verdauungstraktes (gastrointestinale Endoskopie) wird eingesetzt:
Speziell ausgebildete Internisten oder Chirurgen führen diese Untersuchungen in Teamarbeit mit spezialisiertem Pflegepersonal durch. | ||||||||||
Endoskopie der Harnwege Die Endoskopie der ableitenden Harnwege (Blasenspiegelung, Zystoskopie) ist eine endoskopische Untersuchung, bei der Blase, Blasenhals und Harnröhre von deren Öffnung her inspiziert werden. | ||||||||||
Endoskopie der unteren Luftwege Die Betrachtung der Luftröhre und der Bronchien (Bronchoskopie) erfolgt durch das Einbringen eines flexiblen oder starren Bronchoskops über Mundraum und Rachen. | ||||||||||
Endoskopie der Brusthöhle Das in der Brusthöhle befindliche Brustfell und die Lungenoberfläche können endoskopisch untersucht werden (Thorakoskopie). Beim Raum hinter dem Brustbein, dem sogenannten Mittelfell oder Mediastinum, handelt es sich nicht wirklich um eine Körperhöhle. Er kann dennoch endoskopisch untersucht werden (Mediastinoskopie). Dazu wird unter Vollnarkose durch einen Hautschnitt am Hals über dem Brustbein das Mediastinoskop eingeführt, um den Bereich zwischen Herz, Bronchien und Speiseröhre zu untersuchen. | ||||||||||
Endoskopie der Bauchhöhle Die endoskopische Untersuchung der Bauchhöhle heißt Laparoskopie und wird unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt. Der Zugang zur Bauchhöhle erfolgt über einen operativen Schnitt meist in der Nähe des Bauchnabels. Es wird Luft in den Bauch geblasen und durch einen zweiten Schnitt können mit dem Endoskop die Organe betrachtet werden. Zur Entnahme von Gewebe ist ein dritter kleiner Schnitt für die Einbringung der Instrumente nötig. Bei Untersuchung der weiblichen inneren Geschlechtsorgane (Eileiter, Eierstöcke, Gebärmutter) wird mittels Laparaskop eine Beckenspiegelung (Pelviskopie) gemacht. Dazu muss zusätzlich die Gebärmutter mit einer vaginal eingebrachten Zervixsonde angehoben werden. Eine Spiegelung der Gebärmutterhöhle (Hysteroskopie) zwecks Untersuchung der Schleimhaut erfolgt durch die Vagina. | ||||||||||
Endoskopie der Gelenke Bei der Gelenkspiegelung (Arthroskopie) wird ein kleinkalibriges Endoskop mit einem Durchmesser von ca. 4,5 mm für große und 3 mm für kleine Gelenke meist unter Vollnarkose, seltener in Regional-Anästhesie, durch einen kleinen Hautschnitt in das Gelenk eingeführt. Arthroskopisch untersucht werden können die großen Gelenke (Knie, Schulter, Ellenbogen, oberes Sprunggelenk, teilweise auch das Hüftgelenk). Unter Verwendung von sogenannten "Needlescopes" ist auch eine Arthroskopie kleiner Gelenke möglich (Kiefergelenk, Handgelenk, Finger- und Zehengrundgelenke). Im Zuge der Arthroskopie können ebenfalls operative Eingriffe wie beispielsweise die Entfernung von abgerissenen Meniskusanteilen oder das Nähen von gerissenen Bändern durchgeführt werden. | ||||||||||
Patientenrisiko | ||||||||||
| Eine über die natürlichen Körperöffnungen durchgeführte endoskopische Untersuchung ist meist unangenehm, aber nicht wirklich schmerzhaft. Der Patient muss über das Risiko aufgeklärt werden, das bei der spezifisch durchzuführenden endoskopischen Untersuchung selbst besteht oder bei der möglicherweise notwendigen Ausdehnung des im Zuge der Endoskopie durchzuführenden Eingriffs. Die Unterschrift des Patienten oder des rechtlichen Vertreters zum Einverständnis ist notwendig. Die Endoskopie gehört zu den diagnostischen Standarduntersuchungen und verursacht in den meisten Fällen eher selten Komplikationen. Je erfahrener der diagnostizierende Arzt im Umgang mit dem Endoskop ist, desto geringer ist die Gefahr einer Verletzung. Dennoch kann es vorkommen, dass durch eine endoskopischen Untersuchung das Gewebe (Darmwände, Schleimhäute) gereizt oder geschädigt wird. Geringfügige Blutspuren nach einer Endoskopie können vorkommen und sind meist ungefährlich. | ||||||||||
| ||||||||||
Endoskopische Untersuchungsverfahren sind heute Standard und ersetzten in vielen Fällen größere Eingriffe. Die Angst vor Komplikationen sollte nicht Anlass sein, eine dringend notwendige diagnostische oder therapeutische Maßnahme zu verweigern. | ||||||||||
| Letzte Aktualisierung: 22.03.2007 (Patricia Herzberger) |
| Autor: Frank Hartmann |
| Experten für diese Seite: |
Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 16.09.2009
Anzeige