Diabetes mellitus Typ 2
Therapie

Medikamente und eine gesunde Lebensweise gehören zur Behandlung

Die Krankheit als Chance: Im besten Fall ist sie Anlass, sich selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Viel bewegen und clever essen, lautet das beste Therapierezept
Die Diagnose „Diabetes“ ist erst einmal ein Schock. Die meisten Diabetiker kommen jedoch sehr gut mit ihrer Erkrankung zurecht. Viele nehmen den Einschnitt zum Anlass, sich künftig besser um den eigenen Körper zu kümmern, sie essen bewusster und werden sportlicher. So kann die Krankheit im Idealfall sogar zu einem gesünderen Lebenswandel und besserem Wohlbefinden führen. Die moderne Therapie hat dem Diabetes viel von seinem Schrecken genommen. Strikte Verbote gehören ebenso der Vergangenheit an wie rigide Diätpläne. Grundlage der Behandlung sind einfache Empfehlungen, die auch für jeden Gesunden gelten: Ausgewogen essen, Übergewicht langsam und dauerhaft abbauen, und vor allem: viel bewegen. Wer diese Ratschläge beherzigt, hat gute Chancen, die Krankheit zumindest eine ganze Weile lang ohne Medikamente in den Griff zu bekommen und Folgeschäden zu verhindern.

Schulung: Selbst ist der Patient

 

Niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser bieten spezielle Schulungen für Diabetiker an. Sie sind sehr empfehlenswert. Hier lernen Patienten Wissenswertes über die richtige Ernährung, bekommen Antworten auf ihre Fragen und viele praktische Tipps für den Alltag. Sie lernen außerdem, den Blutzucker selbst zu kontrollieren, werden Manager in eigener Sache.

Gewicht unter Kontrolle?

 

Zu viele Pfunde belasten den Stoffwechsel und fördern Diabetes. Ob es ratsam ist abzuspecken, verrät die Messung des Bauchumfangs: Dazu im Stehen das Bandmaß auf Höhe des Nabels um den Bauch legen. Für Frauen beträgt der Grenzwert 88 Zentimeter, für Männer 102 Zentimeter.

Ein wichtiger Anhaltspunkt ist der Body Mass Index, abgekürzt BMI. Er wird in Kilogramm pro Quadratmeter ausgedrückt. Diese Berechnung bezieht sich auf die Körperoberfläche. Tipp: Am unteren Seitenrand finden Sie den Link zu unserem praktischen Online-BMI-Rechner.

Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beginnt Übergewicht ab einem BMI von 25, die Adipositas (Fettleibigkeit) ab einem BMI von 30. Ein BMI von 25 entspricht ungefähr der Körpergröße in Zentimetern minus 100.

Wer Gewicht reduzieren muss, sollte vor allem Geduld mitbringen. Radikalkuren sind weder erfolgversprechend noch gesund. Besser ist es, langsam aber dauerhaft abzuspecken.

Ernährung: Verbote sind „out“

 

Für die meisten Typ-2-Diabetiker ist es am wichtigsten, überflüssige Pfunde abzubauen. Das gelingt am besten mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung, die einige Grundregeln beherzigt:

Auf den Speiseplan gehört viel Obst und Gemüse.

  • Kohlenhydrate sollten bevorzugt aus ballaststoffreichen Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten stammen. Im Gegensatz zu hellen Mehlen und Haushaltszucker lassen sie den Blutzuckerspiegel nicht so rasant ansteigen.

  • Bei tierischen Fetten heißt es: Zurückhaltung üben! Günstig sind Fisch, magere Fleisch- und Käsesorten sowie fettarme Milch. Besser als gehärtete Fette sind pflanzliche Öle wie Raps- oder Olivenöl.

  • Zucker ist nicht generell verboten, sollte aber nicht mehr als 10 Prozent der Gesamtenergie ausmachen. Vorsicht, „versteckter“ Zucker, zum Beispiel in Kuchen, muss hier mit eingerechnet werden.

  • Süßes, Knabbereien und Alkohol nur ausnahmsweise genießen. Achtung: Alkohol ist eine kleine Kalorienbombe.

  • Spezielle Diabetiker-Produkte sind absolut kein „Muss“. Manche Produkte liefern sogar zu viel Fett und sind deshalb eher ungünstig. Süßstoffe können aber durchaus helfen, Kalorien einzusparen.

Komplizierte Rechenkünste sind bei Typ2  Diabetes oft gar nicht erforderlich. Wer allerdings Sulfonylharnstoff-Präparate einnimmt oder Insulin spritzt, sollte am besten in einer Schulung lernen, den Kohlenhydratanteil der Nahrung – die so genannten Broteinheiten – abzuschätzen und mit ihrer Diabetesmedikation abzustimmen.


Nicht nur intensiver Sport wirkt: Schon jeder kleine Spaziergang zählt

Bewegung: Macht Spaß – und gesund

 

Regelmäßiger Sport ist nicht nur der beste Weg, Speckpölsterchen abzubauen. Bei körperlicher Aktivität verbrennt der Körper mehr Zucker, außerdem werden die Muskelzellen empfindlicher für Insulin, können Glukose also wieder besser aufnehmen und verwerten. Die erfreuliche Folge: Der Blutzuckerspiegel sinkt. Dieser Effekt hält sogar noch nach dem Sport eine ganze Weile an. Regelmäßiges Training wirkt sich langfristig günstig auf den gesamten Organismus aus. Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie zum Beispiel Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Skilanglauf, Wandern oder auch Tanzen – je nach Geschmack. Der Spaß sollte dabei nicht zu kurz kommen, sonst fällt es gewöhnlich schwer, durchzuhalten. Ideal sind drei bis vier halbstündige Trainingseinheiten pro Woche. Generell gilt jedoch: Jede Bewegung zählt, auch der kleine Spaziergang um den Block. Anfänger sollten sich vor dem Start ins Sportlerleben auf jeden Fall vom Arzt beraten lassen. Unter Umständen muss auch die Therapie entsprechend angepasst werden.

Medikamente: Die perfekte Ergänzung

 

Die richtige Ernährung und viel Bewegung sind die unabdingbare Basis der Behandlung. Sollten die Blutzuckerwerte damit allein nicht in den Griff zu kriegen sein, helfen Tabletten, so genannte „orale Antidiabetika“. Sie setzen an verschiedenen Stellen an: Manche stimulieren die Bauchspeicheldrüse, noch etwas mehr Insulin freizusetzen, manche verstärken die Wirkung des Insulins an der Zelle, wieder andere sorgen dafür, dass Glukose aus der aufgenommenen Nahrung nur verzögert freigesetzt wird oder sie bremsen die Neubildung von Glukose in der Leber. Tabletten sind allerdings kein Ersatz für einen gesünderen Lebenswandel.

Wichtige Medikamentengruppen sind

Metformin
Sulfonylharnstoffe
Alpha-Glukosidasehemmer
Glitazone
Glinide
Gliptine                                                                                   Inkretin-Mimetika und -Verstärker



Insulin: Keine Angst vor Spritzen

 

Bringen Lebensweise und Tabletten nicht (mehr) das gewünschte Ergebnis, muss Insulin gespritzt werden. Moderne Spritzhilfen machen die Therapie unkompliziert. Weil sie so handlich sind wie ein normaler Stift, werden sie Pen genannt, nach dem englischen Wort pen für Füllfederhalter.

Konventionelle Insulintherapie: Vereinfacht gesagt, richtet sich der Patient bei dieser Behandlungsform mit seiner Ernährung nach dem vorgegebenen Therapieschema.

Intensivierte Insulintherapie: Hier lernt der Betroffene, die nötige Insulindosis selbst an seinen Lebensrhythmus, also Mahlzeiten, Bewegung und aktuellen Blutzuckerwert anzupassen. Dabei kommt eine Kombination aus schnell und verzögert wirksamen Insulinarten zum Einsatz. Auf diese Weise wird die natürliche Blutzuckerregulierung des Körpers besser nachgeahmt und ein spontanerer Alltag möglich. Voraussetzung ist aber, dass der Patient seinen Blutzucker mehrmals täglich bestimmt und gut über die richtige Ernährung und die Insulintherapie Bescheid weiß.

Im Jahr 2006 kam ein spezielles Insulinpulver in die Apotheken, das über einen Inhalator eingeatmet werden konnte. Allerdings stieß es weder bei den Ärzten noch bei den Patienten auf die erhoffte Resonanz. Ende 2007 wurde es daher wieder vom Markt genommen.

Sonderfall Transplantation

 

In Ausnahmefällen kommt eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse infrage, zum Beispiel dann, wenn ohnehin eine Niere transplantiert werden muss. Eine echte Therapieoption bei Typ 2 ist diese Operation aber nicht. Sie birgt Risiken, außerdem müssen die Patienten anschließend lebenslang Medikamente nehmen, die eine Abstoßung des neuen Organs verhindern.


Diagnose Diabetes? Dann ist die regelmäßige Blutdruckkontrolle besonders wichtig

Wichtige Behandlungsziele:

Blutzucker
Anzustreben ist ein Nüchtern-Blutzucker zwischen 80 und 120 Milligramm pro Deziliter (das entspricht 4,4 bis 6,7 Millimol pro Liter). Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind wichtig. Mit etwas Schulung können Patienten ihre Werte zu Hause auch zusätzlich selbst kontrollieren.

HbA1c: Das „Blutzucker-Gedächtnis“
Wie gut war die Therapie in den vergangenen sechs bis acht Wochen? Eine einfache Antwort liefert der HbA1c-Wert, den der Arzt in regelmäßigen Abständen aus dem Blut bestimmen sollte. „Hb“ steht für den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. An ihn lagern sich Zuckermoleküle an – je höher der mittlere Blutzuckerspiegel, desto mehr. Der Zielwert für Typ 2 Diabetes liegt bei 6,5 Prozent.  

Blutdruck
Bei Patienten mit Typ 2 Diabetes ist Bluthochdruck häufig und besonders problematisch. Denn der erhöhte Druck verstärkt Gefäß- und Organschäden, die durch die Zuckerkrankheit entstehen, noch zusätzlich. Diabetiker profitieren deshalb doppelt von einer Blutdruck-Therapie. Angestrebt werden sollten Werte von maximal 130 / 80 mmHg. Ist die Niere bereits geschädigt, sollten die Werte bei unter 125 / 75 mmHg liegen. Am besten lernen Betroffene, ihren Blutdruck zu Hause selbst zu überprüfen. Mit handlichen Geräten aus der Apotheke ist das kein Problem.

Blutfette
Der Arzt kontrolliert regelmäßig die Cholesterin- und Triglyzeridwerte im Blut. Sie sollten im optimalen Bereich liegen, da sich sonst das Risiko von Herz-Kreislaufkrankheiten zusätzlich erhöht. Bei der Risikoabwägung kommt es in erster Linie auf das LDL an. Es sollte bei unter 100 Milligramm pro Deziliter liegen, das entspricht 2,6 Millimol pro Liter. Eine ausgewogene Ernährung, Gewichtsreduktion und regelmäßiger Ausdauersport wirken sich günstig auf den Fettstoffwechsel aus.

Nicht (mehr) Rauchen
Der blaue Dunst schädigt die Blutgefäße zusätzlich. Für Diabetiker ist das besonders fatal, denn das Risiko von Folgeerkrankungen addiert sich nicht nur, es multipliziert sich. Deshalb: Unbedingt auf den Glimmstängel verzichten!

Auf Zähne und Zahnfleisch achten
Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischerkrankungen. Eine gründliche Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche sind Pflicht.

 

Folgekrankheiten rechtzeitig erkennen:

Augen: Beginnende Augenveränderungen werden vom Patienten oft nicht bemerkt, deshalb sollte das Sehvermögen mindestens einmal pro Jahr vom Augenarzt untersucht werden. Sind bereits Schäden zu erkennen, ist die optimale Stoffwechseleinstellung besonders wichtig. Mit Laser oder Operation können Augenärzte zusätzlich helfen.

Nieren: Ebenfalls jährlich ist eine Untersuchung des Harns auf Albumin ratsam. Das Eiweiß ist ein früher Hinweis auf (beginnende) Nierenschäden und auch auf mögliche Gefäßprobleme an anderen Stellen des Körpers. Eine optimale Therapie kann die Niere schützen. Ganz wichtig ist auch hier die konsequente Behandlung eines zu hohen Blutdrucks.

Nerven: Der Arzt überprüft Reflexe, Temperatur- und Vibrationsempfinden, um eine Neuropathie frühzeitig zu erkennen.

Füße: Diabetiker sollten ihre Füße täglich mit einem Spiegel auf unbemerkte Verletzungen untersuchen, die Füße nach dem Waschen gut abtrocknen und eincremen und vorsichtshalber aufs Barfußgehen verzichten. Die Schuhe sollten gut passen, breit und bequem sein, die Socken dürfen keine Falten werfen, sonst können Druckstellen entstehen. Die Fußpflege nimmt am besten ein Profi vor. Schon bei kleinsten Problemen oder Fußpilz ist der Arzt gefragt. Er sollte die Füße alle drei Monate auch vorsorglich inspizieren.