Diabetes mellitus Typ 2
Notfälle: Wenn der Stoffwechsel entgleist

Was Unterzucker (Hypoglykämie) und Überzuckerung (Hyperglykämie) auslöst. Wie Sie reagieren sollten

Traubenzuckertäfelchen: Schnelle Hilfe bei Unterzucker

Schwere Störungen des Zuckerhaushaltes kommen bei Typ 2 Diabetes seltener vor als bei Typ 1. Trotzdem sollten Patienten, ihre Angehörigen und Kollegen die Gefahren kennen, damit sie im Ernstfall richtig reagieren:

Unterzucker: Hypoglykämie nennen Ärzte Blutzuckerwerte unter 50 Milligramm pro Deziliter Blut (das entspricht 2,8 Millimol pro Liter). Auslöser gibt es viele, zum Beispiel längere Hungerphasen, Infektionen, Therapiefehler oder ungewöhnlich starke körperliche Anstrengung. Auch Alkoholgenuss kann Unterzucker begünstigen. Schon bevor der oben genannte Grenzwert für eine Unterzuckerung erreicht wird, kann ein sinkender Blutzuckerspiegel Anzeichen der Hypoglykämie auslösen. Dazu gehören Schweißausbrüche, Herzjagen, Blässe um Mund und Nase, später auch Zittern, Schwäche, Heißhunger und Kopfschmerzen. Konzentrations-, Sprach- und Sehstörungen können dazukommen, ebenso Verhaltensauffälligkeiten und Krampanfälle. Schwere Hypoglykämien führen rasch zur Bewusstlosigkeit und zum Koma. Sie sind daher ein ernster Notfall. Wenn sich die ersten Unterzuckeranzeichen einstellen, müssen Patienten deshalb sofort reagieren und den Körper mit schnell verfügbaren Kohlenhydraten versorgen: Gut geeignet sind zum Beispiel Traubenzuckertäfelchen und Fruchtsäfte. Wer zu Unterzucker neigt, sollte davon immer einen „Notvorrat“ dabei haben.

 

Überzuckerung (Hyperglykämie): Bei Insulinmangel klettert der Blutzuckerwert so weit in die Höhe, dass reichlich Zucker über die Nieren ausgeschieden wird. Im Schlepptau hat er jede Menge Flüssigkeit. Über Tage und Wochen trocknet der Körper auf diese Weise schleichend aus, der Stoffwechsel gerät massiv aus dem Lot. Seltener als bei Typ 1 kommt es bei Typ 2 Diabetes zu einer Übersäuerung (Azidose): Bei einem gravierenden Insulinmangel kann der Körper den Blutzucker gar nicht mehr verwerten. Um die lebenswichtige Energie zu gewinnen, weicht er auf eine Notlösung aus: Er baut verstärkt Fett ab. Dabei entstehen jedoch saure Stoffwechselprodukte, so genannte Ketonkörper, die sich im Blut anreichern und zu einer gefährlichen Übersäuerung führen. Sie kann ohne Therapie im Koma enden. Auslöser einer Hyperglykämie sind zum Beispiel Infekte, vergessene Insulingaben oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Symptome sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durst. Bei der seltenen Übersäuerung riecht der Atem nach Nagellack oder faulen Äpfeln.

Bei ungewöhnlich hohen Blutzuckerwerten oder Verdacht auf eine Stoffwechselentgleisung sollte sofort ein Arzt verständigt werden.


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