Defibrillator: Neustart für das Herz

Wenn das Herz in eine lebensgefährliche Rhythmusstörung gerät, soll ein Defibrillator mittels Elektroschocks den normalen Herzrhythmus wieder herstellen

von Dr. med. Dagmar Bischoff, aktualisiert am 27.11.2014

Beim Einsatz des Defibrillators sollten Helfer Abstand halten, um keinen Stromschlag zu bekommen

Imago Stock & People/Jochen Tack

Manchmal entscheiden Minuten über Leben und Tod. Wie zum Beispiel bei einem Wanderer, der in den Stubaier Alpen bewusstlos zusammenbrach, nur wenige Meter entfernt von der Regensburger Hütte. Der Hüttenwirt Thomas Eder lief sofort zu dem leblosen Mann und versetzte ihm mit einem Defibrillator Elektroschocks. Der dritte Schock konnte den Wanderer ins Leben zurückholen. So zu lesen in der Online-Ausgabe der Kronenzeitung vom 18.08.2012.

Der Wanderer hatte Herzkammerflimmern, das zum Herzstillstand und damit innerhalb weniger Minuten zum Tod führt, wenn es nicht unterbrochen wird. Wir sprechen vom plötzlichen Herztod, an dem in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen versterben. Das sind doppelt bis dreimal soviel wie bei Verkehrsunfällen.

Wie funktioniert ein Defibrillator?

Zum Unterbrechen von Kammerflimmern und anderen lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen eignen sich Elektroschocks. Sie sorgen im Herzen zunächst einmal für Ruhe, indem sie alle Erregungen unterbrechen. Dadurch hat das Herz die Chance, wieder einen geordneten Herzschlag zu beginnen. Und genau das macht der Defi, wie der Defibrillator im Ärztejargon heisst. Jeder hat es in Fernsehsendungen wie "Emergency Room" schon gesehen. Ein bewusstloser Patient wird rennend in die Notaufnahme gebracht. "Kein Puls, keine Atmung", rufen die Schwestern. Souverän erscheint George Clooney auf der Mattscheibe und verlangt den "Defi". Er setzt die Paddels auf dem Brustkorb des Patienten auf, ruft "Achtung Schock". Der Körper des Patienten zuckt. Kurz darauf ist er wieder wohlauf.

Voraussetzung für den Erfolg der Schockbehandlung ist der rechtzeitige Einsatz des Defibrillators. Denn mit jeder Minute, die vergeht, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um bis zu 10%. Und schon nach drei Minuten setzt ein Absterben der Gehirnzellen ein. Es kommt also auf jede Minute an. Entscheidend ist demnach, dass im entsprechenden Moment ein Defibrillator zur Hand ist und es jemanden gibt, der ihn bedienen kann.

Welche Arten von Defibrillatoren gibt es?

Der Gebrauch von Defibrillatoren war früher Ärzten und Sanitätern vorbehalten. Sie wurden nur im Krankenhaus und im Rettungsdienst benutzt.


AED: Defibrillator am Frankfurter Flughafen

W&B/Ute Schmidt

Da durch das Warten auf den Notarzt oftmals zu viel Zeit verstreicht, wurden die automatisierten externen Defibrillatoren (AEDs) entwickelt, die auch von Laien bedient werden können. AEDs hängen inzwischen an vielen öffentlichen Plätzen, wie zum Beispiel Flughäfen, Sporteinrichtungen und Ämtern. Am Frankfurter Flughafen sollen sie schon 14 Menschen das Leben gerettet haben, in der Münchener U-Bahn 18.

Zusätzlich gibt es die implantierbaren Defibrillatoren oder kurz ICDs. Die Abkürzung ICD steht für "Implantierbarer Cardioverter Defibrillator". Der ICD wird bestimmten Menschen wie ein Herzschrittmacher unter die Haut eingesetzt. Er hat Elektroden, die zum Herzen führen, um dort eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung zu erkennen und im Bedarfsfall selbstständig einen Elektroschock abzugeben. Der ICD kommt für Menschen in Frage, die besonders gefährdet sind, am plötzlichen Herztod zu versterben. Das ist der Fall, wenn bereits ein Kreislaufstillstand aufgetreten ist, und bei Herzerkrankungen, die häufig mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen einhergehen.

Wie soll man bei der Defibrillation mit einem AED vorgehen?

Die AEDs sind nach dem Einschalten selbsterklärend. Entweder per Sprachausgabe oder per Monitor gibt das Gerät dem Benutzer genaue Anweisungen, was er zu tun hat. Es fordert den Benutzer auf, die zwei Klebeelektroden am Patienten anzubringen, schreibt selbständig ein EKG und wertet aus, ob ein Elektroschock nötig ist. Entsprechend gibt es dem Benutzer weitere Anweisungen. Er kann dann den Elektroschock über einen Knopfdruck auslösen. Zu diesem Zeitpunkt darf keine Person den Patienten berühren.
Trotzdem sollte natürlich vor der Benutzung des AEDs der Notruf 112 abgesetzt werden.

Wie wird die Entwicklung weitergehen?

AEDs werden inzwischen auch für den Privatgebrauch zu Hause angeboten. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt jedoch nicht die private Anschaffung eines AEDs, weil der Nutzen eines AEDs im Wohnzimmerschrank nicht wissenschaftlich belegt ist.

Wichtig wäre aber eine vermehrte Aufklärung und Schulung der Bevölkerung. Denn obwohl die Bedienung der AEDs so einfach wie möglich konzipiert wurde, schreckt die Bevölkerung im Notfall häufig vor deren Gebrauch zurück.


Prof. Wolfram Delius

W&B/Bernhard Huber

Beratender Experte: Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er habilitierte sich an der medizinischen Universitätsklinik Uppsala, Schweden, und hatte anschließend eine außerordentliche Professur für Medizin an der Technischen Universität München inne. Der Herzspezialist war lange Zeit als Chefarzt tätig, zuletzt zwei Jahrzehnte an der Abteilung Kardiologie/Pneumologie am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen (Akademisches Lehrkrankenhaus).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Ute Schmidt, W&B/Bernhard Huber, Imago Stock & People/Jochen Tack
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