Jedes Jahr erkranken etwa 73.000 Deutsche an Darmkrebs. Rund 27.000 Menschen sterben daran, schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum. Eine traurige Tatsache, denn eine Vielzahl von Darmkrebsfällen könnte vermieden werden, so der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen. Denn mit einer Darmspiegelung lassen sich Vorstufen von Darmkrebs entdecken und entfernen.
Der Magen-Darm-Spezialist Dr. Arno Theilmeier aus Mönchengladbach erklärt, wie die Untersuchung abläuft und warum die Bedenken davor meist unbegründet sind.
Herr Theilmeier, wie läuft eine Darmspiegelung ab?
Die Vorbereitung beginnt bereits am Vortag der eigentlichen Untersuchung. Der Patient muss ein Abführmittel einnehmen, damit der Darm vollständig entleert wird. Danach muss er eine größere Menge Flüssigkeit trinken. Früher waren das unangenehm schmeckende Salzlösungen, heute sind die Lösungen jedoch mit Fruchtaromen angereichert.
Die eigentliche Darmspiegelung dauert rund 20 Minuten. Der Arzt führt über den After ein fingerdickes, schlauchartiges Gerät – das Endoskop – in den Dickdarm ein und schiebt es bis zum Dünndarm vor. Von da zieht der Arzt das Endoskop vorsichtig wieder zurück und betrachtet dabei am Bildschirm die Darmschleimhaut. In das Gerät ist eine Hightech-Kamera integriert, mit der sich Veränderungen in der Schleimhaut sehr gut erkennen lassen.
Viele Menschen haben Angst vor der Untersuchung. Warum?
Nun, erstens haben die Menschen, die zur Vorsorge kommen, keine Beschwerden. Deshalb unterziehen sie sich nur ungern einer vielleicht schmerzhaften Untersuchung. Zweitens haben die Patienten Angst vor einem möglicherweise negativen Ergebnis.
Da sich auf der Innenseite der Darmschleimhaut keine Nervenenden befinden, die ein Schmerzempfinden auslösen könnten, verläuft die Darmspiegelung normalerweise schmerzfrei. Lediglich ein leichtes Drücken, ähnlich wie bei Blähungen, kann auftreten. Wer möchte, kann vor dem Eingriff ein Medikament bekommen, dass etwas müde macht und beruhigt.
Nahezu jeder meiner Patienten und Patientinnen hat nach der Untersuchung gesagt, die Angst davor sei völlig unbegründet gewesen.
Birgt die Darmspiegelung auch Risiken?
Ja, aber nur minimal. Es kommt wirklich nur sehr selten vor, dass Blutungen auftreten oder der Arzt versehentlich die Dickdarmwand durchstößt. Die Wahrscheinlichkeit, durch eine Darmspiegelung Blutungen mit Spätfolgen zu bekommen, liegt beispielsweise bei 0,0048 Prozent.
Lässt sich Darmkrebs durch diese Untersuchungsmethode tatsächlich verhindern?
Ja. Denn in den allermeisten Fällen entwickelt sich der Krebs aus Darmpolypen. Das sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die durch verschiedene Faktoren bösartig werden können.
Mit dem Endoskop sucht der Arzt die Darmschleimhaut unter anderem genau nach diesen Polypen ab. Entdeckt er eine Wucherung, entfernt er sie gleich. Meist mit einer Schlinge, Zange oder einer ähnlichen Vorrichtung, die sich im Endoskop befindet.
Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, um mindestens 95 Prozent. Ist der Darmpolyp bereits entartet, lässt sich dies anhand der Darmspiegelung in einem sehr frühen Stadium erkennen. Die Chancen auf Heilung sind dann ziemlich hoch.
Ab wann zahlt die Krankenkasse das Screening?
Ab einem Alter von 55 Jahren. Denn ab diesem Lebensabschnitt steigt das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, an. Für Menschen, die ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben, zahlen die Kassen auch früher. Zum Beispiel, wenn diese Tumorart in einer Familie gehäuft vorkommt. Das muss aber individuell mit dem jeweiligen Krankenversicherer abgeklärt werden.
Hat der Patient keine Beschwerden, erfolgt die nächste Darmspiegelung nach zehn Jahren. Liegt ein verdächtiger Befund vor, können sich die Abstände jedoch verkürzen.
Was gibt es für Alternativen?
Es gibt den Test auf nicht sichtbares, also okkultes Blut im Stuhl. Der Nachweis beruht auf der Tatsache, dass die Darmschleimhaut bei einem Kolonkarzinom häufiger blutet. Leider ist der Test ziemlich ungenau. Erstens treten bei dem Tumor nicht dauerhaft Blutungen auf, weshalb sich Darmkrebs mit diesem Test nicht sicher ausschließen lässt. Zweitens muss ein positives Testergebnis nicht immer Krebs bedeuten. Auch andere Krankheiten können zu Blutungen im Darm führen. Zudem kann der Nachweis auch fälschlicherweise positiv sein, obwohl gar keine Blutung vorliegt.
Darüber hinaus gibt es die Spiegelung des Mastdarmes und der unteren Teile des Dickdarmes, eine Sigmoidoskopie. Das ist sozusagen eine „kleine“ Darmspiegelung. Leider ist diese Untersuchung weniger aussagekräftig als eine „echte“ Darmspiegelung, da sie nicht den gesamten Dickdarm einbezieht.
Am besten, Patienten lassen sich im Vorfeld gründlich über Vor- und Nachteile der einzelnen Nachweismethoden vom Arzt beraten.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
09.03.2010, aktualisiert am 22.11.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/Chris Pole
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