Ein Schmerz in der Leiste, eine münzgroße Schwellung, die wächst. Dahinter kann sich ein Leistenbruch verbergen. Er ist mit 80 Prozent die häufigste Form der Bauchwand-Brüche, der sogenannten Hernien. Leistenbrüche betreffen zu 90 Prozent Männer, denn diese haben zwei besondere Schwachstellen in der Bauchdecke: Während der Entwicklung des männlichen Fötus wandert der Hoden vom Bauch in den Hodensack, wobei er durch eine Muskellücke tritt. Dieser Weg kann sich später bei höherer Druckbelastung wieder öffnen.
Alle äußeren Hernien entstehen im Prinzip ähnlich: Bei Druck im Bauchraum weichen die Muskeln und Sehnenplatten der Bauchwand auseinander. Durch die Lücke, die so entsteht, quillt die Innenauskleidung der Bauchwand, das Bauchfell, und bildet den Bruchsack. Von diesem umhüllt, können auch Organe durch die Bauchwand treten. Das kann gefährlich werden, zum Beispiel, wenn sich Teile des Darms so in dem Riss verklemmen, dass ihre Blutgefäße abgedrückt werden. „Im schlimmsten Fall sterben Organe ab, und das Bauchfell entzündet sich“, erklärt Professor Jürgen Faß vom Klinikum Kassel. Als Symptome treten dann oft Schmerz, Übelkeit und Erbrechen auf. „Hier ist das Leben des Patienten in Gefahr.“
Doch nicht jede Hernie ist gleich kritisch. „Nabelhernien beispielsweise, die bei Neugeborenen sehr häufig vorkommen, gehen bis zum fünften Lebensjahr meistens von selbst zurück und sind in der Regel harmlos“, beruhigt Professor Volker Schumpelick, Leiter der Chirurgischen Universitätsklinik Aachen. Dagegen kann ein Leistenbruch bei einem Kind schnell zum behandlungsbedürftigen Notfall werden.
Schenkelhernien kommen fast nur bei Frauen vor. Sie treten relativ selten auf, werden aber meistens eingeklemmt und sind daher sehr gefährlich. „Bei jeder neuen Vorwölbung an Bauch, Leiste oder Oberschenkel sollte man möglichst schnell einen Arzt zurate ziehen“, betont Schumpelick. „Schwaches Bindegewebe, Schwangerschaft, Fettleibigkeit oder Wasseransammlungen im Bauch sind oft an der Entstehung beteiligt.“
Symptomlose Hernien bilden sich spontan zurück oder lassen sich durch leichten Druck zurückdrängen. Kritisch wird es, wenn sie eingeklemmt werden. „Daher greifen Ärzte in diesem Notfall chirurgisch ein“, erklärt Joachim Conze, Privatdozent an der Aachener Universitätsklinik. Je nach Lage und Bruchform gehen sie offen oder minimal-invasiv vor und setzen eine lokale Betäubung oder Narkose ein. Beim chirurgischen Eingriff geht es darum, den Bruchsack mitsamt Inhalt dauerhaft in den Bauch raum zurückzuverlagern und die Bruchpforte sicher zu verschließen. „Je nach Hernie nähen wir die auseinandergewichenen Schichten zu oder verstärken die Schwachstelle mit einem Netz aus Kunststoff oder biologischem Gewebe“, sagt Schumpelick.
Hernien treten je nach ihrer Lage und je nach Reparaturtechnik in bis zu zehn Prozent der Fälle erneut auf. Bei unkomplizierten Brüchen kann der Patient die Klinik häufig noch am selben Tag verlassen. Danach sollte er ausreichend Schmerzmittel einnehmen und sich etwa eine Woche schonen.
Der Leistenbruch
Bei dieser häufigsten Form einer Hernie wölben sich Teile des Darms oberhalb des Leistenbands durch die Bauchwand. Vor allem Männer sind betroffen. Nabelbrüche treten seltener auf.
Schenkelhernie
Diese gefährliche Bruchform kommt fast nur bei Frauen vor. Häufig wird dabei der Darm eingeklemmt und kann nicht mehr in den Bauchraum zurückgedrückt werden.
Annemarie Schwarz / Apotheken Umschau;
08.01.2010, aktualisiert am 12.01.2012
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