Leistenbruch (Leistenhernie): Therapie / Operation

Ist es zu einem Leistenbruch gekommen, empfehlen Experten in fast allen Fällen eine Operation. Es gibt unterschiedliche Verfahren, die für Patienten infrage kommen
12.12.2013

Operation nach Shouldice: Hierbei wird ein Hautschnitt vorgenommen, der Bruchsack zurückgeschoben und die Wunde vernäht

W&B/Ulrike Möhle

Jeder Leistenbruch sollte operiert werden. Denn er bildet sich nicht von selbst wieder zurück und vergrößert sich mit der Zeit. Zudem besteht immer die Gefahr, dass sich Darm- oder Fettgewebe in der Ausstülpung verfängt und abgeschnürt wird. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und bedarf einer sofortigen Operation. Welche Operationsmethode für einen harmlosen Leistenbruch infrage kommt, hängt von vielen Faktoren ab. So spielt das Alter des Patienten eine Rolle, ebenso wie die Lage und Größe des Bruchs. Außerdem eignen sich manche Verfahren nicht, weil sie einer Vollnarkose bedürfen. Dies kommt nicht für jeden Patienten infrage. Wichtig: Eine Leistenbruch-OP sollte ein erfahrener Chirurg vornehmen, der sich auf eines der unten beschriebenen Verfahren spezialisiert hat.

Prinzipiell gibt es drei verschiedene OP-Methoden: die Operation nach Shouldice, die nach Lichtenstein sowie minimal-invasive Verfahren. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, müssen Arzt und Patient individuell entscheiden.

Operation nach Shouldice

Ablauf: Der Operateur nimmt einen Hautschnitt in der Leistenregion vor und legt den Bruch frei. Anschließend öffnet er den Bruchsack, der sich durch den Leistenbruch gebildet hat und drückt den Bruchinhalt in die Bauchhöhle zurück. Dadurch gelangen Darm- und/oder Fettgewebe wieder in ihre ursprünglichen Positionen. Zuletzt vernäht der Chirurg die durch den Bruch entstandene Lücke mit benachbartem Bindegewebe und stabilisiert so die Leistenregion.

Vorteile: Der Eingriff kann unter örtlicher Betäubung stattfinden, es ist keine Vollnarkose notwendig. Es wird wenig künstliches Material benötigt – lediglich zum Vernähen. Deshalb kommt es kaum zu allergischen Reaktionen oder Reizungen.

Nachteile: Patienten müssen sich nach der OP lange Zeit schonen. Es dauert meist zwei Monate, bis sie sich wieder belasten dürfen, etwas heben oder Sport treiben können. Nach dem Eingriff kann es eine Weile zu ziehenden Schmerzen in der Leiste kommen.

Für wen? Das Verfahren nach Shouldice empfehlen Ärzte oft für junge Menschen und für solche, die einen kleinen Leistenbruch erlitten haben.

Operation nach Lichtenstein

Ablauf: Die OP läuft im Prinzip wie das Verfahren nach Shouldice ab. Allerdings stabilisiert der Chirurg hierbei den Bruch mit einem speziellen Kunststoffnetz. Er legt es über das durch den Bruch entstandene Loch und vernäht das Netz darüber. Bei Männern wird das Netz um den Samenstrang herum positioniert, damit dieser weiterhin ungehindert durch den Leistenkanal verlaufen kann.

Vorteile: Für diese Methode ist keine Vollnarkose nötig, eine örtliche Betäubung reicht aus. Das Risiko für einen erneuten Bruch ist gering. Patienten dürfen sich früher wieder belasten als nach dem Shouldice-Verfahren.

Nachteile: Das Kunststoffnetz verleibt als Fremdmaterial im Körper. Bei modernen Netzen kommt es jedoch nur sehr selten vor, dass der Körper darauf empfindlich reagiert.

Für wen? Die Operation nach Lichtenstein eignet sich für ältere Menschen und für Patienten, bei denen ein größerer Leistenbruch vorliegt. Auch wenn es sich um einen wiederholten Bruch handelt oder der Betroffene aus beruflichen Gründen schnell wieder fit sein muss, empfiehlt sich diese Methode.

Minimal-invasive Methode: Hierbei reichen winzige Hautschnitte aus, um den Leistenbruch zu operieren

W&B/Ulrike Möhle

Minimal-invasive Technik (TEP- oder TAPP-Operation)

Ablauf: Minimal-invasiv bedeutet, dass es keines großen Hautschnitts bedarf, sondern nur winziger Schnitte. Experten unterscheiden das sogenannte TEP(total extraperitoneale Hernioplastik)-Verfahren von der TAPP(transabdominelle präperitoneale Hernioplastik)-Methode. In beiden Fällen führt der Operateur über die kleinen Bauchschnitte ein Endoskop (Schlauchgerät mit eingebauter Minikamera) sowie die nötigen Instrumente ein und schiebt sie bis zum Leistenbruch vor.

Bei der TEP-Technik nutzt der Arzt einen feinen Gewebespalt aus, der sich natürlicherweise zwischen Haut und Bauchfell befindet. Dort ritzt er die Haut ein und schleust die Instrumente ein. Der Operateur drückt den Bruchsack zurück in die Bauchhöhle und führt über oben genannten Spalt ein Kunststoffnetz ein, dass er über dem Bruch anbringt. Das Netz fixiert sich von selbst, es sind keine Metallklammern oder Ähnliches nötig. Beim TAPP-Verfahren liegen die Hautschnitte im Bereich des Bauchnabels sowie am Mittelbauch. Anschließend muss der Bauch mit Hilfe von Kohlendioxid aufgebläht werden. Der Chirurg drückt den Bruchsack ebenfalls zurück in die Bauchhöhle. Das Kunststoffnetz schiebt er vom Bauchraum aus – also von innen – bis zum Leistenbruch. Er nimmt dafür eine Bauchspiegelung vor. In diesem Fall muss das Netz mit Hilfe von Klammern oder Nähten fixiert werden. Gelegentlich wird es auch geklebt. Das Klammer- oder Nahtmaterial verleibt im Körper und löst sich von selbst auf.

Vorteile: Das Risiko für einen erneuten Bruch gilt als gering. Der Patient darf sich bald wieder belasten – bereits nach sieben bis zehn Tagen. Der Arzt platziert das Kunststoffnetz, ohne dass er den Bruch unter Zug zunähen muss. Dem Operierten bleiben dadurch üblicherweise ziehende Schmerzen erspart und er darf sich rasch wieder bewegen.

Nachteile: Die Operation läuft unter Vollnarkose, was zum Beispiel für ältere Menschen problematisch sein kann. Selten verletzt der Chirurg bei diesem Eingriff das Bauchfell, was zu Schmerzen nach der OP führt.

Für wen? Dieses Verfahren empfiehlt sich laut Experten für alle Patienten, bei denen keine Kontraindikationen gegen den Eingriff sprechen. Wer, etwa aus beruflichen Gründen, schnell wieder körperlich belastbar sein muss, der kann sich zum Beispiel für diese OP-Methode entscheiden.

Bruchbänder

Bruchbänder empfehlen Ärzte generell nicht mehr. Ein Bruchband spannt der Betroffene äußerlich um die Leistenregion. Das Band soll den Bruchinhalt in den Leistenkanal drücken. Es hat jedoch einige Nachteile: Der Leistenbruch wird nicht behoben. Zudem schwächt die dauerhafte Anwendung die Bauchwand, was spätere Operationen erschwert.


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