Hämorriden: Vier Behandlungs-Methoden

Die kleinen Gewebepolster bereiten vielen Menschen Probleme. Wann der Arzt Hämorriden behandeln sollte und welche Therapiemöglichkeiten es gibt

von Simone Scheufler, aktualisiert am 10.02.2016

Beschwerden am Po: Hämorriden sind behandelbar

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Sie haben die Aufgabe dicht zu halten. Und sie erledigen das unbemerkt im Verborgenen. Hämorriden sind gut durchblutete, ringförmig angeordnete Gewebepolster, die zusammen mit dem Schließmuskel zur Feinabdichtung des Analkanals dienen. Machen sie durch Beschwerden wie Jucken und Nässen oder mit Blut auf dem Toilettenpapier auf sich aufmerksam, sollte man das nicht aus falscher Scham ignorieren. Von alleine wird es meist nicht besser. Der Hausarzt oder ein Proktologe, ein auf den Enddarm spezialisierter Facharzt, sind die richtigen Ansprechpartner, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Ein Alarmsignal sind kleinste Blutspuren aus dem Darm: Dann sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.

Selbstbehandlung von Hämorriden möglich

Leichte Hämorridalbeschwerden können nach ärztlicher Abklärung mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Salben oder Zäpfchen behandelt werden. "Lokal betäubend wirkende Substanzen lindern den Juckreiz", sagt der Apotheker Bernward Unger aus Dettelbach in Bayern.


Bei der Verwendung von Zäpfchen sollte man darauf achten, dass sie nicht zu weit eingeführt werden. Das gilt auch für Salben mit Applikationshilfe zur inneren Anwendung. Denn die Hämorriden befinden sich am Darmausgang.

Gut zu wissen: Präparate zur Selbstbehandlung helfen bei leichteren Problemen, vergrößerte Hämorriden können sie jedoch nicht beseitigen. Lassen die Beschwerden nach wenigen Tagen nicht deutlich nach, sind die Hämorriden immer ein Fall für den Arzt.

Beim Arzt: Vier gängige Methoden der Behandlung

Welche Therapie sich eignet, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind, in welchem Umfang die Hämorriden vergrößert und auch wie viele betroffen sind.


Methode: Veröden

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1. Veröden

Unter die Schleimhaut spritzt der Arzt ein Mittel in die Hämorride, um die Blutgefäße zu veröden. Das verursacht meist keine Schmerzen. Diese sogenannte Sklerosierung oder Verödungstherapie verringert die Durchblutung des Gewebes. Die Hämorride vernarbt, schrumpft auf ihre ursprüngliche Größe zurück, und der Druck lässt nach.

Die Methode eignet sich nur bei einer leichten Vergrößerung des Hämorridalgewebes. "In der Regel sind mehrere Sitzungen nötig. Die Sklerosierung kann auch mit einer Gummibandligatur kombiniert werden", sagt Dr. Emile Rijcken, Leiter des Darmzentrums am Universitätsklinikum Münster. Nach einiger Zeit können sich allerdings erneut vergrößerte Hämorriden bilden. Bei Bedarf wird die Verödungstherapie mehrfach wiederholt.


Methode: Abbinden

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2. Abbinden

Bei der Gummibandligatur bringt der Proktologe ein Gummiband etwas oberhalb der Hämorride an. Das vorgefallene Hämorridalgewebe wird dadurch hochgezogen, überschüssiges Gewebe abgebunden. Das Blutgefäß, das die Hämorride versorgt, wird gedrosselt. Die Schleimhaut stirbt ab und fällt mit dem Gummiband unbemerkt ab.

"Die Methode eignet sich für Hämorriden, die so vergrößert sind, dass sie zwar in den Analkanal fallen, sich spontan aber wieder zurückziehen", erklärt Enddarmspezialist Rijcken. "Die meisten Menschen haben drei Stellen, wo das bevorzugt der Fall sein kann." Zunächst werden ein oder zwei vergrößerte Hämorriden behandelt, niemals alle auf einmal. Nach vier bis sechs Wochen kontrolliert der Arzt den Verlauf und nimmt sich gegebenenfalls eine weitere Stelle vor. Auch bei dieser Methode können sich nach einiger Zeit erneut vergrößerte Hämorriden bilden. "Die ambulante Gummibandligatur eignet sich nicht für Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen", schränkt Rijcken ein.


Methode: Raffen

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3. Raffen

Ein noch relativ neues Verfahren ist das sogenannte Rekto-Anal-Repair (RAR). Dabei wird das vergrößerte Hämorridalpolster umstochen und gerafft, die Fadenenden werden zusammengezogen und verknotet. So entsteht eine Art Lifting-Effekt: Die spezielle Nahttechnik fixiert die Hämorride dort, wo sie anatomisch eigentlich hingehört. Diese Operation wird in einer Rückenmarks- oder Vollnarkose durchgeführt. "Der Vorteil für den Patienten ist, dass diese Methode als schmerzarm gilt: Es wird nicht geschnitten, und so gibt es auch keine offenen Wunden", sagt Darmexperte Rijcken.

Eine weitere operative Alternative ist die Doppler-gesteuerte Hämorridalarterien-Ligatur (HAL). Dabei werden die Arterien, welche die Hämorriden mit Blut versorgen, mit einer Naht verschlossen. Die Blutzufuhr verringert sich dadurch, und die Gefäßpolster schwellen ab.


Methode: Klammern

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4. Klammern

Bei fortgeschrittenen Beschwerden ist eine operative Entfernung meist das Mittel der Wahl. Sind ringförmig mehrere Hämorriden betroffen, die bereits aus dem After heraustreten, sich aber noch zurückschieben lassen, kann die Stapler-Operation eingesetzt werden.

Dabei rafft ein spezielles Klammernahtgerät, der Stapler, überschüssiges Gewebe nach oben und entfernt es. Die Klammernaht wird oberhalb des schmerzempfindlichen Analkanals positioniert. "Diese Methode bezeichnet man auch als ,anales Lifting‘: Der in den Analkanal vorgefallene Hämorridalring wird in seine ursprüngliche Position zurückgebracht", sagt Proktologe Rijcken. Komplikationen wie Blutungen, Schmerzen und Stuhlentleerungsstörungen können in seltenen Fällen vorkommen. Die Operation erfolgt in der Regel stationär.

Soll nur vereinzelt eine vergrößerte Hämorride entfernt werden, sprechen Experten von Hämorrhoidektomie. Je nach Methode kann die Wundheilung einige Wochen dauern.


Hämorriden vorbeugen

Starkes Pressen beim Toilettenbesuch sollte man vermeiden – sowohl während der Behandlung von Beschwerden, als auch zu ihrer Vorbeugung. Eine vorsichtige und gründliche Reinigung nach dem Stuhlgang mit weichem Papier oder eine Spülung mit Wasser ist selbstverständlich. Wer ausreichend trinkt, fördert die Verdauung. Auch eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung und viel Bewegung halten den Darm in Schwung.


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