Einmal im Leben, so schätzen Experten, leidet jeder Erwachsene unter Hämorriden-Beschwerden. Doch statt über Jucken, Bluten, Nässen und schmierigen Stuhl mit dem Proktologen (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms) zu reden, versuchen die meisten Menschen damit irgendwie klarzukommen. Dabei kann jedem Patienten geholfen werden.
Eigentlich sind die Hämorriden nichts anderes als durchblutete Gewebepolster, die den After nach außen abdichten. Erst wenn sie sich so vergrößern, dass Beschwerden auftreten, werden sie zur Krankheit. Zwar gibt es Risikofaktoren wie Übergewicht, Schwangerschaft und eine erblich bedingte Bindegewebsschwäche, aber „die weitaus häufigste Ursache für vergrößerte Hämorriden ist die schlechte Angewohnheit, auf der Toilette zu pressen“, erklärt der Münchner Proktologe Dr. Georg Osterholzer. Beschwerden müssen immer ärztlich abgeklärt werden, weil auch andere, zum Teil gefährliche Erkrankungen hinter den vermeintlich eindeutigen Symptomen stecken können.
Bei der sogenannten Gummibandligatur schlingt der Arzt einen Gummiring über vergrößerte Gewebebereiche
Medikamente: Zur Behandlung akuter Beschwerden können vorübergehend Salben, Zäpfchen, Analtampons oder Sitzbäder aus der Apotheke hilfreich sein. „Gut eignen sich Zäpfchen, die noch eine Mulleinlage enthalten. So sind sie im After gut fixiert und können länger am Ort der Erkrankung wirken“, erklärt der Apotheker Heinz Köppl aus Kronach (Bayern). Die Präparate enthalten meist entzündungshemmende Wirkstoffe, die Linderung verschaffen. Der Proktologe Dr. Georg Osterholzer warnt allerdings: „Die Medikamente eignen sich gut für den kurzfristigen Einsatz, aber keinesfalls zur Dauertherapie.“ Bei sehr hartem Stuhl können jedoch stuhlfördernde Präparate wie Lactulose oder abführende Mittel helfen.
Selbsthilfe: In leichten Fällen und zur Vorsorge kann der Patient einfache Maßnahmen durchführen. An vorderster Stelle stehen ein richtiges Stuhlverhalten und eine angemessene Analhygiene. „Man sollte wirklich erst dann auf die Toilette gehen, wenn sich der Stuhldrang bemerkbar macht, und niemals pressen“, sagt Osterholzer. Nach dem Stuhlgang reinigt man sich am besten mit weichem Toilettenpapier und lauwarmem Wasser. Eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen sorgt für eine optimale Stuhlkonsistenz.
Ambulante Maßnahmen: Ärzte teilen Hämorriden-Beschwerden in vier Erkrankungsstadien ein. In den ersten beiden reichen meistens ambulante Maßnahmen aus. So spritzt der Arzt bei der Sklerosierung ein Medikament in die Hämorriden, das sie zusammenschrumpfen lässt. Eine weitere Möglichkeit ist die Gummibandligatur, die laut Osterholzer recht gut wirkt: „Ein Gummiring wird über die vergrößerten Gewebepolster geschlungen, die dann nicht mehr durchblutet werden und schließlich abfallen.“ Beide Methoden sind in der Regel schmerzfrei.
Stapler-Methode: Das Gerät wird in den Enddarm eingeführt und zwickt überschüssige Schleimhaut ab. Anschließend verschließt es die Wunde mit einer Naht
Operationen: Bei weiter fortgeschrittenen Erkrankungen bleibt meist nur eine Operation. Das am weitesten verbreitete Verfahren ist die Stapler-Methode nach Longo. „Dabei wird mit einem Spezialgerät überschüssige Schleimhaut im Bereich des unteren Mastdarms ringförmig abgetrennt, zusammengerafft und vernäht“, erläutert Osterholzer. Dieses Verfahren lässt sich aber nicht in jedem Fall anwenden. Andere Operationsmethoden sind beispielsweise die Verfahren nach Ferguson, Milligan-Morgan oder Fansler-Arnold. Sie haben sich ebenfalls bei der Behandlung weiter fortgeschrittener Erkrankungsstadien bewährt. Alle Methoden haben gemeinsam, dass die Hämorridalknoten mit einer speziellen Operationstechnik entfernt und die Gefäßpolster so auf normale Größe gebracht werden.
Christian Krumm / Apotheken Umschau;
19.11.2010, aktualisiert am 29.03.2011
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle, iStock/sculpies
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