Was ist Calcidiol?
Calcidiol ist eine noch nicht aktive Form des Vitamins D3. Doch auch diese Vorstufe ist für die Diagnostik wertvoll. Der Laborparameter hilft, einen Vitamin D-Mangel oder eine Vitamin D-Vergiftung einschätzen zu können.
Es bedarf verschiedener Schritte, bis aktives Vitamin D3 im Körper entsteht: Der Mensch nimmt aus der Nahrung einen Vorläufer des Vitamins D3 auf. In der Haut bildet sich unter dem Einfluss von Sonnenlicht das noch unfertige Vitamin D3. Es wird in der Leber weiterverarbeitet zu 25-Hydroxy-Vitamin D3, dem Calcidiol. Erst durch einen letzten Reaktionsschritt in der Niere bildet sich schließlich das aktive Vitamin D3, das Calcitriol (1,25-Dihydroxy-Vitamin D3).
Der Calcidiol-Wert gibt dem Arzt Auskunft darüber, wie viel Vitamin D-Vorläufer über die Nahrung in den Körper gelangt und wie viel Vitamin D3 mit Hilfe des Sonnenlichts im Körper produziert wird. Dabei können die Werte von Patient zu Patient und auch je nach Jahreszeit deutlich schwanken. Ein zu niedriger oder zu hoher Wert sollte deshalb nur vom Spezialisten und in Kombination mit anderen Blutwerten interpretiert werden. Ein einzelner Calcidiol-Wert alleine sagt wenig aus.
Der Arzt bestimmt den Calcidiol-Wert zum Beispiel bei Verdacht auf Sonnenlichtmangel, insbesondere bei älteren Menschen oder bei einem vermuteten Vitamin D-Mangel durch eine nicht ausreichende Ernährung. Wichtig ist der Calcidiol-Wert auch, um eine Rachitis oder Osteomalazie (Knochenweiche im Kindes- und Erwachsenenalter) und deren Behandlung einschätzen zu können. Bestimmte Krankheiten und Medikamente beeinflussen den Vitamin D-Haushalt.
Welcher Calcidiol-Wert ist normal?
Die normale Calcidiol-Konzentration im Blut ist abhängig vom Alter des Patienten und, bei Frauen, davon ob eine Patientin stillt.
Bei unter 50-Jährigen gelten 20 - 70 µg/l (50 - 175 nmol/l) als normal, bei über 50-Jährigen 25-70 µg/l (63 - 175 nmol/l). Bei stillenden Frauen sind 30 - 70 µg/l (75 - 175 nmol/l) normal (nach "Labor und Diagnose" von Lothar Thomas).
Wann ist der Calcidiol-Wert zu niedrig?
Fehlt es an Sonnenlicht, kann der Calcidiol-Spiegel absinken. Bereits acht bis zwölf Wochen ohne Sonne sind unter Umständen ausreichend, um einen Vitamin D3-Mangel auszulösen. Gefährdet sind zum Beispiel Menschen, die in Altenheimen leben und sich nur selten im Freien aufhalten. Als Folge droht eine Osteoporose.
Patienten, die wegen Magen-Darm-Krankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten zu wenig Vitamin D3-Vorstufen aufnehmen oder zu wenig fertiges Vitamin D3 herstellen können, haben ebenfalls niedrige Calcidiol-Spiegel im Blut. Wer bestimmte Schlafmittel (Barbiturate) oder Medikamente gegen Epilepsie einnimmt, benötigt mehr Vitamin D3 und hat infolgedessen häufig zu niedrige Calcidiol-Werte. Eine überaktive Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) führt ebenso zu erniedrigten Vitamin D3-Spiegeln. Beim sogenannten nephrotischen Syndrom verliert eine beschädigte Niere Vitamin D3 an den Urin, wodurch der Calcidiol-Wert im Blut sinkt. Sind Leber oder Niere schwer geschädigt, kann aus den Vitamin D3-Vorstufen kein aktives Vitamin D3 mehr hergestellt werden, was den Calcidiolspiegel absenkt.
Wann ist der Calcidiol-Wert zu hoch?
Bei einer Vitamin D3-Vergiftung steigt vor allem der Calcidiol-Wert an, während der Calcitriol-Wert (aktives Vitamin D3, 1,25-Dihydroxy-Vitamin D3) meist normal ist.
Kurz zusammengefasst:
Calcidiol ist die noch nicht aktive Zwischenstufe des Vitamins D3. Aus der Nahrung werden Vorläuferprodukte aufgenommen, die in der Haut und in der Leber zu Calcidiol verfeinert werden, bevor sie in der Niere zum aktiven Vitamin D3 Calcitriol fertig gestellt werden. Calcidiol kann als Laborwert Hinweise auf einen Sonnenlichtmangel, Leber- und Nierenschäden geben. Bei der Behandlung mit bestimmten Medikamenten muss der Wert überprüft werden, weil der Vitamin D3-Bedarf steigen kann.
Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor unterscheiden. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Sie müssen im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.
Dennis Ballwieser / www.apotheken-umschau.de; 27.11.2011, aktualisiert am 02.12.2011
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