Was hilft zusätzlich zur Brustkrebstherapie?

Experten sagen: Sport und gesunde Ernährung können die Brustkrebstherapie unterstützen. Was nützt und was eher schadet

von Sonja Gibis, aktualisiert am 21.03.2016

Meditieren: Frauen mit Brustkrebs profitieren von Yoga

Getty/Photodi/artparadigm

Vitamine in hoher Dosis, Diäten ohne Fleisch und Zucker, Stärkungsmittel fürs Immunsystem: Die Zahl der Angebote, die Krebs mit Methoden jenseits der Standardmedizin bekämpfen wollen, ist unüberschaubar. Und viele Erkrankte greifen zu. "Mehr als die Hälfte der Brustkrebspatientinnen nützt ergänzende Methoden", sagt Dr. Petra Voiß. Am Brustzentrum der Kliniken Essen-Mitte klärt die Ärztin für Naturheilverfahren Frauen darüber auf, was ihnen nützen kann – und was eher schadet.

Generell hält Voiß die Suche nach Wegen ergänzend zur Kliniktherapie nicht nur für verständlich, sondern für richtig. Der Krebs raubt den Frauen die Kontrolle über den Körper, im Krankenhaus werden ihnen strapaziöse Behandlungen verordnet. "Die Patientinnen wollen mitgestalten, was mit ihnen geschieht", sagt sie. Das sehen heute auch viele Klinikärzte positiv. "Die Krankheit aktiv anzugehen stärkt die Psyche ungemein", sagt etwa Dr. Andreas Hartkopf, Leiter der medikamentösen Onkologie an der Uni-Frauenklinik Tübingen. Das verbessert auch die Chance, den Krebs zu überwinden.


Dr. Petra Voiß

W&B/Henning Ross

Unseriöse Angebote richtig einschätzen

Leider nützen viele selbst ernannte Heiler die Verzweiflung von Krebspatienten rücksichtslos aus. Nicht selten stärken sie dazu deren Misstrauen gegenüber der Medizin, die Medikamente verordnet, die sie zunächst scheinbar noch kränker machen. Doch Vorsicht: "Vernachlässigen Sie auf keinen Fall die Standardtherapien", warnt Hartkopf. Auch wenn sie Nebenwirkungen haben – sie sind die schärfste Waffe, die es derzeit gegen Brustkrebs gibt. Verspricht ein Hersteller, dass seine Therapie Chemo und Bestrahlung überflüssig macht, kann man sicher sein, dass das Angebot unseriös ist. Auch wenn eine Therapie Krebs in jedem Stadium heilen oder gleichzeitig noch Aids und Depressionen kurieren soll, ist sie bestenfalls wirkungslos. Ein weiteres Warnsignal: ein hoher Preis, den der Patient selbst bezahlen muss.

"Ein Wundermittel gegen Krebs gibt es nicht", sagt Voiß. Dennoch kann jede Frau selbst viel tun, um sich wohler zu fühlen – und sogar das Risiko für einen Rückfall zu senken. Die Wege dazu klingen allerdings wenig spektakulär. "Die wissenschaftlichen Studien zeigen fast immer das, was einem auch der gesunde Menschenverstand rät", sagt die Expertin für Naturheilverfahren. So helfen Entspannungstechniken gegen Ängste; mediterrane Ernährung mit viel Obst und Gemüse, dafür aber wenig Fett senkt vielleicht sogar die Gefahr, dass der Krebs zurückkehrt.

"Krebs lässt sich nicht aushungern"

Grundsätzlich sollten Patientinnen laut Voiß einen Rat befolgen: "Wenn Sie zusätzlich etwas einnehmen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber." Denn manche Präparate können sogar schaden. Etwa wenn eine Frau Johanniskraut-Dragees schluckt, um die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu verringern. Das hat einen hohen Preis: Diese wirkt auch schlechter. Indem die pflanzlichen Inhaltsstoffe den Leberstoffwechsel anregen, werden die Chemotherapeutika schneller abgebaut.

Allgemein gilt bei der Komplementärmedizin ein einfacher Grundsatz: Extreme schaden mehr, als sie nützen. Einseitig und daher in der Regel völlig ungeeignet sind etwa viele Krebsdiäten. "Ein Tumor lässt sich nicht einfach aushungern", sagt Voiß. Auch bei Vitaminen kann eine zu hohe Dosis  schaden. Forscher sahen in ihnen lange eine mögliche Waffe gegen Krebs – bis Untersuchungen zeigten, dass zu viel davon die Krebsgefahr sogar erhöhen kann, etwa bei Vitamin A und E. "Generell raten wir von Nahrungsergänzungsmitteln ab, es sei denn, es besteht ein Mangel", sagt Voiß. Dazu kann es etwa bei starkem Gewichtsverlust kommen.

Das wirksamste Mittel: Bewegung

Das wirksamste Mittel der komplementären Krebsmedizin ist eine Therapie, an die viele zunächst gar nicht denken: Bewegung. Sie verbessert nicht nur die Stimmung, dämpft Ängste und lindert die Nebenwirkungen der Chemo- und Bestrahlungstherapie. Wer regelmäßig Sport treibt, hat auch ein bis zu 40 Prozent geringeres Risiko, dass der Brustkrebs zurückkehrt.

Bewegung ist zudem ein gutes Rezept, um überflüssige Kilos loszuwerden. Denn starkes Übergewicht wirkt sich negativ auf den Verlauf der Krankheit aus. Doch auch bei Bewegung gilt die Regel: Die Dosis muss stimmen. So kann die Chemotherapie das Herz angreifen. Daher sollte man erst ein bis zwei Tage nach der Infusion loslegen. Wann man eine Pause einlegen soll, kann einem zum Beispiel eine Pulsuhr sagen. "Ein  Spaziergang ist aber fast immer drin", sagt Voiß.

Nachgewiesen ist überdies, dass Frauen mit Brustkrebs von Yoga profitieren. Bewährt hat sich auch eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. "Suchen Sie im Internet nach speziellen Krebssportgruppen", rät Voiß. Bewegungstherapie gibt es für Krebspatienten auch auf Rezept. Die körperliche Aktivität sollte dabei aber vor allem Freude machen. Wer lieber Rad fährt, wandert oder einfach den Rasen mäht – für den ist das die beste Medizin.


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Bildnachweis: W&B/Henning Ross, Getty/Photodi/artparadigm

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